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Eine beeindruckende Flügelspannweite hat der Adler, der unter den Augen von Ivo van Lanen (rechts) auf dem Arm den Besucher Klaus Gerweck landet.   Roller
Eine beeindruckende Flügelspannweite hat der Adler, der unter den Augen von Ivo van Lanen (rechts) auf dem Arm den Besucher Klaus Gerweck landet. Roller
16.05.2016

Spektakuläre Greifvogelschau in Stein lockt Hunderte Besucher an

Damit habe ich heute Morgen noch nicht gerechnet“, sagt Sven Augenstein aus Nöttingen und lacht. Ein paar Minuten zuvor war ein ausgewachsener Mäusebussard nur ein paar Zentimeter über seinen Kopf hinweg und mitten durch seine Beine geflogen. Und dann ist der schwere Greifvogel auch noch auf seinem Arm gelandet. „Das war echt interessant“, meint er.

Hunderte Besucher waren am Wochenende bei der Greifvogelschau auf dem Hohberg in Stein. Bereits zum vierten Mal stellen die Steiner Vogelfreunde das dreitägige Spektakel auf die Beine.

Der Vorsitzende Gerold Benz freute sich, dass er dieses Jahr den Berufsfalkner Ivo van Lanen gewinnen konnte. Der kam zusammen mit seinen Angestellten: Elf Greifvögeln. Und wie es sich für gute Angestellte gehört, mussten die arbeiten, bevor es eine Belohnung in Form eines toten Kükens gab.

Während die gerade mal vier bis fünf Wochen alten, flauschigen Bengalen-Uhus eher etwas zum Streicheln sind, geht es bei den Mäusebussarden deutlich härter zur Sache: Mit weit ausgebreiteten Flügeln rauschen die majestätischen Tiere atemberaubend dicht über die Köpfe der Zuschauer hinweg, um ihre Beute – tote Küken – mitten im Flug zu fangen.

„Bei Greifvögeln sind die Augen starr nach vorne gerichtet, damit sie die Entfernungen bei der Jagd besser einschätzen können“, erklärt van Lanen. Bussarde sind die häufigsten Greifvögel in Deutschland und wenn sie schnell mit ihren Flügel schlagen, dann hört man das auch.

Ganz anders beim Uhu. Der ist ein leiser, aber äußerst geschickter Jäger. Und wählerisch ist er auch nicht: Ihm schmecken unter anderem Mäuse, Kaninchen, Hasen und Ratten. „Mülleimer der Lüfte also“, scherzt van Lanen.

Apropos: Zwei Geier hat er auch dabei. Die fressen vor allem Aas und kommen mit ihren langen Hälsen fast überall hin. Das muss auch Klaus Gerweck aus Bretten-Neibsheim feststellen. Bei ihm suchen sie in der Hosentasche nach Fressbarem, finden aber nichts. Der Neibsheimer ist selbst Mitglied bei einem Kleintier- und Vogelzuchtverein. „Diese Vorführung ist einfach toll gemacht“, lautet sein Fazit, „besonders weil das Publikum so gut mit einbezogen wird“.

Auf dem Kopf Platz genommen

Ähnlich sieht das auch Frank Felgenhauer aus Gondelsheim: „Mich faszinieren diese großen Vögel“, sagt er, nachdem „Winnie“ – ein afrikanischer Uhu – auf seinem Kopf Platz genommen hat. Wie fühlt sich das an? „Der hat ganz schön spitze Krallen, die piksen fast wie kleine Nadelstiche.“ Dabei hat Falkner van Lanen die Klauen vorher extra abgestumpft.

Überhaupt kennt der Niederländer seine Tiere genau und hat ein ausgeprägtes Gefühl dafür, welche seiner gefiederten Schützlinge beim Publikum besonders gut ankommen. Ob das wohl der Grund ist, warum er seinen Karakara bis zum Schluss aufhebt? Schließlich ist der dunkelbraune Raubvogel mit dem gelb-blauen Schnabel äußerst selten und lebt fast nur auf den Falklandinseln.

In Stein macht er einen ohrenbetäubenden Lärm. Van Lanen weiß, warum: „In freier Wildbahn verständigen sich die Tiere bei der Jagd mit Tönen.“ Wie die meisten seiner rund 100 anderen Tiere hat er auch ihn selbst mit der Hand aufgezogen.

Wenn er gerade keine Greifvogelschau macht, rückt er übrigens Tauben, Kaninchen, Dohlen und Krähen mit seinen Vögeln zu Leibe. Eine Waffe kann er dafür nicht nehmen, weil man das in den Niederlanden im Stadtgebiet nicht darf. „Die Vögel jagen aber nur, wenn sie hungrig sind“, sagt er.

Hungrig muss bei den Zuschauern indessen niemand bleiben. Dafür sorgen rund 40 Helfer der Steiner Vogelfreunde. Die sind im Übrigen sehr zufrieden mit der Resonanz. „Mit dem Wetter haben wir auch Glück gehabt“, resümiert Schriftführer Christopher Roser. Wenn alles gutgeht, soll es in zwei Jahren wieder eine Greifvogelschau geben.