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Im Neuenbürger Schlosswald erzählte die Birkenfelder Försterin Susanne Schletter (zweite von rechts) vom Einfluss des Menschen auf den Wald. Foto: Molnar
Im Neuenbürger Schlosswald erzählte die Birkenfelder Försterin Susanne Schletter (zweite von rechts) vom Einfluss des Menschen auf den Wald. Foto: Molnar
22.05.2016

Spaziergang rund ums Schloss Neuenbürg mit Försterin Susanne Schletter

Als düsterer Ort galt der Neuenbürger Schlosswald zur Zeit der Römer. Grund dafür waren die dicht gepflanzten Eiben, die viel Schatten vertrugen und sich ausbreiteten. Noch heute sind bis zu 200 Jahre alte Eiben dort zu sehen, wie Försterin Susanne Schletter beim Spaziergang zum Thema „Vom Urwald zum Kulturwald“ anlässlich des Internationalen Museumstag zeigte.

Eine wissbegierige Gruppe von zwölf Leuten folgte ihr, hörte viel Interessantes zur Frage, wie der Mensch den Wald in 3000 Jahren geprägt hat.

Buchen abgeholzt

Ausgehend von den keltischen Wurzeln um 500 vor Christus, von denen zum Beispiel ein „Löwenkopf“ an der Ruine zeuge, spannte Schletter den Bogen über die Zeit der Römer und ersten Klöster, des Bergbaus und Dreißigjährigen Krieges. Anhand einer römischen Karte zum Waldbestand machte sie deutlich, dass die Buche damals vorherrschend war. Nadelbäume seien in der Minderheit gewesen. Im Zuge des Bergbaus wurden ganze Buchenwälder abgeholzt. Die Aufforstung der Kahlhänge mit Fichten und Tannen begann erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts. „Dafür wurden vor allem Frauen herangezogen“, erzählte die Birkenfelder Försterin, die seit drei Jahren immer wieder Führungen im Schloss Neuenbürg durchführt.

An mehreren Stationen blieb sie stehen und berichtete etwa von den Mönchen, die die Eiche für die Schweinemast nutzte. Oder vom Dreißigjährigen Krieg, wo Bäume als einziges Heizungsmittel dienten, aber auch als sichtbare Mahnmale zur Abschreckung. An den sogenannten „Richteichen“ wurden die toten Feinde zur Schau gestellt. Die Besonderheit von Neuenbürg sei, dass Gärten angelegt und seltene Baumarten wie Mammut- oder Tulpenbäume angepflanzt wurden.

Nach der einstündigen Waldführung überraschte Rolf Schöninger aus Conweiler die anderen Teilnehmer mit einem selbstgebrannten Schnaps der Urobstsorte Speierling. Am Nachmittag gab es auch Führungen durch die Sonderausstellung, in der alten Sankt-Georgs-Kirche durch Jürgen Klingbeil und rund ums Schloss mit Gonny Westerkamp.