nach oben
Lehrkraft Anja Sündermann (rechts) und Faten Mdeihli (an der Tafel) bringen in Niefern Flüchtlingskindern Deutsch bei.
Lehrkraft Anja Sündermann (rechts) und Faten Mdeihli (an der Tafel) bringen in Niefern Flüchtlingskindern Deutsch bei.
Her mit Deutschmaterial: In der Spezialklasse der Nieferner Werkrealschule lernen die Schüler auch das Schreiben.  Seibel
Her mit Deutschmaterial: In der Spezialklasse der Nieferner Werkrealschule lernen die Schüler auch das Schreiben. Seibel
21.05.2017

Schwerer Weg in den deutschen Alltag

Mit diesem Vornamen muss ja alles klappen. Die junge Mercedes aus Ungarn kam vor rund zwei Jahren in die Flüchtlingsklasse der Nieferner Werkrealschule. Als sich die PZ im Dezember 2015 anschaute, wie die Lehrerin Lisa Maria Glaser Kindern der Asylsuchenden Deutsch beibringt, stach Mercedes schon mit ihrem Feuereifer heraus. „Bei ihr ist es supertoll gelaufen“, freut sich Glaser heute. Mercedes ist nun in der regulären achten Klasse – „mit guten Aussichten, den Hauptschulabschluss zu schaffen.“

Was ist aus den zehn bis 15-jährigen Jungen und Mädchen geworden, die damals Deutsch büffelten? Glaser betreut die Vorbereitungsklasse nicht mehr, sie hat eine Stelle in der Nieferner Grundschule bekommen. Die PZ hat jetzt nach 18 Monaten die von ihrer Nachfolgerin Anja Sündermann betreute Vorbereitungsklasse wieder besucht.

Sie kamen aus aller Herren Länder nach Niefern. Eine Bestandsaufnahme zeigt: Der Weg, die deutsche Sprache zu lernen, ist steinig. Aber ohne Alternative: Nur wer Deutsch paukt, habe die Chance auf einen Ausbildungsplatz oder einen Job, sagt Rektor Joachim Eichhorn. Und der Hauptschulabschluss sei beileibe nicht leicht. Nur wer ein gutes Sprachverständnis habe, könne die Mathematikaufgaben erfassen.

„Ich will Deutsch perfekt lernen“, sagte damals richtig optimistisch ein junger Syrer, der auf der Flucht seine Eltern verloren hatte. Fleißig ist er bis heute – nun ist er in Klasse 9. Sein früherer Tischnachbar aus dem Irak ist dagegen ein Problemfall. Der heute 16-Jährige fehlte auf einmal, dann kam er wieder zurück in die Spezialklasse. Was genau los ist, wissen weder der Rektor noch die Betreuerin Faten Mdeihli von der TSG Niefern, die aushalf, bis Sündermann in die Schule kam und der sie nun noch eine Weile im Unterricht hilft. Der dritte in der ehemaligen Tischreihe, ein Junge aus Afghanistan, ist am Ball geblieben. Er geht nun wie Mercedes in eine Regelklasse. Und wollte immer gerne Fußball spielen.

Der Sport ist wie ein kleiner Traum. Für Jungen ganz besonders das runde Leder. Demnächst beim Fußballturnier der Schule stellt die Flüchtlingsklasse eine Mannschaft. Das stärke den Teamgeist der Klasse, freut sich Sündermann auf die Sportveranstaltung.

Nicht mehr in der Schule sind zwei Schwestern aus dem Irak. Die Familie lebte damals in der Notunterkunft, die der Kreis in der alten Schulturnhalle einrichtete. Als die Flüchtlingszahlen sanken, räumte das Landratsamt das Asylheim und gab die Halle, wie mit der Gemeinde vereinbart, wieder frei. Die beiden Mädchen zeigten sich zunächst richtig wissbegierig. Doch dann wurden sie leiser und leiser, beteiligten sich kaum mehr am Unterricht. Aber warum? Glaser und Eichhorn mußmaßten damals beim PZ-Besuch in der Klasse: Wahrscheinlich hätten die Eltern argwöhnisch die schulischen Fortschritte betrachtet und schließlich wohl darauf beharrt, dass sie die herkömmliche Frauenrolle zu erfüllen hätten.

Anders lief es dagegen bei zwei Mädchen aus Afghanistan. Sie hätten sich gut entwickelt, sind jetzt in Klasse 8, so Schulleiter Eichhorn. Als sie hier ankamen, konnten sie jedoch bereits gut Englisch – ein Zeichen dafür, dass die Eltern gebildet sind und zudem in der Lage waren, den Töchtern schon in ihrem Heimatland eine gute Schulbildung zu bieten.

Erfolge und Misserfolge. Im regionalen Schulamt für Pforzheim, den Enzkreis und den Landkreis Calw gehen insgesamt rund 2500 ausländische Kinder und Jugendliche in 153 Vorbereitungsklassen. Diese Einrichtungen seien goldrichtig, sagen Glaser und Sündermann – die jungen Leute könnten in einem geschützten Rahmen ein gutes Sprachgefühl erlernen. „Viele haben sich gut integriert“, so der Rektor. Das Land habe angekündigt, die Unterrichtsstunden zu kürzen, doch das sei vorerst kein Thema mehr. Das Schulamt garantiere mit Zuweisungen aus einem Stellentopf die bisherige Stundenzahl.