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Ein Haufen Asche und Metall: Mehr ist von Bernd Steiningers Lamborghini nicht übrig geblieben. Der rätselhafte Brand vom Sommer lässt ihn nicht los. Foto: Heilemann
Ein Haufen Asche und Metall: Mehr ist von Bernd Steiningers Lamborghini nicht übrig geblieben. Der rätselhafte Brand vom Sommer lässt ihn nicht los. Foto: Heilemann
Das Inferno vom 3. Juli am Rand der A5-Ausfahrt Baden-Baden.
Das Inferno vom 3. Juli am Rand der A5-Ausfahrt Baden-Baden.
22.12.2015

Trauma nach Flammen im Lamborghini – Warum brannte der Sportwagen?

Bernd Steiningers Hände packen das Lenkrad des Mercedes Kombi fester, als auf der A 5 die Ausfahrten Rastatt und Baden-Baden angezeigt werden. Die Anspannung ist dem Mann aus dem Enzkreis anzusehen. Vor einem halben Jahr, am Nachmittag des 3. Juli, begann hier ein Drama mit seinem Traumauto, einem Lamborghini Gallardo Spyder.

Der 3. Juli ist ein heißer Tag. So heiß, dass das Regierungspräsidium auf Abschnitten der A 5 das Tempo auf 80 begrenzt. Hinter Rastatt geht es etwas schneller für Steininger und seine Frau – rund 120 Stundenkilometer schnell, schätzt er. Gegen 13.30 Uhr nähern sie sich Baden-Baden. Plötzlich entdeckt Bernd Steininger Flammen, die aus den Kühlungsrippen hinter den Sitzen schlagen. Er schafft es noch in die Ausfahrt und an den Straßenrand. Dann brennt der Wagen lichterloh.

Ein halbes Jahr später, auf dem Hof eines Pannendiensts in Rastatt, ringt Steininger immer noch um Worte, als er vor den Überresten des Lamborghini steht. Ein Haufen aus Asche und zerstörtem Metall. Die Erinnerungen sind sofort wieder da. Die Momente der Angst, bis der brennende Wagen steht. Die Panik seiner Frau, als die Tür klemmt. Zum Glück sei das Verdeck offen gewesen. Doch seiner Frau, beruflich wie er eine Vielfahrerin, die jährlich Zehntausende Kilometer auf der Straße ist, hänge das Trauma bis heute nach.

Der Unternehmer, dessen Firma ihren Sitz in Pfinztal hat, will den Unfall deshalb auch nicht auf sich beruhen lassen. Er hat Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt, um eine Untersuchung der Ursache des Brands anzustoßen. Und Anwalt Walther Hindenlang strengt für ihn ein Zivilverfahren an, das sich zunächst gegen die Werkstatt richtet, wo der Wagen wenige Hundert Kilometer vor dem Brand zur großen Inspektion war. Der Verdacht: Leitungen mit Öl oder Bremsflüssigkeit könnten nicht richtig verschlossen worden und brennbare Flüssigkeit auf den heißen Mittelmotor getropft sein.

Mit einbezogen ins Zivilverfahren wird die Herstellerfirma Lamborghini. Steininger hat eine ganze Reihe von Berichten von rätselhaften Bränden registriert. Rund ein Jahr vor seinem Unfall war beispielsweise ein Lamborghini auf der A 81 bei Böblingen plötzlich in Flammen aufgegangen. Im Internet sammeln Fahrer auf der Seite lambounfall.de Brände verschiedener Modelle. Erst im Oktober ging ein Feuer in einem Aventador-Modell durch die Medien. Genau das ist aus Sicht des Fahrzeugherstellers das Problem: Unfälle und Brände mit den noblen Gefährten hätten ein ganz anderes Echo als bei anderen Fahrzeugen, so Sprecher Gerald Kahlke. Eine auffällige Häufung von Unfällen gebe es nicht. Im September 2012 hat Lamborghini rund 3900 Gallardo Spyder und Coupé in die Werkstätten zurückgerufen, um Hydraulikschläuche auszutauschen, die „in seltenen Fällen und unter besonderen Umständen“ undicht sein konnten. Betroffen seien allerdings nur die Baujahre 2004 bis 2006 gewesen, so der Sprecher. Bernd Steiningers Gallardo wurde 2007 zugelassen.

Steininger wünscht sich einen offensiveren Umgang mit solchen Bränden. „Da geht es schließlich um Menschenleben“, sagt er. Persönliche Gespräche mit ihm hätten seit dem Juli weder Hersteller noch Werkstatt geführt, meint er enttäuscht. Lamborghini verweist auf Kontakte durch den eigenen Kundendienst. Man gehe Unfallursachen und Sicherheitsfragen gründlich nach, so Kahlke. Auch die gesammelten Fälle im Internet habe man angeschaut und keine Hinweise auf die dort vermuteten Unfallursachen gefunden.

Für Bernd Steininger bleibt der Brand beängstigend rätselhaft. Das Auto sei selten gefahren worden. Rund 18 500 Kilometer seien zum Zeitpunkt des Brands auf dem Tacho gewesen. Wo die Lamborghini-Techniker anmerken, den Fall mangels Informationen über den Fahrzeugzustand nicht einschätzen zu können, ist Steininger nur froh, dass die Bremsanlage nahe dem Ort der Flammen nicht betroffen war: „Nicht auszudenken, wenn ich das brennende Auto nicht hätte stoppen können.“

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