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07.07.2009

Streit ums Breitband-Netz in Nöttingen

REMCHINGEN-NÖTTINGEN. Manche Unternehmen in Nöttingen sehen einen Wettbewerbsnachteil darin, dass sie keine Anbindung an das schnelle Breitband-Internet haben. Doch der Bürgermeister wiegelt ab: Dabei handle es sich um Einzelfälle und alles Nötige sei längst auf den Weg gebracht.

Helmut Mantel tippt einige Sätze ein, klickt ein paar Mal mit der Maus - und wartet. Der Geschäftsführer der Firma MSE Anlagenbau in Nöttingen muss regelmäßig große Dateien versenden, bis zu 100 Megabyte sind keine Seltenheit. Doch mit der aktuellen Anbindung dauert das einfach zu lang.

"Wir haben hier eine extrem langsame Verbindung mit permanenten Verbindungsabbrüchen", sagt Mantel. Seine Firma kämpfe um jeden Auftrag und es könne passieren, dass er an manche Aufträge aufgrund der langsamen Verbindung gar nicht rankomme.

"Seit vier Jahren laufe ich da gegen Windmühlen", beschwert sich Mantel. "Aber inzwischen haben wir wirtschaftlich dramatische Zeiten, und das müsste auch ein Bürgermeister erkannt haben." Damit ist Remchingens Bürgermeister Wolfgang Oechsle gemeint.

Wenige Meter von Mantel entfernt, in der Gießerei Casper, kennt man die Probleme. Auch Wilhelm Kastner verbringt viel Zeit mit Warten - obwohl es schneller gehen könnte. Doch dafür fehlt die Leitung.

"In wirtschaftlich schwierigen Zeiten müssen wir Prozesse beschleunigen", sagt Kastner. "Und dafür brauchen wir schnelles Internet." Gemeinde und Netzanbieter sollten sich seiner Meinung nach an einen Tisch setzen und an einer schnellen Lösung arbeiten.

Doch das Remchinger Rathaus sieht darin Einzelfälle. "Für ein Zuschussprojekt zum Ausbau des Breitband-Internets sind mindestens fünf Unternehmen mit entsprechendem Bedarf nötig", erklärt Bürgermeister Wolfgang Oechsle. Und diese fünf zu finden, sei schon schwierig gewesen. Einige Unternehmen habe man erst von der Notwendigkeit des schnellen Netzes überzeugen müssen.

Das Rathaus hat bereits im Dezember vergangenen Jahres eigens eine Beratungsfirma damit beauftragt, ein Konzept für den Ausbau des Breitband-Internets auszuarbeiten. "Mehrere Mitarbeiter des Rathauses beschäftigen sich derzeit nur mit dieser Angelegenheit", sagt Oechsle.

Eine Lösung sei inzwischen auch schon auf den Weg gebracht worden. In der vergangenen Woche wurde eine entsprechende Ausschreibung veröffentlicht - bis zu 75.000 Euro ist die Gemeinde bereit, selbst zuzuschießen. Man geht davon aus, dass sich darauf mehrere Telekommunikationsanbieter bewerben werden und im Herbst mit dem Ausbau begonnen werden kann.

Dieser Ausbau bezieht sich dann lediglich auf die Gewerbegebiete Nöttingen und Darmsbach, denn nur dort ist laut Rathaus ein ausreichender Bedarf gegeben. Zumindest wären damit auch die Büros von Wilhelm Kastner und Helmut Mantel ans schnelle Netz angeschlossen - und die Gemüter vielleicht wieder beruhigt.