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Tierquäler in der Region

Fast bis zum Bauch standen diese beiden Mastrinder im Mist in einem Stall in Singen. Nun griffen Veterinäramt und Polizei ein. Foto: Günther
Fast bis zum Bauch standen diese beiden Mastrinder im Mist in einem Stall in Singen. Nun griffen Veterinäramt und Polizei ein. Foto: Günther
05.08.2013

Tierquälerei in Singener Stall: Rinder stehen knietief im Mist

Remchingen-Singen. Amtstierarzt Markus Vincon ordnete am Montag die sofortige Mitnahme von zwei Mastrindern aus einem Stall in Singen an. „Das ist ja noch viel schlimmer, als ich vermutet hatte“, sagte er nach einem Blick in den Stall. Die Mistbrühe sei schon so hoch, dass sie in die Futtertröge gelaufen ist. Eigentlich müssten laut amtlicher Meldung drei Rinder im Stall sein.

Nachbarn hatten Mitleid mit den Tieren, die nachmittags oft lange geschrien haben. „Ich habe mit dem Gartenschlauch Wasser auf das Stalldach gespritzt. Dann sind die Rinder sofort gekommen und haben das Tropfwasser geleckt“, sagte ein Nachbar. Seine Frau warf ab und zu einen Salatkopf über den Zaun, den die allerdings nicht unterernährten Rinder sofort gefressen haben. Mühsam seien die Tiere aus dem Stall gekommen, in dem der Mist schon in den Freilauf quoll. Die Beine seien mit nassem Mist bedeckt bis an den Bauch gewesen.

Beim kürzlichen Hochwasser sei die Brühe auf die Straße und in die angrenzende Pfinz gelaufen, sind sich die Nachbarn ringsum einig. Der Bauer habe sich nicht darum gekümmert. Also erging eine Information an das Veterinäramt. Vor einigen Jahren habe die Gemeinde schon einmal ein total verwestes Rind mit Schaufeln in blaue Fässer gefüllt und entsorgt.

Tierarzt Vincon reagierte prompt. Alles Rufen, Klopfen und Klingeln hatte keinen Erfolg. Seit vier Wochen versucht er vergeblich, den Bauern übers Handy zu erreichen. An der Straßenseite rief er durch ein offenstehendes Fenster, warf einen Blick hinein und war erschüttert. „Das ist eine Messi-Wohnung.“

Vincon rief die Polizei aus Neuenbürg, die ihm Amtshilfe leistete. Da der Bauer so lange nicht erreichbar war, könne es sein, dass er Hilfe braucht. Ein Polizist machte Anstalten, durchs Fenster zu klettern, nahm aber schnell Abstand davon: „Nicht ohne Atemschutz.“ Die Feuerwehr könne womöglich mit Atemschutz nachschauen. Aber dann sagte ein anderer Nachbar, er habe den Bauern morgens mit dem Traktor fortfahren gesehen. Mit einem beherzten Sprung über das Hoftor sorgte die Polizei für einen Zugang zum Stall. Dann machte Vincon seine erschütternde Entdeckung und ordnete die sofortige Abholung der Rinder an.