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Einst war in diesem Haus im Schömberger Ortsteil Langenbrand eine Kinderklinik untergebracht. Am Samstagabend hat in einer der Kellerwohnungen für deren Bewohner ein Streit tödlich geendet. Foto: Meyer
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So zeigen sich Flur und Wohnungstür im Untergeschoss. Nur das Absperrband und Siegel der Polizei weisen auf den Tatort hin. Foto: Meyer

Tödliche Messerstiche im Suff: Schock nach Bluttat in Langenbrand

Schömberg-Langenbrand. Ein Tötungsdelikt in einem Mehrfamilienhaus in Langenbrand bewegt die Schömberger. Die Nachbarschaft zeigt sich fassungslos nach dem eskaliertem Streit.

61-Jähriger tötet Bekannten im Streit
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61-Jähriger tötet Bekannten im Streit

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Tötungsdelikt in Langenbrand: 61-Jähriger festgenommen

Es muss einmal ein schmuckes Haus gewesen sein. Bevor die Jahrzehnte es zerfressen haben. Die Darstellungen von Kindern und einer Sonnenblume zieren die verwitterte Fassade. Dabei hat die Kinderklinik in Langenbrand längst den Betrieb eingestellt. Seit 1990 befinden sich in dem Gebäude am Ortsrand Mietwohnungen. In einem der Räume im Keller hat sich am Samstag Schreckliches ereignet. Offenbar im Streit und unter erheblichem Alkoholeinfluss soll ein 61-Jähriger seinen 55-jährigen Bekannten getötet haben.

Was sich im Haus gegenüber zugetragen hat, weiß die alte Frau nicht, die am Montagnachmittag in ihrem Garten arbeitet. Jetzt folgt der Schrecken. Die Menschen in den weißen Anzügen, sie habe sie für Nachbarn in Arbeitskleidung gehalten. Schließlich seien einige von ihnen in der Fleischerei-Branche tätig.

Anders erging es einem 61-Jährigen, der im obersten der drei Stockwerke wohnt. Bis um 1 Uhr am Sonntagmorgen habe es in dem Haus, in dem er seit 25 Jahren lebt, von Polizisten gewimmelt. Das Opfer aus dem Untergeschoss sei seit etwa 15 Jahren sein Nachbar. Der 55-Jährige lebte allein, Frau und Kinder getrennt von ihm in Russland. „Viel Zeit“ unter einem Dach, sagt der Mann, der auch aus Russland stammt, in gebrochenem Deutsch. Man habe sich immer mal wieder besucht, um zu reden, etwas zu trinken, erzählt er. „Ein bisschen aggressiv“ sei sein Nachbar wegen des Alkohols dann manchmal geworden.

Auch den Mann, der ihn getötet haben soll, kenne er. Er habe nach der Tat noch mit dem 61-jährigen gesprochen. Dieser sei in einem Krankenwagen gesessen, habe von dem Streit erzählt. Dennoch: „Ich habe nicht verstanden warum“, sagt er und ringt um Fassung.

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Alkoholproblem bekannt

Auch dem Hauseigentümer und Vermieter sitzt der Schreck noch in den Knochen, erzählt er, während er voran in den Keller geht. Das abgetretene, staubige Linoleum quietscht. Absurder Kontrast zum geschwungen geschmiedeten Geländer, das sich durchs Treppenhaus windet. Alles hier hat schon bessere Tage gesehen. Unten angekommen, eine unscheinbare Holztür. Nur das rot-weiße Absperrband und das Siegel der Polizei zeigen, dass es sich hier um einen Tatort handelt.

Der Hausbesitzer deutet auf die Wohnungstür. Was ihn dahinter erwartet, wenn er sie irgendwann wieder öffnen darf, weiß er nicht. Viel kann er nicht über den Mann aus dieser Wohnung berichten. Die Miete hat das Jobcenter bezahlt. Nur die Sache mit dem Alkoholkonsum, die sei auch ihm bekannt gewesen, sagt er. Verschiedene Besucher hätten sich hinter dieser Tür zum Trinken getroffen, vergessen, ob „Tag oder Nacht“ sei. Der 55-Jährige sei „an sich kein gewalttätiger Mensch“ gewesen – „aber manche werden blöd, wenn sie besoffen sind.“

Die Fakten:

Der 61-Jährige steht laut Polizei und Staatsanwaltschaft unter dringendem Tatverdacht, am Samstagabend in Schömberg-Langenbrand seinen 55-jährigen Bekannten mit einem Messer getötet zu haben. Der aus Kasachstan stammende Tatverdächtige wurde bei der Auseinandersetzung seinen Einlassungen zufolge selbst verletzt. Darüber hinaus hatte ein Vortest eine Alkoholeinwirkung von 2,4 Promille ergeben. Ein Haftrichter erließ gegen den 61-Jährigen einen Haftbefehl. Anschließend musste er aufgrund seiner eigenen Verletzungen in ein Justizvollzugskrankenhaus eingeliefert werden.

Zunächst war der Leitzentrale des Polizeipräsidiums Karlsruhe über die Integrierte Leistelle in Calw am Samstag gegen 20.30 Uhr eine Messerstecherei gemeldet worden, bei der eine Person niedergestochen wurde, die anschließend verstorben sei. Wie die folgenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Tübingen und des Kriminalkommissariats Calw ergaben, hatten demnach die beiden Bekannten am Samstag in der Wohnung des 55-jährigen Opfers gemeinsam Alkohol konsumiert. Aus noch unbekannter Ursache war es wohl zu einem Streit gekommen, in dessen Verlauf der 61-Jährige offenbar seinen Kontrahenten mit einem Messer verletzte.

Anschließend informierte der Tatverdächtige selbst weitere Hausbewohner. Die sofort hinzugerufenen Rettungskräfte fanden schließlich den leblosen 55-Jährigen in der Küche. Allerdings war für ihn aufgrund seiner Verletzungen jede Hilfe zu spät gekommen.

Der unter dringendem Tatverdacht stehende 61 Jahre alte Mann, der bislang polizeilich nicht in Erscheinung getreten war, ließ sich vor Ort widerstandslos festnehmen. Auch das mutmaßliche Tatmesser konnte sichergestellt werden. Nach dem inzwischen vorliegenden, vorläufigen Obduktionsergebnis war der Messerangriff auch todesursächlich.