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Ein starkes Team zum Thema Frauenbilder in den Märchen: Olga Rühl, Heike Herb, Kinga Golomb und Annette Volz (von links).  Foto: Gabriele Meyer 

Themenabend in Straubenhardt: Was ist die Rolle der Frau in Märchen?

Straubenhardt. „Wenn du intelligente Kinder willst, lies ihnen Märchen vor. Wenn du noch intelligentere Kinder willst, lies ihnen noch mehr Märchen vor“. Diese Analyse stammt von Albert Einstein und mag umstritten sein.

Um Kinder aber ging es auch nicht an diesem Abend in Straubenhardt, es ging um Frauen, und zwar als Zuhörerinnen als auch um handelnde Personen im Märchen. Und da beginnt man schon zu stolpern: Wann sind Frauen in Märchen die Aktiven, beeinflussen den Gang der Geschichte? Sind sie nicht eher der ohnmächtige Gegenpart zu den handelnden Männern?

Nein, sagt Märchenerzählerin Annette Volz, die auf Einladung der Gleichstellungsbeauftragten des Enzkreises, Kinga Golomb, in Zusammenarbeit mit der Leiterin des Hauses der Familie, Heike Herb, zu gekommen war:

„Es waren einmal Frauen, die mit Klugheit, List, Mut und Selbstbewusstsein, aber auch mit weiblichem Charme ihr Leben meistern.“

Merkwürdig vielleicht, dass der weibliche Charme dabei sein muss – und was hat es mit der unvermeidlichen Jugend und Schönheit so auf sich? Da seufzte schon mal eine der Zuhörerinnen genervt auf, um dann doch die andere Linie zu finden: Frauen in den Märchen haben so vielem getrotzt, sich der geforderten Gehorsamkeit, Passivität und Demut entzogen.

Frauen unter sich 

Ist es nicht emanzipatorisch, sich trotz aller Widerstände gegen die eigene Selbstbestimmtheit und Aktivität nicht unterkriegen zu lassen? Je drängender die Probleme, desto facettenreicher greifen die Märchenfrauen ein, werden starke „Drahtzieher“, nehmen den Männern den Wind aus den Segeln, Anette Volz erzählte die Märchen rund um die starken Frauen frei und atmosphärisch eindrucksvoll und nahm dabei mit auf eine Reise um die Welt. Aus Indien, Frankreich, Italien, Russland, Deutschland und Kasachstan kamen die Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nahmen. An diesem Abend, bei dem auch ein kleines Büfett zur Verfügung stand und der musikalisch von Olga Rühl umrahmt wurde, waren die Frauen unter sich.