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Gut beschirmt: Ihre Königliche Hoheit Nadine lässt sich vom Fußvolk Schatten spenden.  Foto: Hegel 
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Müller-Thurgau oder weißer Burgunder waren die Renner bei sommerlichen Temperaturen.  Foto: Hegel 

Sommer, Sonne, Sangria beim Weinblütenfest in Keltern

Keltern. Manche Sachen wollen einfach nicht zusammenpassen. Zum Beispiel Hagel und Weinreben – oder die Tatsache, dass auf dem Weinblütenfest in Keltern eine Johannisbeerschorle vor Winzer Erich Käser auf dem Tisch steht.

„Ich muss noch fahren“, erklärt Käser, „die Polizei meint wohl, sie muss mich als Weinhändler öfter kontrollieren. Bisher aber immer erfolglos.“ Damit das so bleibt, bleibt das Vierteleglas für ihn heute leer. Vielleicht die gesündere Entscheidung im Angesicht von Dauersonnenschein und 30 Grad.

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Sommer, Sonne, Sangria beim Weinblütenfest in Keltern

Weinfest, das heißt auch immer eine gewisse Neigung zur Monarchie. Auf dem Thron unterstützt wurde die Ellmendinger Weinkönigin Nadine Schmid in diesem Jahr von der badischen Weinkönigin Miriam Altenbacher aus Gundelfingen. Mit ihren 21 Jahren sind die beiden Damen genauso alt wie das Kelterner Fest, auf dem sie zu Beginn traditionell ihre Grußworte sprachen. Dabei ist ihr Amt an diesem Tag alles andere als leicht, denn Königin Nadine muss sich bei allen elf Weingut-Stationen in den Weinbergen sehen lassen – eine Fußstrecke von über zwei Stunden, bei der ihr ein Sonnenschirm aus dem gemeinen Volk wertvolle Dienste leistet.

Insgesamt bauen in Keltern noch um die 25 Winzer an. Die meisten davon nebenberuflich, nur die zwei Öko-Weingüter Kuckuckshof und Claus Bischoff können von ihrem Ertrag leben. Hans Baur schwört an so einem Tag auf die leichten Sorten aus seinem gleichnamigen Weingut. Müller-Thurgau und weißer Burgunder sind besonders beliebt. „Wer bei dem Wetter einen 14-prozentigen Spätburgunder trinkt, liegt danach in den Reben“, scherzt der Winzer. Hinter dem Tresen schenken zwei seiner vier Söhne fleißig aus. Baur hofft, dass einer von ihnen den Betrieb weiterführt. Auch Käser ist auf der Suche nach einem Nachfolger für seine vier Hektar, aus denen er im Jahr 36.000 Liter Wein keltert. „Die Jungen verlieren das Interesse, weil man für viel Arbeit relativ wenig verdient“, sagt er.

Davon nicht abschrecken lässt sich Matthias Maurer. Seit elf Jahren bewirtschaftet der Hobby-Winzer seine 23 Ar ganz oben auf dem Keulebuckel. Jetzt hat er zum ersten Mal am Weinblütenfest teilgenommen – mit kräftiger Unterstützung der ganzen Familie. „Wir sind ein bisschen verrückt nach Spanien“, erläutert Maurer sein Konzept. Weil der Wein im letzten Jahr sehr lieblich wurde, machten sie kurzerhand Sangria daraus, der mit Eiswürfeln serviert bei den Gästen für die nötige Abkühlung sorgte. Dazu gab es am urigen „Maurer-Hüttle“ stilecht Paella mit Hühnchen. Zwischen Lachshäppchen, Spießbraten aus dem Smoker und Wildragout gab es für aufmerksame Wanderer auch eine Neuerung in den Weinbergen zu entdecken. Drei Insektenhotels zieren ab sofort die Wegränder, die vom Bauhof in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten aufgestellt wurden. „Das Thema Bienen ist akut“, sagt Bürgermeister Steffen Bochinger, „und wir wollen damit auch die Weinberge attraktiver machen.“ Die Reben selbst sind dabei nicht auf die fleißigen Kleintierchen angewiesen, wie Erich Käser auf dem Weg erklärt, sondern werden durch den Wind bestäubt.

Durch den kühlen Mai bestehen gerade optimale Bedingungen für den Jahrgang. Die Triebe waren beim letzten Frost noch nicht zu groß, um Schaden zu nehmen. Wenn es nach den Winzern geht, darf die Sonne ab sofort gerne weiter so scheinen wie am Sonntag. „Am besten mit einem Regenschauer alle zwei Wochen“, sagt Käser.