nach oben
16.06.2009

Schweinegrippe im Enzkreis: 40 Personen in Isolation

ENZKREIS/PFORZHEIM. Während es dem ersten Schweinegrippe-Patienten im Enzkreis wieder gut geht, läuft der Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Virus. Über 40 Personen im Enzkreis und in Pforzheim wurden isoliert.

Der 46-Jährige aus dem östlichen Enzkreis war kurz nach der Rückkehr aus den USA erkrankt. Erst Donnerstags sei der Mann nach Amerika geflogen, am Freitag bereits zurückgekehrt, sagte Dr. Roswitha Kull, Leiterin des für den Enzkreis und für Pforzheim zuständigen Gesundheitsamts. Am Sonntag habe er mit Grippesymptomen den Arzt aufgesucht. Die Bestätigung des Verdachts auf Schweinegrippe kam am Montag gegen 18.30 Uhr. „Vier Stunden später hatten wir alle Menschen erreicht, die mit dem Erkrankten seit seiner Rückkehr Kontakt gehabt hatten“, so Dr. Kull.

Seit dem ersten Verdacht hatten die Experten vom Gesundheitsamt fieberhaft die Kontakte des 46-Jährigen ermittelt. Die meisten der Betroffenen, die mittlerweile isoliert wurden, hatten mit dem Mann ein Vereinsfest am Samstag besucht. Die umfangreichen Vorsichtsmaßnahmen haben mit dem Versuch zu tun, die Ausbreitung des neuen Virus zu stoppen. Über seine Gefährlichkeit sagen sie nichts aus. In Baden-Württemberg sind die Krankheiten bislang glimpflich verlaufen. Über den Patienten aus dem Enzkreis sagt Dr. Marta Szabo vom Gesundheitsamt: „Er hat kein Fieber mehr und ist auf dem Weg der Genesung.“

Die Isolierung bedeutet für die Betroffenen, also für den Patienten, seine Familie und alle, die er seit Freitag getroffen hat, zu Hause zu bleiben, nicht zu arbeiten oder zur Schule zu gehen, die Kontakte selbst innerhalb der eigenen Familie gering zu halten und sich gesundheitlich zu überwachen, zum Beispiel zwei Mal täglich Fieber zu messen. Bei Erwachsenen geht man davon aus, dass die Schweinegrippe nach einer Infizierung in bis zu sieben Tagen ausbricht, bei Kindern werden elf Tagen Frist gesetzt. Die meisten Isolierten müssen bis Samstag zu Hause bleiben. Es sind einige Schüler darunter, einer davon von der Fritz-Erler-Schule in Pforzheim. Zum größten Teil kommen die Betroffenen aus dem Enzkreis, zwei sind Pforzheimer. Ob man die Einschränkungen für einige, die keinen engen Kontakt zum Patienten hatten, gelockert werden können, prüft das Gesundheitsamt.
Es gebe derzeit keine Hinweise auf weitere Erkrankungen, sagte gestern Dr. Marta Szabo. Sollten bei den Kontaktpersonen aber Symptome wie Fieber und Gliederschmerzen auftauchen, sollten sie sofort ihren Arzt verständigen. Wichtig sei, dass man nicht einfach zur Praxis gehe, sondern telefonisch einen Termin vereinbare, damit der Arzt besondere Vorsichtsmaßnahmen vorbereiten kann, so Dr. Szabo. Bis jetzt habe man die Situation im Griff: „Alle Betroffenen haben mitgezogen.“

Aus Sicht der Gesundheitsexperten besteht ohnehin kein Anlass zu Panikmache. Die Grippe-Medikamente Tamiflu und Relenza würden auch gegen das neue Virus wirken. Und auch eine normale Grippe-Impfung könnte das Ansteckungsrisiko möglicherweise vermindern. Den Impfstoff speziell gegen die Schweinegrippe „werden wir im Herbst haben“, ist Dr. Kull überzeugt. Bis dahin laufen die Behörden bundesweit Einzelfällen hinterher. Vor allem aus Sorge, das neue Virus könnte sich mit anderen Grippe-Stämmen vermischen. Beim Hinterherlaufen müssen weite Wege gegangen werden. Auch die Gesundheitsämter derjenigen Menschen, die im Flugzeug bei dem infizierten Mann aus dem Enzkreis saßen, wurden alarmiert.