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Willkommen daheim heißen Andreas Kramer ( Spielleiter des 1. FC Schellbronn, links) und Neuhausens Bürgermeister Oliver Korz (rechts) Huberth Wirth und seinen Traktor, mit dem er drei Monate unterwegs war. Dast-Kunadt
Willkommen daheim heißen Andreas Kramer ( Spielleiter des 1. FC Schellbronn, links) und Neuhausens Bürgermeister Oliver Korz (rechts) Huberth Wirth und seinen Traktor, mit dem er drei Monate unterwegs war. Dast-Kunadt
19.08.2018

Traktor-Reise nach Russland: Geschenke und Geschichten im Gepäck

Er erzählt und erzählt und erzählt. Was Huberth Wirth aus Schellbronn, Rauhaardackel Hexe und sein knatternder Lanz Bulldog Oldtimer mit Wohnfass-Anhänger in den vergangenen drei Monaten erlebt haben, ist unvorstellbar. Unvorstellbar schön, aufregend, spannend, abenteuerlich, interessant, lustig – schnell gehen Wirths Gästen am Freitagabend die Adjektive aus. Kaum einer hat kein versonnenes Schmunzeln auf den Lippen, als der Rentner in der Rennscheuer der Motorradfreunde Schellbronn von seiner Traktor-Reise zur Fußball-WM in Russland erzählt.

„Eigentlich wollte ich nur eine Reise machen“, sagt er und sprudelt los. Denn obwohl Wirth bereits am Sonntag vor einer Woche mit Hindernissen auf den letzten Kilometern (die PZ hat berichtet) nach Hause gekommen ist, steht er noch immer voll unter den Eindrücken dessen, was er alles erlebt hat. „Der Reichtum in Moskau war erschreckend für mich“, sagt er. Und, dass er noch nie so viele Porsche auf einem Haufen gesehen habe. „Es gibt dort keinen Mittelstand, es gibt nur Reich und Arm“, berichtet er weiter und sagt in einem Atemzug, dass er ein bisschen Angst habe, dass das in Deutschland eines Tages auch so kommen könnte.

Diskussionen über Politik

Es bleibt nicht der einzige gesellschaftskritische Satz an diesem Abend. „Ich habe mit den Menschen, die mir auf meiner Reise begegnet sind, viel gesprochen und diskutiert“, sagt er. Auch über Politik. Zunächst vorsichtig, dann aber immer offener. Und er sei zu dem Ergebnis gekommen, dass man über Wladimir Putin sagen könne, was man wolle. Aber die Menschen seien jetzt frei. „Die Leute können, wollen und dürfen jetzt endlich mit dem, was sie haben, Geschäfte machen“, erzählt er. Das habe ihn an Deutschland vor 70 Jahren erinnert.

„Der Traktor war ein absoluter Sympathieträger“, sagt Wirth. Er sei mit Geschenken überhäuft worden, aber auch mit der Herzlichkeit der einfachen Leute. Egal, wohin er gekommen sei – die Türen hätten ihm offen gestanden. Und er erzählt lustige Geschichten. Wie die eines sechsjährigen Jungen, der ihn morgens in seinem Wagen mit zwei frischen Hühnereiern besucht hätte und sein Gebiss auf dem Tisch liegen sah. „Der Junge ist schreiend aus dem Wagen gestürzt und zu seiner Mutter gerannt“, erinnert er sich. Er habe seiner Mutter lachend erzählt: „Der Huberth hat seine Zähne auf dem Tisch liegen.“

Fußball für die Kicker

Wirths Gäste lachen auch. Sie sind gebannt und begeistert von den unzähligen kleineren und größeren Geschichten. Fast 50 Freunde, Bekannte, ehemalige Kollegen, Verwandte und sogar Bürgermeister Oliver Korz sind Wirths Einladung gefolgt. Schließlich beginnt Wirth Geschenke zu verteilen. „Wenn man etwas bekommt, muss man auch etwas zurückgeben“, findet er. Und Schellbronn habe ihm viel gegeben. Deshalb wolle er den Fußball, den der stellvertretende Sportminister Russlands ihm überreicht habe, an den 1. FC Schellbronn weiter geben. Spielleiter Andreas Kramer nimmt das Geschenk gerne an.

Auch für Bürgermeister Korz hat Wirth etwa im Gepäck. Von einer Flasche Wodka bis hin zu handbemalten Christbaumkugeln türmen sich zahlreiche Geschenke auf dem Stehtisch. „Sie waren ein toller Botschafter für Deutschland und insbesondere unserer Region“, so Korz zu Wirth. Die unzähligen Geschichten, die er mitgebracht habe, seien genau das, weshalb man auf Reisen gehe. Er überreichte im Gegenzug Wirth ein Aquarell seines Heimatortes. „Das können Sie vielleicht in Ihren Anhänger hängen.“ So könne er bei seiner nächsten Reise leichter die Frage beantworten, wie es denn bei ihm zu Hause aussehe. „Wenn Sie jetzt noch eine Städtepartnerschaft mit Moskau vermitteln können, dann wäre das klasse“, sagte Korz und hatte die Lacher auf seiner Seite.