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28.09.2015

Tierschützer üben Kritik an Veterinäramt

Wenn Tiere nicht artgerecht gehalten werden, ist das ein Fall für das Veterinäramt. So auch im Juli in Keltern. Die Haltung von 200 Kaninchen, Meerschweinchen, Tauben und Hühnern erforderte den Einsatz des Veterinäramtes Enzkreis. Auflagen zur Reduzierung des Tierbestandes folgten (die PZ berichtete).

Für das Tierheim Pforzheim kamen diese Maßnahmen zu spät. Eine gemeinsame Stellungnahme von Tierheimleitung, -vorstand und Pflegekräften erreichte die „Pforzheimer Zeitung“ gestern. In ihrem Schreiben werfen die Tierschützer dem Veterinäramt vor, bereits seit August 2013 durch sie von den Verhältnissen gewusst, aber erst knapp zwei Jahre später eingegriffen zu haben. Von den Zuständen auf dem Hof habe sich das Tierheim damals selbst ein Bild machen können, so Leiterin Linda Giek. So ist in dem Schreiben der Tierschützer von „offensichtlich leidenden Tieren“ und einer „tierquälerischen Haltung“ die Rede.

Vorwürfe, die für das Veterinäramt unterwartet kommen. Man wisse zwar seit etwa zwei Jahren von der Kelterner Kleintierzüchterin, sagt Oliver Jäger von der Behörde. Bei unangekündigten Kontrollbesuchen habe man die Haltung der Tiere überprüft.

Hände gebunden

Gravierende Zustände wie in den Informationen der Tierschützer beschrieben, habe man aber zunächst nicht vorgefunden, so Jäger: „Wir haben immer wieder mündlich an die Frau appelliert, ob sie die Anzahl der Tiere nicht einmal überdenken möge.“ Aber nur weil die Unterbringung der Tiere auf den ersten Blick nicht schön aussehe, könne man keine weiteren Schritte einleiten, so Jäger: „Hätten wir gravierende Mängel in der Versorgung festgestellt, hätten wir umgehend reagiert.“ Den Vorwurf der Bequemlichkeit wies Jäger entschieden zurück: „Dann hätten wir bereits beim ersten Besuch etwas veranlassen können und uns nicht noch viele weitere Male auf den Weg machen müssen.“

Erst als sich die Zustände auf dem Hof im Juli dieses Jahres verschlechterten, konnte das Veterinäramt Maßnahmen anordnen. Inzwischen habe die Kleintierzüchterin die Anzahl der Tiere gemäß der Auflagen reduziert. Derzeit habe zudem das Bauamt ein Auge darauf, dass die Ställe entsprechend ausgestattet seien. „Damit haben wir unser Ziel zunächst einmal erreicht“, stellt Jäger klar. Dennoch werde man den Kelterner Hof in Zukunft weiter im Auge behalten.