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Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg beim Happiness 2017 vor dem Marteria-Konzert im Backstagebereich im PZ-Interview.  Foto: PZ-Archiv 

Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg: „Das Happiness ist ein echtes Pfund“

Straubenhardt-Schwann. Am kommenden Wochenende steigt in Schwann das größte Open-Air in der Region. Rund 11.000 Musikfans pro Tag und gut 20 Bands werden beim Happiness-Festival erwartet.

Mit dabei war in den vergangenen Jahren auch immer Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg (40). Im PZ-Interview spricht er über die Bedeutung, die das Festival für die Gemeinde und die Region hat und seine schönsten Happiness-Momente.

PZ: Werden Sie von Ihren Bürgermeister-Kollegen im Enzkreis eher ums Happiness beneidet oder dafür bedauert?

Helge Viehweg: (lacht) Ha! Insgesamt kommen aus dem Kreis eher wenig Reaktionen, aber wenn, dann sind sie ausnahmslos positiv. Der eine oder andere war auch schon privat dort.

PZ: Hintergrund der Frage ist, dass so ein Festival auch Lärm, Besuchermassen und Einschränkungen für die Anwohner mit sich bringt. Nicht unbedingt die angenehmsten Themen für einen Bürgermeister…

Helge Viehweg: Die Beschwerden halten sich eigentlich sehr in Grenzen. Letztes Jahr habe ich genau eine E-Mail bekommen.

PZ: Ist die Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber dem Ansturm der Musikfans gewachsen?

Helge Viehweg: Das muss man differenziert sehen. Einige, die von der Inanspruchnahme von Grundstücken betroffen sind, schreien nicht gerade laut Hurra. Aber nach allem, was ich beobachte, gelingt es dem Veranstalter immer besser, auch mit denen gute Vereinbarungen zu treffen. Für die Anwohner, die sagen, das ist mir alles viel zu viel, ist es vielleicht ein schwacher Trost, aber: Es sind nur zwei Tage im Jahr. Da sage ich: Komm, das halten wir miteinander aus.

PZ: Bringt das Happiness Straubenhardt überregional einen Imagegewinn?

Helge Viehweg: Das ist schwer zu beurteilen. Wenn ich im sportlichen Bereich unterwegs bin, werde ich auf die KTV angesprochen. Bin ich in der Region mit jüngeren Leuten unterwegs, ist es das Happiness. Bei denen hat die Gemeinde meinem Gefühl nach tatsächlich an Bekanntheit gewonnen.

PZ: Stellt das Festival auch einen Wirtschaftsfaktor für Straubenhardt dar?

Helge Viehweg: In Zahlen kann ich das nicht genau sagen. Es gehen Aufträge in die Region, etwa an Handwerker oder Lieferanten. Der Einzelhandel profitiert – etliche Geschäfte haben an den Festivaltagen länger offen. Durch die Firma des Veranstalters fließen Gewerbesteuereinnahmen. Aber unmittelbar durch das Festival hat die Gemeinde keine Einnahmen. Das ist auch gar nicht unser Antrieb. Für uns ist das vor allem eine kulturelle Bereicherung. Da ist das Happiness ein echtes Pfund. Wir können uns von unserer bunten Seite zeigen – und das macht Straubenhardt aus. Ich begrüße das und stehe hinter dem Festival.

PZ: Ist die Planung des Open-Airs für Sie eine große Zusatzbelastung?

Helge Viehweg: Für mich gibt’s eine Vor- und eine Nachbesprechung und ich werde über alle Entscheidungen informiert. Am Festivalwochenende bin ich vor Ort. Aber unser Ordnungsamt hat im Vorfeld schon alle Hände voll zu tun.

PZ: Wie läuft die Vorbereitung des Events ab?

Helge Viehweg: Die Verwaltung trifft sich regelmäßig mit allen Beteiligten. Da findet ein enger Austausch mit Rettungskräften, Sicherheitskräften, Polizei, Feuerwehr und Veranstalter statt. Wir müssen als Gemeinde vor allem dafür sorgen, dass die Sicherheit gewährleistet ist, damit wir auch guten Gewissens die Genehmigungen ausstellen können. Aber das funktioniert gut. Das ist aber eine über viele Jahre gewachsene Struktur. Der Veranstalter macht – wie ich finde – ein grandioses Festival und es ist uns gemeinsam gelungen, Entscheidungen immer weiter nach vorne zu ziehen, damit es hinten raus nicht hektisch wird.

PZ: Wo kann sich das Happiness in Zukunft noch hin entwickeln?

Helge Viehweg: Wir haben immer gesagt, wir wollen das Rad nicht überdrehen. So haben wir uns zum Beispiel gefragt: Wenn mal mehr Besucher kommen, als wir Einwohner haben – fühlen die sich dann vielleicht überrannt? In diesem Jahr ist es so weit. Straubenhardt hat 11 000 Bürger und pro Tag werden 11 000 Musikfans erwartet. Und letztendlich hat sich gezeigt, dass die absolute Größe eigentlich nachrangig ist. Wir brauchen den Schulterschluss mit allen Beteiligten. Die müssen sich am Tisch alle in die Augen schauen können und sagen: Das passt! Von Gemeindeseite tut es das bisher, wir schauen uns die Situation jedes Jahr erneut an.

PZ: Gab’s schon Gespräche, ob man das Festival von zwei Tagen auf drei ausdehnt?

Helge Viehweg: Es wurde mal diskutiert, noch ein einzelnes Konzert dazuzunehmen. Oder das Fest für weitere Bevölkerungsgruppen attraktiver zu machen, beispielsweise durch ein angeschlossene Straßenfest mit kleineren kostenlosen Zusatzangeboten. Da gibt’s aber keine festen Planungen.

PZ: Was waren denn Ihre schönsten Happiness-Momente bisher?

Helge Viehweg: Von der Stimmung her immer wieder, vom Holzturm neben der Bühne das Publikum zu beobachten, wie friedlich, entspannt und cool das alles läuft. Und von der Musik her der erste Marteria-Auftritt 2014…

PZ: Vor dessen Auftritt Sie auf die Bühne raus sind, und das Publikum ohne lange Vorrede angeheizt haben mit „Wir bleiben wach, bis die Wolken wieder lila sind“, dem Refrain eines Hits des Deutsch-Rappers…

Helge Viehweg: (lacht) Oh, das hatte ich schon fast wieder vergessen. Aber stimmt. Das war auch lustig.

PZ: Auf was freuen Sie sich in diesem Jahr am meisten?

Helge Viehweg: Ich habe diesmal keinen Topact gefunden, von dem ich sage: Muss ich sehen! Deshalb werde ich einfach alles mal auf mich wirken lassen und bin gespannt.

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Sven Bernhagen

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