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KSK-Soldat beim Training. Die Bundesregierung will die Eliteeinheit künftig auf einem Gelände zwischen Haiterbach und Nagold trainieren lassen. Doch das stößt dort auf energischen Widerstand. Foto: dpa
KSK-Soldat beim Training. Die Bundesregierung will die Eliteeinheit künftig auf einem Gelände zwischen Haiterbach und Nagold trainieren lassen. Doch das stößt dort auf energischen Widerstand. Foto: dpa
In Haiterbach kommt es zu einem Bürgerentscheid gegen ein Übungsareal.
In Haiterbach kommt es zu einem Bürgerentscheid gegen ein Übungsareal.
31.07.2017

Streit um Fallschirmjäger-Areal des in Calw stationierten KSK

Calw/Nagold/Haiterbach. Zwei Städte legen sich mit Kommando Spezialkräften (KSK) aus Calw an. Eine Eliteeinheit will zwischen Haiterbach und Nagold ein Übungsgelände errichten.

Konzerne gehen gerne auf Nummer sicher, wenn sie sich neu niederlassen. Sie sammeln zuvor Daten und Fakten. Standorte, an denen größerer Widerstand zu erwarten ist, fallen so gleich durchs Raster. Das spart Geld und Zeit. In der Politik geht man andere Wege, wie man am Beispiel eines geplanten Absetzgeländes für Fallschirmspringer der in Calw stationierten Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) sieht. Man suchte sich als Standort für das Übungsgelände ausgerechnet das Städtchen Haiterbach (Kreis Calw) im Nordschwarzwald aus – schon seit Jahrzehnten ein kommunalpolitischer Unruheherd mit einem Gemeinderat, dessen Mitglieder sich oft in inniger Abneigung verbunden scheinen. Der Stil dieses Gremiums, so Haiterbachs Bürgermeister Andreas Hölzlberger (CDU), sei nun auf die Bürgerinitiative übergesprungen, die einen ersten Etappensieg im Kampf gegen das Absetzgelände erreicht hat.

Am 24. September dürfen die Haiterbacher abstimmen – auch wenn das Ergebnis von der Politik wohl nur achselzuckend zur Kenntnis genommen wird. Denn rein rechtlich hat dieser Bürgerentscheid keine Bedeutung. Um dieses vom Land geplante Übungsgelände für die Bundeswehr zu verhindern, müssten die Haiterbacher schon eine landesweite Volksabstimmung in dieser Frage durchsetzen. Aber auch so sieht sich die Bürgerinitiative in der 5700-Einwohner-Stadt als Gewinnerin. Sie hatte mit einer Unterschriftenaktion erreicht, dass der Gemeinderat sich auf ihre Seite stellte und den Bürgerentscheid durchboxte.

Im benachbarten Nagold (Kreis Calw), das von diesem Absetzgelände genauso betroffen wäre, pocht man auch auf ein Entgegenkommen der Landesregierung: „Wenn man die Akzeptanz der beiden Städte will“, konstatiert Nagolds OB Jürgen Großmann (CDU), „muss man sich ins Zeug legen. Dass die einen den Vorteil haben und den anderen die Last aufgezwungen wird, kommt nicht in die Tüte.“ Dieser Satz des Stadtoberhauptes richtet sich auch an den Bosch-Konzern. Der brachte die Gelände-Rochade erst ins Rollen, als er ausgerechnet ein Auge auf das bisherige Absetzareal der KSK-Elitesoldaten in Renningen-Malmsheim (Kreis Böblingen) warf und den damaligen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) mit neuen Arbeitsplätzen köderte.