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Im Gespräch über die Bedeutung des Ehrenamts: Straubenhardts Feuerwehrchef Martin Irion, Moderatorin Angela Gewiese, Maulbronns Stadtarchivar Martin Ehlers, Bürgermeister Helge Viehweg, Landrat Karl Röckinger, Stellvertreter Wolfgang Herz, Pforzheims Ehrenamtsbeauftragte Sandra Dienger und Erster Bürgermeister Dirk Büscher (von links). Foto: Seibel
Im Gespräch über die Bedeutung des Ehrenamts: Straubenhardts Feuerwehrchef Martin Irion, Moderatorin Angela Gewiese, Maulbronns Stadtarchivar Martin Ehlers, Bürgermeister Helge Viehweg, Landrat Karl Röckinger, Stellvertreter Wolfgang Herz, Pforzheims Ehrenamtsbeauftragte Sandra Dienger und Erster Bürgermeister Dirk Büscher (von links). Foto: Seibel
Applaus für die Helfer: Über 200 Besucher waren zum Tag des Ehrenamts in die Turn- und Festhalle Langenbrand gekommen – trotz der öffentlichen Absage des Sportkreises im Vorfeld. Foto: Seibel
Applaus für die Helfer: Über 200 Besucher waren zum Tag des Ehrenamts in die Turn- und Festhalle Langenbrand gekommen – trotz der öffentlichen Absage des Sportkreises im Vorfeld. Foto: Seibel
05.12.2016

Tag des Ehrenamts: Zwischen Flüchtlingshilfe und Sportlerfrust

Am Tag des Ehrenamts lassen der Enzkreis und die Stadt Pforzheim diejenigen hochleben, die sich in ihrer Freizeit für die Allgemeinheit engagieren. Als „Gut-Bürger“ hat Landrat Karl Röckinger diese Freiwilligen vor zwei Jahren in Ötisheim gewürdigt. Im Vorfeld der diesjährigen Feier in Straubenhardts Teilort Langenalb musste der Landrat zur Kenntnis nehmen, dass manche „Gut-Bürger“ derzeit auch wütend sind. Der Sportkreis hatte wegen des Ärgers über die weit unterdurchschnittliche Förderung der Sportvereine in Pforzheim öffentlich angekündigt, dem Tag des Ehrenamts fernzubleiben

Bei den über 200 Aktiven, die am Montagabend in der Turn- und Festhalle mitfeierten, erhielten die Sportler in der Sache oft Rückendeckung. Das Mittel des Boykotts dagegen fanden viele falsch und hätten sich stattdessen gewünscht, dass der Sportkreis auch mit seiner Kritik beim Tag des Ehrenamts Flagge gezeigt hätte. Ganz ohne Sportler war der Abend übrigens nicht.

Während Landrat Karl Röckinger und Pforzheims Erster Bürgermeister Dirk Büscher die öffentliche Absage des Sportkreises nicht kommentierten, bedauerte Straubenhardts Bürgermeister Helge Viehweg den Schritt. Erfolg könne nur gemeinsam gelingen, sagte er. Die Absage des Sportkreises treffe an einem Abend für die freiwilligen Helfer die Falschen. Differenzen müssten am Verhandlungstisch geklärt werden.

„Dank und Wertschätzung“

Den Besuchern in Langenalb drückte Landrat Röckinger stellvertretend für die hochgerechnet rund 120.000 Menschen, die sich im Enzkreis und in Pforzheim für die Gemeinschaft einsetzen, „Dank, Anerkennung und Wertschätzung“ aus. Röckingers Hauptbeispiel: die ehrenamtliche Unterstützung in der Flüchtlingshilfe. Er hätte es noch vor ein, zwei Jahren nicht für möglich gehalten, dass sich Tausende in Stadt und Kreis für Neuankömmlinge einsetzen. Aber auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen leisteten Freiwillige Enormes, so der Landrat. „Ohne Sie“, sagte er den Besuchern, „wären wir schlicht und einfach aufgeschmissen.“

Wie schwungvoll und professionell Ehrenamt klingen kann, demonstrierte die Bigband „brandheiß“ der Feuerwehr Pforzheim mit mitreißenden Swing-, Funk- und Bossa-Nova-Stücken. Für die Helfer steht auch Martin Irion, der Kommmandant der Feuerwehr Straubenhardt. Er ist freilich ein Beispiel dafür, dass Herausforderungen wie die der Feuerwehr auch ein hauptamtliches Element vertragen. Während die Straubenhardter Wehrangehörigen ihren Dienst ehrenamtlich verrichten, ist Irion bei der Gemeinde angestellt. Das Modell sei zukunftsweisend, antwortete Irion der Moderatorin Angela Gewiese.

Unterstützung für Vereine bieten auch der Stadtarchivar Maulbronns, Martin Ehlers, und Markus Friedrich an. Sie helfen über das Institut für Sportgeschichte Vereine bei der Aufarbeitung der Clubgeschichte beispielsweise aus Anlass von Jubiläen. Angela Gewiese stellte als Ehrenamtsbeispiele zudem Lernbegleiter unter dem Dach des Stadtjugendrings vor, das Trauercafé in Birkenfeld für Menschen, die Angehörige verloren haben, sowie Selbsthilfegruppen für Spielsüchtige und bei Prostatakrebs.

Erster Bürgermeister Dirk Büscher bezeichnete die ehrenamtlicher Helfer als „Rückgrat unserer Gesellschaft“. Er sagte zu, dass es trotz Sparzwangs der Stadt Pforzheim auch im kommenden Jahr eine Anlaufstelle für Ehrenamtliche geben werde. Die Freiwilligenagenturen werde man gemeinsam neu aufstellen, so Landrat Röckinger. Auch die Politik zeige mit ihrem Besuch Wertschätzung für das Ehrenamt. Gekommen waren die Bundestagsabgeordnete Katja Mast (SPD) sowie die Landtagsabgeordneten Stefanie Seemann (Grüne) und Hans-Ulrich Rülke (FDP).