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Ursache des Hubschrauber-Absturzes nicht technischer Natur. © Seibel
16.08.2011

Technik nicht Ursache des Hubschrauber-Absturzes

PFORZHEIM/ENGELSBRAND. Noch liegt das endgültige Gutachten eines privaten Sachverständigen aus Baden-Baden nicht vor. Christoph Reichert, Leitender Oberstaatsanwalt, hat vor, nach nochmaliger Rückfrage mit dem Experten, über die Freigabe das Wrack des am 10. Mai dieses Jahres beim Büchenbronner Aussichtsturm abgestürzten Polizeihubschraubers zu entscheiden.

Bildergalerie: Lagerung des Hubschrauberwracks von Engelsbrand

Noch lagert der havarierte Helikopter – oder das, was davon übrig ist – bei einem Pforzheimer Abschleppunternehmen in einer Halle. Ein technischer Mangel sei nicht auszumachen gewesen – zu diesem Schluss kam die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig.

Wie konnte es dennoch kommen, dass der Helikopter, besetzt mit Pilot (35), Co-Pilot (44) und einer Polizisten (25), die eine Wärmebildkamera in Händen hielt, in den Wald bei Engelsbrand krachte? War es fahrlässige Körperverletzung, menschliches Versagen? Gibt es Schadenersatzansprüche?

Co-Pilot hat keine Erklärung

Formal gelten Pilot und Co-Pilot unmittelbar seit dem Vorfall als Beschuldigte – verbunden mit dem Recht, sich vorläufig nicht zu dem Absturz äußern zu müssen und dem Recht auf Vertretung durch einen Anwalt. Hüllte sich der Co-Pilot zunächst in Schweigen, habe er später geäußert, er könne sich nicht erklären, wie es zu dem Unglück kommen konnte, so Reichert. Eine Stellungnahme des Piloten-Verteidigers steht noch aus.

Zu dem Absturz war es gekommen, nachdem eine 77-Jährige Frau als vermisst gemeldet worden war. Ein Polizeihubschrauber hob gegen 20.40 Uhr in Stuttgart ab. Um 21.35 Uhr schwebte er nördlich von Engelsbrand und stürzte ab. Die Besatzung wurde zunächst mit inneren Verletzungen auf die Intensivstation mehrerer Klinik gebracht. Nach Notoperationen waren sie aber außer Lebensgefahr. Die Frau wurde noch in der Nacht 50 Meter neben der Unfallstelle gefunden.

Suchmannschaft im Glück

Rund 70 Polizisten hatten sich zum Zeitpunkt des Absturzes in unmittelbarer Nähe der Absturzstelle im Wald befunden. „Wir hatten Glück, dass der Hubschrauber nicht auf die Suchmannschaft am Boden gestürzt ist“, hatte Polizeisprecher Frank Otruba gegenüber der PZ gesagt. Der Schaden belief sich auf 1,5 bis zwei Millionen Euro.

Nach wie vor geistert ein Gerücht durch die Welt, wonach immer noch die Pistole eines Besatzungsmitglieds verschwunden sein soll. Damit räumt Reichert auf: Die Waffe sei noch am gleichen Tag in unmittelbarer Nähe des Hubschraubers gefunden worden.

Das Land Baden-Württemberg verfügte vor dem Absturz über acht Polizeihubschrauber: zwei große – einer davon ist ständig einsatzbereit für ein Sondereinsatzkommando (SEK) – und fünf kleine. Stationiert sind sie mit einer Ausnahme (Baden-Airpark in Söllingen) in Stuttgart. Jetzt sind es nur noch sieben. Ob der Unfall-Helikopter von Engelsbrand ersetzt wird, unter anderem darüber macht sich derzeit die Arbeitsgruppe „Neuausrichtung der Polizeihubschrauberstaffel“ im Innenministerium Gedanken. „Zur Kenntnis genommen“, so ein Ministeriumssprecher, habe man den Bericht des Landesrechnungshofs, der jüngst moniert hatte, das Land brauche nicht so viele Hubschrauber. ol