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11.04.2009

Sechs kreative Köpfe, sechs Temperamente, sechs verschiedene Eier

Ostereier bemalen - ist das nur etwas für Kinder? Eigentlich doch nicht. Beim weithin bekannten Ostereier-Markt in Maulbronn werden Jahr für Jahr wahre Kunstwerke angeboten. Ostereier sind also etwas für Kreative - sechs kreative Köpfe aus der Region hat die "Pforzheimer Zeitung" deshalb eingeladen, einmal zu zeigen, was sie mit einem ausgeblasenen Ei anzufangen wissen.

Verdreht

An den Osterhasen glaubt Rose Morlock scheinbar nicht. Bei der Künstlerin aus Birkenfeld bringt ein Drache die Ostereier. Sein Name: Karlh-Ei-nz. Ein bisschen ungewöhnlich? „Mag sein. Aber soviel ich weiß, legen Drachen wenigstens tatsächlich Eier. Hasen hingegen nicht“, sagt Rose Morlock. Die 63-Jährige bleibt sich treu. Denn auch sonst kreiert sie mit Leidenschaft Objekte, die eine verdrehte Welt zeigen. So nun auch zu Ostern. Und schwups – klebt um ein weiteres Ei eine Blumenranke aus hauchdünnem, bemaltem Kupferblech. „Wer sagt denn, dass Eier immer bemalt sein müssen?“ Ja, Rose Morlocks Werke sind eben alle ein bisschen anders. lin

Pragmatisch

Das Ei des Professors Dr. Martin Erhardt müsste eigentlich eckig sein. „Ein Fall für ein studentisches Projekt“, denkt er laut, während er versucht, seine zurechtgeschnittenen Aufkleber möglichst faltenfrei auf der Rundung des Eis zu fixieren. Das gelingt Erhardt mit achtbarem Erfolg, ehe er zu den Buntstiften – „Beschafft aus Landesmitteln, aber nicht weitersagen!“ – greift. Der gelernte Wirtschaftsprüfer zeichnet einen Grundriss des Hochschul-Standortes an der Tiefenbronner Straße, dann lässt er die Fassade der Dependance der Gestalter an der Holzgartenstraße folgen. Dass man die nur mit viel Fantasie erkennt, ficht Erhardt nicht an: „Da muss man halt mitdenken.“ Erl

Minimalistisch

Weniger ist manchmal mehr: Bei Sabine Ring-Kirschler ist Minimalismus Trumpf. Einen Tusche-Stift hat sie in die Handtasche gepackt, dazu noch einen silbernen Lackstift. Und damit gut – schließlich steht nirgendwo geschrieben, dass man sich der gestellten Aufgabe nicht auch von der grafisch-reduzierten Seite her nähern kann. „Ich finde mein Glück jeden Tag in einem Lächeln von Dir“, schreibt sie auf ein Ei, immer drei Buchstaben in eine Zeile, ohne Punkt und Komma in einem Band, das sich sozusagen von Eier-Pol zu Eier-Pol und wieder zurück zieht. Geht schnell und sieht gut aus – vorausgesetzt, man kann routiniert mit einem Tusche-Stift umgehen. Erl

Vorausschauend

In weiser Voraussicht schnappt sich Cora Herfurth-Keck gleich zwei Eier. Ganz typisch für die Hellseherin aus Neuenbürg. Zwar hat sie schon eine klare Vision, wie das Ei später aussehen soll. Doch weiß die 46-jährige Lebensberaterin: „Sobald man in das Schicksal eingreift, kann einiges passieren.“ Zum Beispiel, dass ein Ei kaputt geht. Was noch alles passieren kann, ist reine Orakel-Ei. Dafür braucht Cora Herfurth-Keck aber keine Kristallkugel. Für ihre Vorhersagen reicht ihr das eine von ihr bemalte Ei. Einfach kurz drehen, Finger drauf – und das angetippte Zeichen auf dem Ei weist die Zukunft. Nur eine Antwort findet sich darauf nicht: Was aus dem zweiten Ei geworden wäre. Lin

Goldig

Runde Dinge liegen Roland Hübner. Nur ist der Hobby-Handballer sonst eher an solche gewöhnt, die sich ohne zu zerbrechen ins Tor pfeffern lassen. So wagt er sich mit seinen Lackstiften nur vorsichtig an die zarte Eischale. Konzentriert pinselt Hübner das Enzkreis-Zeichen auf beide Ei-Pole: Ein blauer Punkt mit zwei silbernen Balken. Und dazwischen? „Ich wollte die vier Landschaften des Enzkreises malen. Aber das ist mir doch zu fitzelig.“ Es bleibt daher geometrisch. Weitere Punkte, noch mehr Balken. Und alles auf goldenem Grund. Oder wie er sagt: „Das Golden Ei des Enzkreises.“ Aber eins mit Mehrwert. So goldig, passt es auch an jeden Weihnachtsbaum. Lin

Druckreif

Sandra Pfäfflin ist und bleibt halt eine Frau des gedruckten Wortes. Nur: Wie bedruckt man denn ein Ei? Ganz einfach: mit Buchstaben-Nudeln. Das Paket kippt sie auf dem großen Redaktionstisch aus und fängt mit einer Pinzette an zu sortieren: „F-R-O-H-E-O-S-T-E-R-N“, pickt sie aus dem Haufen und „Pforzheimer Zeitung“ natürlich. Dann werden die Buchstaben sorgfältig auf das Ei geklebt, das dick mit einer Farbe eingepinselt wird, die dem PZ-Blau nahekommen soll. Sandra Pfäfflin zieht die Lettern noch mit einem silbernen Lackstift aus dem Fundus von Sabine Ring-Kirschler nach. Beim Eierbemalen ist es wie im Journalismus: Man muss sich nur zu helfen wissen. erl