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17.06.2016

Steiner bei Deutschland-Spiel: "Sicherheitschecks waren lächerlich"

Es war ein ganz besonders Spiel für die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstagabend gegen Polen. Gut sieben Monate nach den verheerenden Terroranschlägen in Paris mit 130 Toten, kehrte die Mannschaft ins Stade de France zurück. Dementsprechend groß sollten die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Partie sein. Doch die beiden Steiner Julius Haase und Simon Kaucher, die live vor Ort waren, berichten gegenüber PZ-news etwas anderes.

Bildergalerie: Steiner beim Spiel Deutschland gegen Polen live vor Ort

PZ: Durch die tragische Vorgeschichte, stand die Partie Deutschland gegen Polen besonders im Fokus. Wie hoch waren daher die Sicherheitsmaßnahmen vor dem Stadion?

Simon Kaucher: Es gab zwei Sicherheitsringe, an denen jeweils Security-Mitarbeiter standen. Zwischendrin sah man auch ein paar Polizisten. Aber wirklich kontrolliert wurden wir an beiden Stellen nicht. Wir wurden kurz am Bauchbereich abgetastet und das war es dann auch schon. Nicht einmal die Hosentaschen wurden kontrolliert. Im Grunde genommen waren die Sicherheitschecks richtig lächerlich. Beim Karlsruher SC oder selbst in der dritten Liga bei den Stuttgarter Kickers sind die Sicherheitsmaßnahmen höher. Man hätte ohne Probleme einen Sprengsatz oder ähnliches mit ins Stadion nehmen können.

PZ: Und wie war es dann im Stadion?

Julius Haase: Da ging es genauso lasch zu. Vor unserem Block stand gerade einmal eine Ordnerin, die sich aber nicht dafür interessierte, ob wir hier richtig sind. Sie spielte lieber auf ihrem Handy, als wir an ihr vorbeiliefen.

Kaucher: Beim Public Viewing am Eiffelturm wurde dagegen viel stärker kontrolliert. Freundinnen von uns haben sich das Spiel dort angeschaut. Sie wurden komplett durchgecheckt und mussten sogar ihre Taschentücher aus den Hosentaschen holen.

PZ: Habt Ihr Euch dann überhaupt sicher gefühlt?

Kaucher: Ja, ich hatte trotz den schwachen Kontrollen wenig Bedenken. Man rechnet ja nicht direkt mit einem Anschlag. Selbst wenn etwas passiert, ist die Chance ziemlich gering, dass es einen selbst erwischt.

PZ: Im Fernsehen hat man eigentlich nur die Polen gehört. Was war mit den deutschen Fans los?

Haase: Es waren einfach viel weniger Deutsche im Stadion als Polen. Ich denke, dass sich viele aufgrund der Terrorgefahr und der Vorgeschichte gegen eine Reise nach Paris entschieden hatten.

Kaucher: Die Polen waren deutlich in Überzahl und haben ihre Eckbälle fast wie einen Torerfolg gefeiert. Die haben tolle Stimmung gemacht. Unter den Deutschen waren meiner Meinung nach viele Eventfans, die wahrscheinlich irgendwo ein Ticket gewonnen haben und daher nicht wirklich mitgefiebert haben.

PZ: Die Deutschen wurden bei der WM 2006 besonders für ihre gute Organisation gelobt. Wie stellen sich die Franzosen in Sachen Infrastruktur an?

Haase: Oje, wir sind von unserem Hotel mit einem Taxi in Richtung Stadion gefahren. Da viele Zufahrtswege von der Polizei abgesperrt wurden, herrschte rund um das Stade de France ein großes Verkehrschaos. Ein Krankenwagen mit Blaulicht hatte keine Chance, durchzukommen. Es hat ihm auch niemand Platz gemacht.

Kaucher: Wir haben für sechs Kilometer mehr als eine Stunde gebraucht. Laufen konnten wir nicht, da zwischen dem Stadion und der Straße eine Bahntrasse verläuft und es nur wenige Brücken gibt. Das Viertel lud zudem nicht wirklich zum Laufen ein.

PZ: Kommt unter solchen Umständen überhaupt EM-Fieber in der Stadt auf?

Kaucher: Ja, auf jeden Fall. Wir wurden mit unseren Deutschland-Trikots häufig angesprochen. Viele Nationalitäten sind unterwegs. Insgesamt ist die Stimmung größtenteils sehr freundlich und nett. Vor allem die Engländer machen hier richtig Party. Die haben ja mittags gegen Wales gespielt.

Haase: Auch beim Deutschland-Spiel waren noch viele Engländer beim Public Viewing am Eiffelturm. Das Gelände gleicht dort jedoch einem Acker – eine reine Schlammschlacht. Wir haben Fans gesehen, die von oben bis unten komplett verdreckt waren.