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Vor 150 Jahren erbaut: Die Petruskirche in Wurmberg.   Fux
Vor 150 Jahren erbaut: Die Petruskirche in Wurmberg. Fux
30.10.2015

Stein gewordener Glaube: Wurmberger Petruskirche wird 150

Man sieht es ihr auf den ersten Blick nicht an: Wurmbergs Wahrzeichen, die evangelische Petruskirche, hat schon 150 Jahre auf dem Buckel. Denn der imposante rote Sandsteinbau, die Kirche, wurde am 29. Oktober 1865 mit einem festlichen Gottesdienst eingeweiht. Fast auf den Tag genau wird nun mit einem Gottesdienst zum Reformationstag dem Jubiläum, das 150 Jahre zurückliegt, gedacht.

„Unsere neue Kirche sagt und bezeugt uns: Christus ist König!“, brachte es der damalige Pfarrer Georg Haigis bei seiner Einweihungspredigt auf den Punkt und bezeichnete den Kirchenbau „als machtvolles Zeichen des Glaubens“. „Ein Kirchengebäude dient dem Glaubensleben. Es muss ein Haus der lebendigen Steine sein“, betont Andreas Kaiser, Wurmbergs heutiger, evangelischer Pfarrer.

Das Gotteshaus entstand jedoch in einer Zeit, in der die Aufklärung des frühen 19. Jahrhunderts den Glauben als überholt und rückständig angriff.

Im Jahr 1824 war die heutige evangelische Kirchengemeinde aus der reformierten Gemeinde Lucerne, die aus den Nachkommen der Hugenotten, Waldenser und Bärentalern heraus gewachsen war, und der lutherischen Gemeinde Wurmberg im Oberdorf entstanden, wie der geschichtskundige Pfarrer weiß. Damals wurde das kleine reformierte Kirchlein am heutigen Waldenserplatz verkauft und zu einem Wohnhaus umgebaut. Und auch die bescheidene lutherische Kirche am heutigen Standort war mittlerweile längst zu klein geworden, denn sie war nur etwa so groß wie das heutige Kirchenschiff, die Emporen nicht mitgerechnet.

Für den heutigen Kirchenbau wurde lange gespart, denn die Umstände waren schwierig: Kalte Winter, wenig Ernte. Als eine Folge der Hungernot und der schwierigen, wirtschaftlichen Situation nahmen viele ihr Schicksal in die Hand und suchten ihr Glück in Amerika.

In Wurmberg wurde in jener Zeit für den Kirchenneubau eisern und lange gespart. Im Jahr 1865 war es schließlich soweit. „Daran wollen wir nun am heutigen Samstag um 19 Uhr mit einem Gottesdienst erinnern“, betont Kaiser.

Die Kirche trägt die Handschrift des bekannten Architekten, Christian Friedrich Leins. Er war damals königlicher Oberbaurat in Stuttgart und gehörte zu den bedeutendsten Architekten im Königreich Württemberg. Wie ein solch renommierter Architekt zu dem Planungsauftrag an der Wurmberger Kirche kam, bleibt offen.

Fest steht: Im Zweiten Weltkrieg, beim großen Angriff auf Wurmberg, am 16. und 17. April 1945, bekam das Gotteshaus 16 Treffer ab. Rund um die Kirche wurden sieben Häuser zerstört und es kam auch im Innenraum der Kirche zu Zerstörungen.