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Werden auch in Engelsbrand Windräder drehen?  Foto: dpa 

So geht es nach dem Antrag auf den Bau zweier Windkraftanlagen weiter: Kritiker besorgt, Befürworter skeptisch

Engelsbrand. Der Antrag des Energieunternehmens Juwi auf den Bau zweier Windkraftanlagen auf dem Sauberg bei Engelsbrand bewegt viele in der Gemeinde. Zwar war der zweite Anlauf für ein solches Projekt nach dem Aus der ersten Pläne näher bei Büchenbronn erwartet worden – doch mit dem Start der Prüfung der Antragsunterlagen durch das Landratsamt Enzkreis wird ein neuerliches Genehmigungsverfahren konkret.

Die Nachricht wurde schnell unter den windkraftkritischen Bürgerinitiativen in der Region geteilt. Verärgert reagiert man dort besonders auf die Rekorddimensionen der beiden nun geplanten Anlagen. Wie berichtet, setzt Juwi auf eine neue Generation von Windrädern für Standorte, wo etwa im Vergleich zu Küstenbereichen weniger Wind weht. General Electrics hat einen Windradtyp entwickelt, dessen Rotoren mit 158 Metern einen deutlich größeren Durchmesser haben als bei der bisherigen Technik und der vom Boden bis zur Rotorspitze mit 240 Metern Höhe 40 Meter weiter in die windträchtigeren, oberen Luftschichten greift als die ursprünglich für die Büchenbronner Höhe vorgesehenen Räder. Kritiker befürchten dadurch auch eine entsprechend größere Dimension der Probleme für Anwohner und Umwelt. Besonders im Blick haben werden die Bürgerinitiativen die geschützte Raubvogelart Rotmilan. Juwis erster Windpark-Anlauf war 2016 an der Entdeckung eines Brutpaars nahe der früheren Standorte gescheitert. Damals trotz eines wie jetzt wieder positiven Artenschutzgutachtens, ehe der Naturschutzbund Engelsbrand Beweise für zuvor übersehene Milane präsentierte. Weitere Argumente der Kritiker gelten grundsätzlich für die Windkraft: die Bürgerinitiativen, in Engelsbrand gibt es mit „Abstand zur Windkraft“ einen Vorreiter, sprechen der Technik sowohl ihre Wirtschaftlichkeit im Nordschwarzwald ab als auch den erhofften Beitrag zum Klimaschutz – wegen der noch immer benötigten Ersatzkraftwerke.

Doch in Engelsbrand, sagt Wolfgang Reich von der Bürgerenergiegenossenschaft, gebe es auch einige, die der Windkraft gegenüber auch vor der eigenen Haustür positiv eingestellt sind. Ein Bürgerentscheid zum ersten Projekt war schließlich zugunsten der Windräder ausgegangen. Allerdings, so Reich, komme man bei den neuen Dimensionen der nun geplanten Anlagen ins Grübeln. Einen Schluss hat seine Genossenschaft, die einst eine Beteiligung am geplanten Windpark angestrebt hatte, gezogen: Die Energieprojekte hätten auch finanziell und rechtlich eine Größenordnung angenommen, die eine kleine Genossenschaft überfordere. Eine Windkraftbeteiligung komme deshalb nicht mehr infrage.