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Drücken:  An der Hantelbank macht Gottfried Smetak so manch Jüngerem noch etwas vor. Der 59-Jährige stemmt die lange Stahlstange mit den Gewichten über seinem Brustkorb auf und ab und trainiert damit große Teile seiner Oberkörpermuskulatur.
Drücken: An der Hantelbank macht Gottfried Smetak so manch Jüngerem noch etwas vor. Der 59-Jährige stemmt die lange Stahlstange mit den Gewichten über seinem Brustkorb auf und ab und trainiert damit große Teile seiner Oberkörpermuskulatur. © Seibel
Prüfen:  Modesta Kreibel kontrolliert Heinrich Wollensacks Haltung.
Prüfen: Modesta Kreibel kontrolliert Heinrich Wollensacks Haltung.
Ziehen:  Monika Bäuerle mag Geräte für die Bauchmuskeln.
Ziehen: Monika Bäuerle mag Geräte für die Bauchmuskeln.
Schwitzen:  Ein Handtuch liegt immer griffbereit.
Schwitzen: Ein Handtuch liegt immer griffbereit.
02.06.2009

Senioren stählen ihre Muckis

 Locker und leicht sieht es aus, wenn Heinrich Wollensack einen Klimmzug nach dem anderen macht und dabei noch ein kleines Schwätzchen hält. Der 65-Jährige fühlt sich heute fast fitter denn je. Seit einem Jahr trainiert er an den Kraftgeräten des Turnvereins Nöttingen (TVN).

Skiunfall, Schlüsselbeinbruch und drei komplizierte Operationen hatte Wollensack zu dem Zeitpunkt bereits hinter sich. Was er damals kaum zu hoffen gewagt hat, gelingt ihm heute problemlos: 25 Liegestützen ohne Unterbrechung. „Ich dachte immer, Fitnessstudio sei nur was für junge Leute. Da habe ich mich mächtig geirrt“, sagt der Nöttinger, der mittlerweile ohne Sport ganz hippelig werde, wie er erzählt.

Das kennt auch Uschi Bodemer: „Wenn ich an den Geräten trainiere, spüre ich förmlich das Adrenalin in mir.“ Jahrelang hatte sie Rückenprobleme, inzwischen ist sie schmerzfrei. In ihrem eigenen Tempo drückt die 57-Jährige nun mit Leichtigkeit die Beinpresse: Immer dreimal 30 Wiederholungen.

Zusatztermin geplant

Kraftsport für die Generation 50plus ist ein Trend, der Bedarf riesig. Das hat auch der TVN erkannt und vor fünf Jahren sein erstes Angebot dieser Art gestartet. Damals noch an zwei Nachmittagen pro Woche, heute sind es drei. Geplant ist derzeit ein Zusatztermin am Vormittag. „Es gibt immer mehr ältere Leute. Und auch sie wollen so lang wie möglich fit bleiben“, weiß Vereinsvorsitzender Norbert Freundt. Dabei ginge es weniger um die Bikinifigur oder Bodybuilding, sondern um bewusstes Ausdauertraining und kontrollierte Kräftigung der Muskulatur.

So hat Übungsleiterin und Physiotherapeutin Modesta Kriebel immer ein Auge darauf, dass keiner ihrer Schützlinge krumm auf dem Gerät sitzt oder dieses falsch einstellt. Montags, mittwochs und freitags drücken und pressen rund 20 Senioren Gewichte unter ihrer Anleitung auf der Empore des vereinseigenen Fitnessstudios. Waren es anfangs 14, sind inzwischen 50 Rentner angemeldet. Für Modesta Kriebel ist es ganz gut, dass nicht immer alle zum Training kommen. Da behalte sie besser den Überblick und könne besser auf den Einzelnen eingehen: „Wir stehen terminlich immer in starker Konkurrenz zur Gartenarbeit oder den Enkeln“, sagt sie. Nach intensiver Einweisung erhält jeder der Senioren einen eigenen Trainingsplan. Hoch oben auf der Übungswunschliste: Bauch und Rücken. So auch bei der 56-jährigen Monika Bäuerle: „Ich merke, dass meine Knochen im Alter immer schwächer werden. Da muss ich was für meine Muckis tun, damit die das abfedern.“

Strampeln zu Musik

Beliebt bei den sportlichen Senioren ist auch die Wirbelsäulen-Gymnastik und das Indoor-Cycling. Wie das geht , zeigt ihnen Udo Kunzmann, selbst 69 Jahre alt. Zu Oldies aus den 1950ern und 60ern strampeln sie auf einem Standfahrrad – immer schön im Takt zu Elvis, den Beatles oder Freddy Quinn. Dazu einige Gymnastik-Übungen mit dem Handtuch – schön ziehen, dehnen und drücken. Kunzmann: „Aber jeder nur so, wie er kann. Schließlich haben in dem Alter viele bereits das ein oder andere Zipperlein.“ Carolin Kirstein

www.tv-noettingen.de