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Die ersten Frühlingsboten wurden wieder unter Schnee begraben. Bald soll es wärmer werden. Darauf hoffen vor allem auch Verkäufer, Räumdienste und Landwirte in der Region. © PZ-Archiv
26.03.2013

Steigende Kosten, fehlende Umsätze: Was der lange Winter alles anrichtet

Was für ein Frühjahr. Schneefall nach Palmsonntag und eisige Ostwinde. Etliche Zugvögel sind wieder umgekehrt und warten weiter südlich, dass es endlich Frühling wird. Deutschland leidet unter den Nachwehen des trübsten, sonnenärmsten Winters seit 62 Jahren. Und das bekommen auch die Verkäufer in der Region deutlich zu spüren.

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Wie Andreas Streb, Geschäftsführer des gleichnamigen Gartencenters in Pforzheim: „Uns fehlt es gewaltig an Umsatz. Die Leute kaufen zurzeit einfach keine Blumen.“ Frostempfindliche Pflanzen wie Bellis, Primeln oder Vergissmeinnicht muss er anbieten, darf sie aber nicht nach draußen stellen. „Hier herrscht totales Chaos. So langsam wird es eng auf der Verkaufsfläche.“

Auch die Eisverkäufer warten ungeduldig auf die ersten Sonnenstrahlen: „Warme Sorten wie Schokolade und Amaretto gehen immer, aber auf Melone oder Ananas hat noch keiner Lust“, erzählt Giovanna Meduri vom Café Casal in der Pforzheimer Innenstadt. „Der Appetit auf Eis hält sich insgesamt in Grenzen.“ Vor allem die traurigen Gemüter der Menschen schaden dem Geschäft. „Die Sonne fehlt. Und das schlägt sich auf die Kauflaune nieder“, so Streb.

Bildergalerie: Eiskalt erwischt: Der Schnee ist zurück - 1

Die Vegetation liegt bereits zwei bis drei Wochen zurück, sagt Jürgen Krepp vom Landwirtschaftsamt Enzkreis. Sprich – für die Bauern ist jetzt noch Anfang März. Was bedeutet dies? Sorgen seien bei „Hafer und Sommergerste“ angebracht. Deren Aussaat „müsste schon im Boden sein“. Spitzenerträge werde es da wohl keine mehr geben. Besser sehe die Situation für das Wintergetreide aus. Wenn das Frühjahr bald normal, also ohne weitere Störungen wie Trockenheit oder wieder extreme Kühle, verläuft, könne die Natur das aufholen. Dies gelte auch für den Obst- und Weinbau. Insbesondere Reben könnten dies gut verkraften, solange noch keine Knospen vorhanden sind.

Bildergalerie: Eiskalt erwischt: Der Schnee ist zurück - 2

Negativ beeinflusst wird auch der Jobmarkt, wie Stefan Gauss, Sprecher der Arbeitsagentur Nagold-Pforzheim, verrät. Dies werde die März-Bilanz zeigen, die morgen veröffentlicht werde. Das Warten auf die „Frühjahrsbelebung“ des Arbeitsmarktes dauere dieses Jahr ungewöhnlich „lange – wie seit 2006 nicht mehr“, sagt Gauss mit Blick auf die jüngere Historie. Besonders betroffen vom langen Winter seien in der Region die Kreise Calw und Freudenstadt. Dort spielen witterungsabhängige Branchen wie Forstwirtschaft sowie Hotellerie und Gastronomie eine größere Rolle als in der Stadt Pforzheim und dem Enzkreis. Auch die Bauwirtschaft leidet unter dem Wetter: „Der Straßen- und Tiefbau ruht derzeit vollständig“, sagt Eleni Auer von der Bauwirtschaft Baden-Württemberg.

Niederschlagen wird sich der verspätete Frühling zudem im Budget der Kommunen. Was den Winterdienst hier in Pforzheim angeht, liegen die Kosten laut Jürgen Förschler (Abteilungsleiter Technische Dienste) noch im normalen Bereich, allerdings an der oberen Grenze. Viel Schnee sollte also nun nicht mehr fallen. Ein größeres Problem sieht er darin, dass sich andere, wichtige Arbeiten verzögern. „Teilweise sind wir im März schon dabei, Straßenlöcher zu stopfen und Grünflachen zu bearbeiten. Der lange Winter hindert uns daran – und das sind Kosten, die womöglich viel eher eine Rolle spielen werden“, so Förschler.

Im Nordosten Deutschlands wird es womöglich weiße Ostern geben. Der Enzkreis bleibt davon hoffentlich verschont. Aber eins ist fast sicher: An Weihnachten war es wärmer, als es an Ostern sein wird.