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Fasching, Narren, Hexen, Guggenmusik

Großen Spaß hatten sowohl die teilnehmenden Gruppen als auch die Zuschauer beim Nachtumzug in Schellbronn. © Fux
Die Narren feierten ausgelassen in den Straßen der Gemeinde. © TV-BW
14.01.2018

Tausende Narren feiern beim Nachtumzug durch Schellbronn

Ein farbenprächtiger Nachtumzug, bestückt mit etwa 90 Gruppen und über 2000 Hästrägern, darunter schaurige Hexen, wilde Gesellen und schmissige Guggenmusiker, zogen am Samstag über zwei Stunden durch Schellbronn und sorgten für eine prächtige Stimmung.

Auch der Wettergott meinte es bei milden Temperaturen ohne Regen und Schnee gut mit Tausenden Menschen, die als Zuschauer den Straßenrand säumten. Vor allem in der Ortsmitte, dort wo der Ehrentribünenwagen aufgestellt war, standen die Besucher dicht gedrängt in mehreren Reihen, um gespannt das nächtliche närrische Treiben und das aufregende Spektakel gut gelaunt zu verfolgen.

Närrisches Treiben beim Nachtumzug in Schellbronn

Lebensretterinnen als Gäste

„Schellau hat sich rausgeputzt“, kündigte Moderator Fabian Ochs an, der gemeinsam mit Ronja Becker und Schellau-Präsidentin Patricia Hoenke den fastnachtlichen Tross vorstellte. Auf der Tribüne fanden sich nicht nur närrische Hoheiten befreundeter Vereine ein, sondern auch CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum und Neuhausens Bürgermeister Oliver Korz. Im VIP-Bereich ebenso die als Polizistinnen verkleideten Larissa Weingardt und Alicja Koatz, die gemeinsam mit Anna Kolmann vor einem Jahr auf dem Weg zum Schellbronner Nachtumzug durch Wiederbelebungsmaßnahmen einem Mann das Leben retteten.

Die Startschüsse, bunte Leuchtraketen, waren weit am nächtlichen Himmel zu sehen und kündigten das Führungsfahrzeug und den Narrenbund Schellau an, der als Veranstalter den Zug anführte. Viele befreundete Fastnachts- und Narrenzünfte aus Pforzheim und dem Enzkreis, aber auch weit darüber hinaus, bereicherten den Nachtumzug und sorgten auf den Straßen für Pyrotechnik, Pyramiden, Räder und Purzelbäume und allerhand Schabernack, vor allem das weibliche Geschlecht war davor nicht gefeit und geriet immer wieder in die Fänge von Hexen, Geistern und zottigen Burschen.

Bildergalerie: Tausende feiern beim Nachtumzug in Schellbronn

Zahlenmäßig die Nase vorn hatte der Tiefenbronner Carnevalsverein, der den Umzug mal farbenfroh, mal schaurig mit 300 Teilnehmern bereicherte. Für Aufsehen sorgten auch die Keibel Hexen aus Huchenfeld, denn einige beherrschen die schwere Kunst des „Krabatschens“, „Schnellens“ oder Peitschens. Mit einem Schnapper, der seinem Namen alle Ehre machte und der sich in schwindelerregender Höhe alles schnappte, das nicht niet- und nagelfest war, waren die Narren aus Esslingen-Zell unterwegs. Der Elferrat der benachbarten Hau-Hu aus Neuhausen zog auf originellen Rollern durch Schellbronn.

Oft stecken hinter dem fastnächtlichen Häs, der Maske und dem passenden Narrenruf geschichtliche Legenden oder regionale Gegebenheiten. So verdanken beispielsweise die Nebelhexen aus Straubenhardt dem Umstand häufigen Nebels ihren Namen. Direkt aus Schellbronn kommen die Waldhufen Dämonen, die an die Siedlungsform der Waldhufendörfer im Schwarzwald, in Schellbronn oder Hamberg erinnern. Interessant auch das Häs der Birkenfelder Hogebiere, das einen Birnbaum darstellt. Die Hakenbirnen gibt es nur in Birkenfeld.

Bildergalerie: Nachtumzug // Schellbronn // 13.01.2018

Frühstart der Kehrmaschine

Die Strohhexen Ötisheim haben als Schlachtruf Stroh-Heex. Schaurig die Legende der „Werwölfe aus ’m Gäu“, die in Jettingen zu Hause sind. Ihnen wird nachgesagt, dass früher im tiefen Wald eine Maske gefunden wurde, die beim Aufsetzen denjenigen in eine reißende Bestie verwandelte.
Kurios und unfreiwillig war der Auftritt der Kehrmaschine, die sich plötzlich mitten im Umzug befand, weil sie offensichtlich zu früh gestartet war. Doch dies tat der Stimmung keinen Abbruch. Denn bis tief in die Nacht war auf Schellbronns Straßen, in Buden und Zelten und vor allem im Narrendorf viel los und viel geboten.

Einsatzkräfte ziehen Bilanz

Tausende Besucher bei einer Großveranstaltung sind auch für Polizei und Rotes Kreuz eine Herausforderung. Das Fazit nach dem Umzug war gemischt. Es habe Körperverletzungen gegeben, aber keine schweren, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Karlsruhe gegenüber PZ-news. Außerdem seien „einige Beleidigungen zum Nachteil der Polizei“ zu verzeichnen gewesen. Zudem registrierten die Ordnungshüter einen Diebstahl. Insgesamt sechsmal sprachen die Beamten einen Platzverweis aus, zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen. Als überwiegend ruhig beschreibt das DRK seine Einsatzbilanz. Rund 30 Menschen mussten wegen Alkohols oder kleiner Verletzungen versorgt werden.