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Die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Zentrum für Psychiatrie in Hirsau besteht seit zehn Jahren.
Die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Zentrum für Psychiatrie in Hirsau besteht seit zehn Jahren.
03.01.2018

Spezialklinik in Hirsau behandelt Gesetzesbrecher

Calw-Hirsau. Eine Chance für suchtkranke Straftäter kann der Aufenthalt in der Klinik für forensische Psychiatrie in Hirsau sein. In den vergangenen zehn Jahren wurden hier rund 500 Rechtsbrecher im Rahmen des Maßregelvollzugs behandelt.

Die Therapie hat das Ziel, den Patienten die Rückkehr in ein gesellschaftlich akzeptiertes Leben zu ermöglichen. Das zehnjährige Bestehen feierte die Einrichtung mit einer Fachtagung, an der Patienten, Mitarbeiter, Mediziner sowie zahlreiche Vertreter der Justiz und der Vollzugsbehörden teilnahmen. Der Aufenthalt in einer forensischen psychiatrischen Klinik wird durch eine gerichtliche Einweisung nach Paragraf 64 im Strafgesetzbuch initiiert. Nicht in Hirsau therapiert werden Rechtsbrecher mit psychischen Erkrankungen oder Störungen. In der Regel haben die abhängigkeitskranken Straftäter bereits einen großen Teil ihrer Haftstrafe abgesessen und auch einen körperlichen Entzug hinter sich. „Das Entgiften ist der leichtere Schritt. Die eigentlichen Schwierigkeiten sind die psychische Abhängigkeit und die Einflüsse, die das Milieu haben kann“, so Matthias Wagner, medizinischer Direktor der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie am Zentrum für Psychiatrie (ZfP) in Hirsau.

Die Therapie, die auf zwei Jahre befristet ist, erfüllt den gesetzlichen Auftrag der „Sicherung und Besserung“ der Verurteilten und ist Teil des Maßregelvollzugs in Baden-Württemberg. Wer die Chance zum Aufenthalt in der forensischen Psychiatrie erhält und die Therapie ernst nimmt, hat deutlich bessere Aussichten, nicht wieder rückfällig zu werden. Den Straftätern soll ein kontinuierlicher Weg aus der Haft über Therapie und Ausgliederungsmaßnahmen in ein selbstständiges Leben aufgezeigt werden. 40 bis 50 Prozent der Patienten sind jedoch nicht in der Lage oder bereit, zu kooperieren und brechen die Therapie vorzeitig ab – was, so Wagner, der normalen Abbrecherquote im Suchtbereich entspricht.

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