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Nach dem Asyl-Kompromiss debattiert der Bürgerverein in Steinegg um Bernd Waibel (links), wie die Hilfe für die Flüchtlinge im Ort aussehen kann.
Nach dem Asyl-Kompromiss debattiert der Bürgerverein in Steinegg um Bernd Waibel (links), wie die Hilfe für die Flüchtlinge im Ort aussehen kann.
27.04.2014

Steinegger diskutieren Hilfe für Asylbewerber

Ein Kompromiss zur Unterbringung von Asylbewerbern in Steinegg ist getroffen worden, die erste Familie bereits im ehemaligen Seniorenheim St. Josef eingezogen. Der im Zuge der Asyldebatte gegründete Bürgerverein und Verein zur Förderung Interkultureller Verständigung (BVFIV) verfolgt kritisch, wie die Unterbringung von Flüchtlingen in ihrem Ort startet. Hilfe zur Selbsthilfe will der BVFIV den Asylbewerbern bieten.

„Die Leute sollen weitgehend autonom sein, wir müssen die nicht verhätscheln. Wir sollten helfen, dass sie sich selbst bewegen können und nur helfen, wo es notwendig ist“, sagte Vereinsvorsitzender Bernd Waibel in der Mitgliederversammlung am Freitagabend im Pallottisaal in Steinegg.

Enttäuschung und Stolz

Der Verein hatte das erste, größere Unterbringungskonzept des Enzkreises vehement kritisiert und ein Gegenkonzept ins Feld geführt. Darüber, dass der Verein beim Kauf des ehemaligen Altenheims nicht selbst zum Zug kam, war am Freitag Enttäuschung zu spüren. Aber auch Stolz, dass auf Druck des Vereins eine Belegungsobergrenze von 30 Asylbewerbern und eine Laufzeit von zwölf statt 88 Jahren herausgekommen sei. Applaus brandete auf, als der Vereinsvorsitzende verkündete, dass 311.000 Euro durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Darlehnsgelder für einen Kauf von St. Josef zusammengekommen waren. Nun gibt der Verein bis auf die Anwaltskosten alles wieder zurück.

Harsche Kritik ging von vielen Vereinsmitgliedern erneut an die Adresse des Landratsamtes: Die bereits angekommene Familie sei im ehemaligen Altenheim nur abgesetzt und ihrem Schicksal überlassen worden. Sie hätte weder etwas zu essen noch zu trinken gehabt, so der Vorwurf. Für dies, wie auch für weitere Einkäufe, habe eine italienische Nachbarin gesorgt, die im Verein aktiv ist. Auch künftig will sie beim Dolmetschen helfen, denn die Familie soll zuvor etliche Jahre in Italien gelebt haben. Ärger äußerten die Bürger auch darüber, dass der Verein über die Neuankömmlinge nicht informiert worden sei. Vorsitzender Bernd Waibel hatte die Nachricht aus der PZ erfahren und sich daraufhin mit dem Verein „Miteinanderleben“, der die Sozialberatung übernimmt, in Verbindung gesetzt.

Spitze Bemerkungen trafen auch Neuhausens Bürgermeister Oliver Korz: „Warum haben Sie sich nicht hinter die Bürger gestellt, selbst eine Bürgerversammlung einberufen und die Bürger informiert?“, wollten einige von ihrem Rathauschef wissen.

„Wir können mit den Verhandlungen und dem erzielten Kompromiss hoch zufrieden sein“, sagte Korz gegenüber den rund 100 Bürgern und machte in der Mitgliederversammlung des Bürgervereins unmissverständlich klar: „Träger ist der Enzkreis, dieser ist Herr des Verfahrens und der Enzkreis trägt auch die Verantwortung“.

Ausgelegt hatte der Verein bei der Versammlung eine Liste für Aktivitäten und andere Angebot für die Asylsuchenden. Dort fanden sich zunächst die Bereitschaft zum Dolmetschen und das Angebot für ein Basteln mit Kindern.

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