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10.02.2012

Stinkender Eisklumpen stürzt vom Himmel

Was dem Ehepaar Marga und Peter Traber in Niefern widerfahren ist, kann einem den Genuss des Frühstücks ordentlich vermiesen: Als die beiden am Freitagvormittag den Rollladen ihres Wohnhauses an der Sophienstraße hochzogen, entdeckten sie einen merkwürdigen grünlich-blauen und stinkenden Eisklumpen zwischen Carport und Garage.

Bildergalerie: Gefrorene Fäkalien stürzen in Niefern vom Himmel

Peter Traber besah sich den etwa 40 mal 40 Zentimeter großen Kegel genauer und ihm war sofort klar: Es handelt sich um die gefrorene Hinterlassenschaft von Flugzeugpassagieren. In der Nacht muss das Ekelpaket in die Tiefe gestürzt sein.

Peter Traber fackelte nicht lang

„Ich habe sofort die Polizei gerufen, auch um die Sache der Gebäude-Haftpflichtversicherung melden zu können,“ sagte er zur PZ. Die Dachrinne der Garage war von der Urin-Eisbombe gestreift und leicht beschädigt worden. Gehört hatten das Ehepaar Traber und die Nachbarn den nächtlichen Einschlag nicht. Allerdings konnte sich der Werkzeugmachermeister ausmalen, was passiert wäre, wenn sie beide zum Zeitpunkt des Eintreffens des gefrorenen Fäkalienpakets nicht das Bett gehütet hätten. „Stellen Sie sich vor, wenn Sie zum falschen Zeitpunkt an diesem Ort gewesen wären“, malte er sich das Schlimmste aus.

Uwe Mörgenthaler, der Leiter des Niefern-Öschelbronner Polizeipostens, der sich zusammen mit seinem Kollegen Andreas Haug die unappetliche Luftfracht gegen 9.30 Uhr besah, drückte sich noch deutlicher aus: „Dieser eineinhalb Kilogramm schwere Eiskegel hat durch den langen Flug eine ungeheure Kraft entwickelt und hätte einen Menschen tot schlagen können. Zumindest ist klar: Mit Aspirin hätte man die Folgen nicht behoben.“

Doch selbst wenn der unliebsame Gruß aus der Luft das nur knapp entfernte Dach des Carports getroffen hätte, wäre der Sachschaden enorm gewesen. „Das Eis hätte sicher das Dach durchschlagen und auch empfindlich das hochwertige Wohnmobil erwischt“, ist der Niefern-Öschelbronner Polizeichef überzeugt.

Auf alle Fälle wird er seinen Bericht der Staatsanwaltschaft vorlegen, wenngleich er nicht glaubt, dass der Verursacher ermittelt werden kann. Denn, so weiß Mörgenthaler: „Über unsere Gemeinde führen viele Fluglinien von Ost nach West und von Nord nach Süd. Bei uns ist in der Luft etwa genauso viel los wie an unserer Autobahnanschlussstelle.

Nachdem pz-news.de das Ereignis gestern zeitnah im Internet veröffentliche, stand Niefern-Öschelbronn auch überregional plötzlich im Interesse der Medien. „Das hat weite Kreise gezogen, die Zahl der Anfragen war groß und alle wollten etwas über das unbemannte Flugobjekt wissen“, berichtete Mörgenthaler.

Tiefenbronn stark betroffen

Ähnliche Ereignisse sind in einer anderen Enzkreisgemeinde keine Seltenheit. Vor ziemlich genau einem Jahr regnete es in Tiefenbronn gleich zwei Mal innerhalb eines Monats Eisbrocken vom Himmel. Ein VW war damals leicht beschädigt worden. Vor 14 Jahren krachte dort gefrorenes Urin aufs Dach eines Hauses an der Liebeneckstraße. Der Eigentümer hatte gerade an seiner Dachisolation gearbeitet, als ihn ein dumpfer Knall aufschreckte. Ein etwa zehn Zentimeter großer Brocken hatte seine Spuren auf dem Dach hinterlassen. Fünf Jahre zuvor war schon einmal ein solcher Klumpen auf eben jenes Hausdach gestürzt. Das ist so selten wie ein Lotto-Sechser mit Superzahl, stand damals in der PZ.

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