nach oben
Vorbereitung ist alles: Die Schreinermeister Klaus Kienlein (von links) und sein Chef Daniel Muckenhaupt beim Studium von Möbelstücken und mit einem eichenen Musterhocker aus romanischer Zeit.
Vorbereitung ist alles: Die Schreinermeister Klaus Kienlein (von links) und sein Chef Daniel Muckenhaupt beim Studium von Möbelstücken und mit einem eichenen Musterhocker aus romanischer Zeit. © Bechtle
06.01.2009

Tischler lässt mit Trick Film-Möbel alt aussehen

Was hat ein Bad Wildbader Tischlermeister mit der mittelalterlichen Mystikerin und Medizinerin Hildegard von Bingen zu tun? Nun, die Verbindung besteht in dem derzeit gedrehten Film „Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen.“ Genauer gesagt in der Ausstattung. Daniel Muckenhaupt aus Bad Wildbad hat mit seinem Team das gesamte Mobiliar gefertigt, das aussehen musste, als stamme es aus dem 12. Jahrhundert.

Von solchen Möbelstücken gibt es heute nur noch ein halbes Dutzend in Europa, so im Kölner Dom, in Norwegen und eine Truhe im Kloster Alpirsbach, und alle bestehen aus schwerem Eichenholz.

Holzwurm-Löcher gebohrt

Daniel Muckenhaupt, der sich gegen acht Mitbewerber durchsetzte, hatte in seiner Schreinerei im Bad Wildbader Rennbachtal innerhalb eines Monats 187 Möbelstücke aus massiver Eiche anzufertigen. Siebzehn Kubikmeter Eichenholz wurden benötigt, um zwölf Stühle, 90 Betten, zwei Schränke, fünf Truhen, zahlreiche Gebetshocker, Kirchenbänke und weiteres Mobiliar anzufertigen. Dabei mussten die Möbelstücke nicht nur originalgetreu aussehen, sondern auch sein: Also ohne Schrauben und Eisennägel, lediglich mit Holznägeln, Zinken oder handgeschmiedeten Verbindungen. Aussage eines Kameramannes: „Um den Film authentisch zu machen, muss alles so echt wir möglich sein.“

Die Tischplatten hatten nicht nur enorme Ausmaße (vier Meter lang, 1,20 Meter breit und zehn bis zwölf Zentimeter dick), sondern mussten auch entsprechend alt wirken. Muckenhaupt und sein Werkstattleiter, Schreinermeister Klaus Kienlein, kamen deshalb auf einen Trick: Sie schleiften die aus Eichenbohlen mit selbst geschmiedeten Eisenbändern bestehenden Tischplatten bis zu fünf Kilometer hinter einem Transporter her und beschwert mit einer Person über geschotterte Waldwege. Erst dann „sahen sie echt alt und ausgelaugt aus und wir mussten nur noch die kleinen Kieselsteine zwischen den Bohlen entfernen“, erklärt der Schreiner verschmitzt.

Außerdem mussten in die Möbelstücke Tausende von Holzwurmbohrlöchern maschinell, aber ganz ungleichmäßig, gebohrt werden. Da es im 12. Jahrhundert lediglich den Zimmermann gab, der relativ einfache Möbel herstellte, wurden auch zur Bearbeitung traditionelle Werkzeuge wie das Zieheisen, die Behau- und die Schreineraxt für weitere Möbelstücke eingesetzt. Zum Drehbeginn am 7. Oktober konnte Muckenhaupt und seine Mitarbeiter aufatmen, die Möbel waren fertig.

Fotos der Möbelstücke dürfen allerdings vor dem Filmstart – vorgesehen ist der im Herbst 2009 – nicht veröffentlicht werden. Das war ein Bestandteil des Vertrags mit dem Bad Wildbader Tischler. So kann Daniel Muckenhaupt lediglich einen Musterhocker aus Eiche vorweisen, der in ähnlicher Form nachgebaut wurde. „Es war eine hochinteressante Aufgabe“, betont Daniel Muckenhaupt. Ohne engagierte Mitarbeiter, derzeit sind es sechzehn, die in zwei Schichten arbeiteten, wäre es innerhalb vier Wochen kaum zu schaffen gewesen. Über die Kosten schweigt er allerdings lieber.

Muckenhaupt: „Im Allgemeinen wird, sofern noch brauchbar, nach Abschluss der Dreharbeiten die Ausstattung verkauft. Seine Möbel kommen jedoch nicht auf den Markt, sondern werden bei der Filmgesellschaft eingelagert, um eventuell für andere Produktionen wieder verwendet werden zu können.“Götz Bechtle