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Eigentlich wollte ein 19-jähriger Asylbewerber aus Somalia, der in Bad Wildbad untergebracht war, eine Berufsausbildung machen. Nach Angaben des Freundeskreises Asyl wurden ihm allerdings im Juni, wie hier auf dem Symbol-Bild, Handschellen angelegt, bevor er abgeschoben wurde. Roessler/dpa-Archiv
Eigentlich wollte ein 19-jähriger Asylbewerber aus Somalia, der in Bad Wildbad untergebracht war, eine Berufsausbildung machen. Nach Angaben des Freundeskreises Asyl wurden ihm allerdings im Juni, wie hier auf dem Symbol-Bild, Handschellen angelegt, bevor er abgeschoben wurde. Roessler/dpa-Archiv
07.08.2015

Somalischer Flüchtling aus Bad Wildbader Unterkunft abgeschoben

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Freundeskreises Asyl in Bad Wildbad sind wütend auf die Behörden. Anlass des Ärgers ist die Behandlung des Asylbewerbers Abdiramah (Name von der Redaktion geändert) aus Somalia. Der 19-Jährige soll vom Bad Wildbader Asylbewerberheim Uhlandshöhe am 4. Juni morgens um vier Uhr mit Handschellen abgeführt und nach Italien abgeschoben worden sein.

So jedenfalls schildert Vera Müller vom Freundeskreis Asyldas Vorgehen der Behörden: „Ich und der Freundeskreis Asyl haben erst nach sechs Tagen per Zufall von der Abschiebung erfahren. Niemand hat uns verständigt“, so Müller. Vom Anwalt des Flüchtlings hätten somit keine Maßnahmen gegen die Abschiebung ergriffen werden können, fügt sie hinzu. „Auch die anderen Asylsuchenden waren geschockt über die Abschiebung, aber vor allem waren sie geschockt, dass wir nichts von der Abschiebung erfahren haben“, macht sie deutlich.

„Das ist nicht die feine Art, wie man mit Menschen umgeht“, klagt Monika von Pigage, Vorsitzende des Freundeskreises Asyl in Bad Wildbad. Wie es Abdiramah momentan geht, wissen die Helfer nicht. „Wir haben keinen Kontakt mehr“, erbost sich SPD-Stadtrat Bruno Knöller, der sich ebenfalls im Freundeskreis engagiert. Er fordert von den Bundesbehörden, dass sie dem Freundeskreis Asyl die Adresse von Abdiramah nennen. Der junge Mann war den Helfern inzwischen ans Herz gewachsen. „Er ist ein besonderer Mensch – freundlich und höflich“, macht von Pigage deutlich. Roswitha Oschewsky, die den Flüchtlingen Deutschunterricht gibt, hat ihn als besonders lernwillig kennengelernt. Und zwar so lernwillig, dass sogar der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald, Martin Keppler, auf ihn aufmerksam wurde. Dieser will sich für eine praxisbezogene berufliche Ausbildung von Abdiramah einsetzen. In einem Schreiben Kepplers heißt es, dass Abdiramah vom 22. Juni bis 3. Juli beim Berufsförderungswerk Schömberg für eine Maßnahme zur Kompetenzfeststellung angemeldet sei. Bei dieser Maßnahme handele es sich um ein neues Konzept für Asylsuchende, die einen Beruf lernen wollen, macht Oschewsky deutlich: „Der Coach stand schon fest.“ Nach Müllers Worten habe schon ein Arbeitsgespräch mit dem Flüchtling, IHK-Hauptgeschäftsführer Keppler und leitenden Mitarbeitern des Berufsförderungswerkes in Schömberg stattgefunden.Abdiramah sei gerne in die Berufsförderschule in Wimberg gegangen, ergänzt sie. Er habe beim Fußballverein Calmbach trainiert und sich regelmäßig im Jugendhaus aufgehalten. Nach all den Leiden schien Abdiramahs Leben also eine positive Wende zu nehmen. Mit 17 Jahren war er von Somalia durch die Wüste geflüchtet und mit einem Boot in Italien gelandet, schildert Müller sein Schicksal. In Italien wurde er sofort mit Fingerabdruck registriert.

Nach Deutschland kam Abdiramah im März 2014, weil seine Krankheit, die Tuberkulose, wie sich in Deutschland herausstellte, nicht behandelt wurde und die Situation für Flüchtlinge schlecht war, so Müller. „Hier in Deutschland kann ich in Frieden leben und ich arbeite alles, was von mir verlangt wird. Aber erst muss ich Deutsch lernen“, habe er zu ihr gesagt. Doch es half nichts. Im September 2014 erhielt er ein Schreiben, wonach er nach dem Dublin-Verfahren in Italien registriert sei und deshalb dorthin zurück müsse, so Knöller. Mehr lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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