nach oben
Mit voller Kraft statt mit aller Gewalt:  Marcel (17 Jahre, links) und Josef (16 Jahre) sind bei dem Stunt-Projekt dabei, das auch als Konzept gegen Gewalt und Aggression gedacht ist. Hier zeigen sie Schulleiterin Petra Gassauer lediglich, was sie im Training von Stuntman Marko König gelernt haben. Ihren großen Auftritt haben sie am Donnerstag in Karlsruhe.
Mit voller Kraft statt mit aller Gewalt: Marcel (17 Jahre, links) und Josef (16 Jahre) sind bei dem Stunt-Projekt dabei, das auch als Konzept gegen Gewalt und Aggression gedacht ist. Hier zeigen sie Schulleiterin Petra Gassauer lediglich, was sie im Training von Stuntman Marko König gelernt haben. Ihren großen Auftritt haben sie am Donnerstag in Karlsruhe. © Martin Schott
17.06.2008

Stuntmen von der Schulbank - Ispringer Schüler bei Action-Show

ISPRINGEN. Die ganze Winterrainschule in Ispringen fiebert dem Donnerstagabend entgegen. Dann wirken sieben Schüler der Schule für Geistigbehinderte an der Action-Show von Stuntman Marko König in Durlach mit.

Seit Wochen haben die Schüler auf diesen Termin hingearbeitet. „Die machen Sachen, das hätte selbst ich ihnen nie zugetraut“, staunt Schulleiterin Petra Gassauer über die Leistungen ihrer „Nachwuchs-Stuntmen“. Die Action-Show in Durlach ist Teil des „Integrativen Festes“, mit dem die „Special Olympics National Summer Games“, die weltgrößten Spiele von Sportlern mit geistiger Behinderung, ihren Höhepunkt finden.

Action gegen Gewalt

Mit Stuntman Marko König, der mit seinen Darbietungen Hollywood-Produktionen ebenso spannend macht wie deutsche Fernsehserien, arbeitet die Winterrainschule bereits seit letztem Jahr zusammen. „Im Rahmen unseres Projekts Gewaltprävention zeigt König unseren Schülern auf, wo die Unterschiede liegen zwischen Action und Show auf dem Bildschirm und einem angemessenen Verhalten im wirklichen Leben“, erläutert Petra Gassauer. Aggression und Gewalt seien kein Weg, um cool zu sein: „Das ist die Botschaft, die unsere Schüler von einem kraftvollen Stuntman wie Marko Königs natürlich besonders eindrücklich annehmen.“

Dabei seien Aggression und Gewalt kein spezifisches Problem der Schule, sagt Petra Gassauer: „Aber auch wir müssen uns verstärkt damit auseinandersetzen.“ Das hat auch damit zu tun, dass die Schule am Winterrain ihren Schützlingen ein so weit wie möglich selbstständiges Leben eröffnen will. Das bedeute auch, dass Schüler, die trotz ihrer Behinderung dazu in der Lage sind, selbst zur Schule fahren. „Diese Selbstfahrer erleben beispielsweise immer wieder, dass sie am Bahnhof von anderen dumm angemacht werden“, weiß Petra Gassauer. Oft seien sie den Provokateuren verbal nicht gewachsen und auch zu wenig selbstsicher, da könne es schnell zum Gerangel kommen.

Den Schülern höhere Frustrationstoleranz zu vermitteln und mit ihnen mehr Handlungsstrategien zu erarbeiten ist auch Ziel der Arbeitsgemeinschaft „Clever oder Cool?“ Dort lernen die Schüler, auch außerhalb der geregelten Strukturen von Schule oder Beruf ihr Leben zu gestalten. „Nichts, was nicht clever ist, kann wirklich cool sein“, ist die zentrale Botschaft.

Aus dieser Arbeitsgemeinschaft stammen die Schüler, die jetzt bei der Action- und Stuntshow in Durlach mitwirken – „der weltweit ersten, bei der Menschen mit geistiger Behinderung teilnehmen“, so Stuntman Marko König. Ein weiteres spannendes Projekt steht für die Ispringer Winterrainschüler ins Haus: Zusammen mit König drehen sie einen Kurzfilm zur Gewaltprävention, der im Vorspann der Kinos gezeigt werden soll.

Das „Integrative Fest“, in dessen Rahmen die Action- und Stuntshow präsentiert wird, ist am Donnerstag, 19. Juni, ab 18 Uhr auf dem Schlossplatz vor der Karlsburg. Die Action-Show selbst beginnt um 20 Uhr.