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30.05.2008

Tischtennisballgroße Hagelkörner zerschlagen Autohaus-Glasdach - 40 Autos beschädigt - Platte Gemüsebeete

Ein schweres Unwetter mit Hagel und Sturm entlud sich gestern Nacht über der Region. Tischtennisballgroße Hagelkörner prasselten nieder und beschädigten Fenster und Autos. Besonders heftig wütete das Gewitter im Bereich Straubenhardt und Neuenbürg.

Eine böse Überraschung erlebte am Freitagmorgen Beate Ochner, Chefin des gleichnamigen Autohauses in Conweiler. In Straubenhardt hatte das Gewitter neben Neuenbürg und Wildbad besonders heftig gewütet – entsprechend sah es im Autohaus aus: Die Glas-Überdachung der Ausstellung zerstört, der komplette Fuhrpark mit 40 Autos beschädigt. Die Bestandsaufnahme dauerte natürlich. „Das ist eine Mordsarbeit, wir mussten erst einmal den Kunden absagen“, so Ochner, die auch Schäden an der Solaranlage auf ihrem Wohnhaus verzeichnen musste.

Vogel erschlagen

Bürgermeister Willi Rutschmann sah das Unwetter, das im ganzen Südwesten wütete, aufziehen, als er gegen 0.30 Uhr von der Gemeinderatssitzung nach Hause kam. „Wir haben noch schnell die Blumen reingeholt, dann ging es auch schon los“, berichtet er. Sein Auto ist nun von Beulen übersät und die Sonnenkollektoren auf seinem Dach sind beschädigt. Ob auch öffentliche Gebäude in Straubenhardt etwas abbekommen haben, kläre er derzeit noch ab. Bei dieser Aufgabe war der Bürgermeister übrigens alleine unterwegs, da die Rathaus-Mitarbeiter bei ihrem Betriebsausflug waren.

Schäden gab es auch an der Wildbader Sommerbergbahn: An der Bergstation hat der Hagel große Löcher in das Plexiglasdach geschlagen. Ein besonders großes Hagelkorn hat Jürgen Haffner aus Ottenhausen entdeckt – und eingefroren. Es ist 25 Gramm schwer und misst etwa 4,5 Zentimeter im Durchmesser. In seiner Nachbarschaft wurde unter anderem ein Dachfenster eingeschlagen. „Und wir haben heute morgen einen toten Vogel im Hof entdeckt. Der wurde sicher vom Hagel erschlagen“, vermutet er. Susanne Irion, Ehefrau des Straubenhardter Feuerwehrkommandanten Martin Irion, berichtet von beschädigten Rollläden und zerrissenen Markisen. Aber immerhin: Ihr Mann konnte zu Hause bleiben, denn die Feuerwehr musste in der Region zu keinem wetterbedingten Einsatz ausrücken.

Verlust bei Landwirten

Heiß her ging es gestern bei der Dietlinger Firma Schlittenhardt, die unter anderem Solaranlagen installiert. „Den ganzen Morgen klingelt das Telefon“, beschreibt Simone Schlittenhardt die Lage. Hauptsächlich aus Straubenhardt, Arnbach und Waldrennach, zum Teil auch aus Keltern würden beschädigte Solaranlagen gemeldet. Bereits am Vormittag waren es 20 Betroffene.

Völlig unterschiedlich fällt die Bilanz nach dem Unwetter bei Landwirten und Winzern aus: Manchenorts richteten die Hagelkörner mittlere Schäden an, während zum Teil wenige Hundert Meter daneben die Felder und Weinberge ganz verschont blieben. Bauer Hubert Sauter, der auf Gemarkung Gräfenhausen unweit der Grenzsägmühle bei Niebelsbach auf 40 Hektar Mais angepflanzt hat, fasst zusammen: „Etwa ein Prozent der Maispflanzen hat es erwischt.“

Die Feldrennacherin Judith Bickenbach beklagt dagegen einen Schaden von rund 1000 Euro in ihren Gemüsebeeten: „Rund 2000 Köpfe Eichblattsalat, 600 Stück Kopfsalat, Jungpflanzen und Landgurken hat es voll erwischt. Vielleicht kann ich noch ein Drittel davon verwenden.“ Betroffen vom Hagel ist auch die Nöttinger Bauernfamilie Schneider „Im Kornfeldle“. Anna Schneider berichtet: „Die Fotovoltaik-Module auf dem Wohnhaus und auf der Scheune wurden beschädigt.“ Der Ellmendinger Winzer Erich Käser meint:. „Wir sind glimpflich davongekommen.“ Zwar seien an jedem Weinstock ein bis zwei Triebe abgeschlagen worden, was einen Verlust von etwa zehn Prozent bedeute, vielleicht würden dafür aber die verbliebenen Trauben etwas größer.

Beim Gewitter am Freitagabend musste die Feuerwehr zweimal nach Tiefenbronn ausrücken, wo Wasser in Keller eindrang. Die Temperatur stürzte von schwüler Hitze auf 15 Grad.