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Über die Klippen der deutschen Grammatik half im August 2014 die ehrenamtliche Bildungspatin Aynur Dermecan (links) Asylbewerbern wie Janne Dafaey aus Gambia in der Ulrich-von Dürrmenz-Schule in Mühlacker. Foto: Schrader
Über die Klippen der deutschen Grammatik half im August 2014 die ehrenamtliche Bildungspatin Aynur Dermecan (links) Asylbewerbern wie Janne Dafaey aus Gambia in der Ulrich-von Dürrmenz-Schule in Mühlacker. Foto: Schrader
Referentin Gudrun Aichele und Elena Schwegler vom Verein „miteinanderleben“ (hinten, von links) bereiteten in einem Einführungsseminar Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit auf die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache vor.  Foto: Bischoff-Krappel
Referentin Gudrun Aichele und Elena Schwegler vom Verein „miteinanderleben“ (hinten, von links) bereiteten in einem Einführungsseminar Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit auf die Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache vor. Foto: Bischoff-Krappel
09.08.2015

Sprachunterricht für Asylbewerber stützt sich auf viele Ehrenamtliche

Der Bedarf an Unterstützungsangeboten für Migranten ist hoch: Mit der kontinuierlich steigenden Zahl von Flüchtlingen im Enzkreis – für August werden 212 Neuankömmlinge erwartet – treten auch die damit einhergehenden Schwierigkeiten offen zu Tage. Nur wenige der Migranten, die in unsere Region kommen, beherrschen die deutsche Sprache. Hierdurch kann leicht ein Gefühl der Isolation und Hilflosigkeit entstehen.

„Sobald diese Menschen beginnen, unsere Sprache zu sprechen und zu verstehen, ist das Fremde nicht mehr ganz so fremd“, erläutert Elena Schwegler vom Verein „miteinanderleben“ die Notwendigkeit des Spracherwerbs. Der Verein organisiert für den Enzkreis die Betreuung der Asylbewerber.

Flüchtlinge, die lediglich eine Aufenthaltsgestattung oder eine Duldung haben, haben keinen Anspruch auf Integrationskurse, um Deutsch zu lernen. Hier setzen die Hilfsangebote von Ehrenamtlichen im Enzkreis an. „An zehn Standorten im Kreis sind bereits Kursangebote für Flüchtlinge etabliert“, so Schwegler. Ziel sei es, flächendeckend im gesamten Enzkreis entsprechende Hilfsangebote für Migranten zu schaffen.

Viele Freiwillige helfen dabei. Aber wie stemmt man im Ehrenamt einen Sprachkurs? Das möchte „miteinanderleben“ vermitteln. Außerdem sollen die in der Flüchtlingsarbeit Aktiven besser vernetzt werden. Ein Erfolg war im Frühsommer ein zweitägiges Seminar zur Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache in den Räumen des Deutschen Roten Kreuzes in Pforzheim. „Mit rund 25 Personen war der Kurs sofort ausgebucht“, schilderte Elena Schwegler den hohen Bedarf.

Damals dabei war beispielsweise Doris Wanner aus Dürrmenz, die ehrenamtlich regelmäßig mit Flüchtlingskindern spazieren geht und spielt. Sie freute sich auf neue Impulse für ihre Arbeit. Dagmar Velte aus Öschelbronn meinte: „Bei uns im Ort gibt es eine afrikanische Familie, die Deutsch lernen möchte. Ich erhoffe mir Tipps und Hilfestellungen.“

Ein Wunsch, dem Referentin Gudrun Aichele gerne nachkam. In Theorie und Praxis ging sie während des Seminars auf die besonderen Herausforderungen der Arbeit mit Migranten ein: „In den Sprachkursen treffen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinander, die oft nur eine geringe Wertschätzung füreinander haben“, versuchte sie die Teilnehmer für die besondere Situation der Flüchtlinge zu sensibilisieren. Zudem unterschieden sich die Leistungsstufen der Migranten deutlich voneinander: Neben Analphabeten besuchten Menschen mit höherem Bildungshintergrund die Kurse. Auch Lautbildung und Schriftbild wichen je nach Herkunft deutlich von der deutschen Sprache ab. Ausgestattet mit Tipps und Materialien ging es für die Kursteilnehmer nach Seminarende in die anspruchsvolle Arbeit mit den Flüchtlingen.