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04.11.2016

Theater und noch mal Theater mit Kreisräten und Kreisverwaltung

Die Kreisräte haben schon manchen Strauß mit der Kreisverwaltung ausgefochten. Doch bisher endeten die Streitfälle im Kreistag meist mit einem Kompromiss, so zum Beispiel bei den Konflikten, wie viel Geld die 28 Kommunen im Enzkreis dem Landratsamt für die Kreisumlage im Haushaltsjahr überweisen müssen.

Zurzeit spitzen sich einige Konflikte allerdings so ungewöhnlich heftig zu, wie man das noch nicht erlebt hat. „Verraten, verkauft, im Stich gelassen“, schimpfte der Ötisheimer Bürgermeister Werner Henle wegen Reibereien mit den für Flüchtlingsfragen Verantwortlichen des Kreises über die Finanzierung des neuen Asylheims. Vor einer Woche hatte Henle als Vorsitzender der Freien Wähler gemeinsam mit den anderen Fraktionen den Kurs des Kreises gekippt, mit einer Geldspritze der Stadt Pforzheim bei der Finanzierung eines Zentrums für Präzisionstechnik aus der Patsche zu helfen. Jetzt soll der Landrat andere Wege ausloten. Und weitere Kontroversen zeichnen sich bereits ab.

So ist immer noch offen, ob der Kreis dem städtischen Theater mehr Geld gibt als die jährlich rund 31 000 Euro. Der Betrag für Busfahrten zu Vorstellungen ist seit knapp drei Jahrzehnten nicht erhöht worden. Pforzheim, in akuter Finanznot, hat den städtischen Zuschuss um zehn Prozent, das sind rund 600 000 Euro, gekürzt. In einem Brief an Landrat Karl Röckinger hatte Oberbürgermeister Gert Hager (SPD) um eine stärkere Förderung des Enzkreises gebeten. Immerhin kommen mit rund 40 Prozent die meisten Besucher aus dem Enzkreis. Doch weder bei Röckinger noch bei den Kreistagsfraktionen gab es für Hagers Bitte Begeisterung. Nun hat aber der Landkreis Calw ein starkes Zeichen gesetzt. Der Nachbar hob den Zuschuss fürs Theater ganz gehörig an – von 2300 auf 20 000 Euro pro Jahr. Das ist fast neun Mal mehr Geld als vorher. „Darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagt Uwe Dürigen, der Verwaltungsdirektor des Theaters. Hans Vester, Fraktionschef der SPD, setzt sich über den Beitrag für den Bustransport hinaus dafür ein, die Bildungs- und Schulprojekte des Theaters zu unterstützen. „Das Theater macht ja sehr viel mit Kindern in den Schulen im Enzkreis“, sagt Vester. Außerdem gebe es einige Musikprojekte im Kreisgebiet, zum Beispiel Kinderopern. Für solche Aufführungen des Kinder- und Jugendtheaters könne der Enzkreis doch 50 000 Euro beisteuern, sagt der SPD-Politiker. Ob die Kollegen der anderen Fraktionen ihm dabei aber folgen?

Aufmerksam werden die Kreisräte dagegen verfolgt haben, dass der Kreis Calw noch für dieses Jahr die Umlage für die Städte und Gemeinden drastisch gesenkt hat und die Kommunen damit um rund 4,5 Millionen Euro entlastet. Am Montag beginnt der Enzkreis mit den Beratungen für den Etat 2017. Bleibt die spannende Frage, ob sich die Kreisräte und die Verwaltung beim Ringen um die Umlage entzweien.