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Kritische Blicke in Sachen Buchensterben: Naturfreund und Jäger Matthias Jäck aus Birkenfeld mit dem früheren Förster Gerd Sarow aus Gräfenhausen auf Kelterner Markung im Niebelsbacher Wald. Fotos: Marx
Kritische Blicke in Sachen Buchensterben: Naturfreund und Jäger Matthias Jäck aus Birkenfeld mit dem früheren Förster Gerd Sarow aus Gräfenhausen auf Kelterner Markung im Niebelsbacher Wald. Fotos: Marx
Vom Fuß bis hoch in die Krone: Alle Blätter dieses Baumes sind komplett abgestorben.
Vom Fuß bis hoch in die Krone: Alle Blätter dieses Baumes sind komplett abgestorben.
08.05.2019

Tödliche Gefahren: Trockenheit lässt Buchen absterben

Keltern/Birkenfeld. Fährt man von Birkenfeld Richtung Gräfenhausen, fällt der Blick auf einen Waldsaum mit viel braunem Laub im sonst saftigen Grün. Der Birkenfelder Jäger und Naturfreund Matthias Jäck wird unruhig und weist seinen Begleiter, Gerd Sarow, auf die Verfärbungen hin.

Sarow war 30 Jahre lang Förster im Eyachtal und ist ein Waldexperte der alten Schule. Der lässt sich zunächst nicht aus der Ruhe bringen. Unabhängig vom Anblick aus großer Entfernung müsse man die Sache unmittelbar am Fuß der Bäume in Augenschein nehmen. Und so wird es auch gemacht. Die Fahrt führt an idyllischen Wiesen entlang bis zum Waldweg.

Vor Ort ist erst einmal Orientierung gefragt. Versteckt hinter einem niedrig hängenden Ast findet sich ein alter Grenzstein aus dem Jahr 1878. Der zeigt am Waldweg genau auf, wo die Markung Ottenhausen aufhört und die von Niebelsbach beginnt: vom damaligen Oberniebelsbach, um historisch korrekt zu bleiben. Die Buchen, um die es geht, müssten sich demnach auf Kelterner Gemarkung befinden, zum Niebelsbacher Forst gehören und zum sogenannten Apothekerwald zählen.

Charakteristisch für die vorgefundenen Buchen ist das völlig vertrocknete, braune Blätterwerk. Diesen Anblick bieten nicht etwa alleinstehende Bäume vor dem Waldsaum, sondern auch eine Reihe von Exemplaren im Wald selber. Sarow inspiziert jeden Buchenstamm, nimmt das Astwerk in die Hand und zieht die Schlussfolgerung, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Trockenschäden aus der regenarmen, heißen Sommerphase von 2018 handelt. Der altgediente Förster ermuntert allerdings dazu, die Dinge tiefergehend und weitgefasster zu analysieren. Es gehe längst nicht mehr um einzelne, trockene Sommer. Wer die Augen nicht verschließe, müsse einen andauernden Klimawandel ins Kalkül ziehen und somit würden Trockenschäden wohl leider zunehmen.

Und wie schätzt das Kreisforstamt die Lage generell im Enzkreis ein? Amtsleiter Frieder Kurtz unterstreicht, dass „die Buche eine stabile Baumart“ sei. Der Zunderschwamm gehöre nun mal mit dazu und trete vor allen Dingen bei alten Buchen auf. Der Zunderschwamm ist eine Pilzart aus der Familie der Stielporlingsverwandten und befällt in der Tat geschwächte Laubbäume. Der Buchenschleimfluss wiederum, so die Erklärung von Kurtz, „ist Folge einer Laus“. Diese Erkrankung komme häufiger vor, wenn Trockenjahre zu verzeichnen gewesen seien. Das aktuelle Bedrohungspotenzial sieht der Forstamtschef so, dass „nach Trockenstress vor allem alte Buchen, oft im lockeren Kronenstand und insbesondere auf schlechteren und sonnenseitigeren Böden leiden würden. Insofern, so Kurtz, „ist in diesem Frühjahr mit vermehrt absterbenden Altbuchen und voraussichtlich auch mit Sekundärschädlingen an der Buche zu rechnen. Allerdings rät der Amtsleiter zu Gelassenheit: „Ein Problem sehe ich für den Enzkreis darin derzeit nicht, zumal viele Waldbesitzer Totholz fördern wollen.“ Die Buche sei als Totholz für viele Arten besonders geeignet.“

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