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Schöne Erinnerung: Das Mäusebild hat Seara (rechts) in ihrer Schulzeit gebastelt. Jetzt muss sie sich von der Schule und ihrer Freundin Leonie verabschieden.  
Schöne Erinnerung: Das Mäusebild hat Seara (rechts) in ihrer Schulzeit gebastelt. Jetzt muss sie sich von der Schule und ihrer Freundin Leonie verabschieden.   © Sabine Mayer-Reichard
28.07.2016

Trauriger Abschied von der neuen Heimat - Flüchtlingsmädchen muss Steinegg verlassen

Endlich Ferien! Die Kinder strömen lärmend und lachend aus der Schule – froh, ihren Schüler-Pflichten für sechs unbeschwerte Wochen zu entkommen. Nur Seara lacht nicht, die Drittklässlerin wäre gerne geblieben: In ihrer Klasse in der Verbandsschule im Biet mit der netten Lehrerin und all ihren Freunden.

In Steinegg, wo sie sich so wohl fühlt. In Deutschland, das ihr längst zur Heimat geworden ist. Aber das zehnjährige Flüchtlingsmädchen aus Mazedonien muss zurück: Der Asylantrag der Familie wurde abgelehnt. Gemeinsam mit ihrem achtjährigen Bruder Hadiz und ihren Eltern wird sie nach der letzten Schulstunde von einem Helfer nach Karlsruhe gefahren. Dort steigen sie am Nachmittag in den Bus, der sie nach Skopje bringen wird.

Vor mehr als zwei Jahren hatte die Familie in Deutschland Asyl beantragt und wurde in Steinegg untergebracht. Die „Pforzheimer Zeitung“ berichtete mehrfach über Searas erste Schritte in der neuen Heimat: den Alltag in der Schule, das Spielen mit Freunden, die schnellen Fortschritte beim Lernen der neuen Sprache. Kein Wunder, dass sie jetzt sagt: „Es ist voll blöd, wenn man seine Freunde verlassen muss.“ Ihre Freundin Leonie kann ihr da nur beipflichten: Der letzte Schultag werde ihr „schlimmster Tag“ werden, erzählt sie traurig.

Die ganze Klasse war betroffen, als sie von Searas bevorstehender Abschiebung erfuhr, erinnert sich Lehrerin Benedetta Buß. „Sie wollten sogar einen Beschwerdebrief ans Amt schreiben“, schildert sie die Stimmung. Sie hat dann mit ihren Schülern über das Thema gesprochen. „Aber das ist in diesem Alter natürlich schwer zu begreifen.“ Seara habe sich über den Rückhalt sehr gefreut, erzählt die Lehrerin weiter. „Sie hat gesagt, sie habe gar nicht gewusst, dass alle sie so mögen.“ Benedetta Buß ist überzeugt, dass Seara gestärkt nach Mazedonien zurückfährt. „Sie ist ein kluges Mädchen und hat hier viel gelernt.“

Allerdings: In Skopje wird es für Seara nicht so einfach sein, weiterhin regelmäßig die Schule zu besuchen. Der Schulbesuch koste Geld, erzählt die Zehnjährige. Früher sei sie deshalb nur sporadisch dort gewesen: Immer, wenn ihre Eltern genügend Geld gespart hatten. Deshalb gibt ihr die Verbandsschule im Biet viele Übungshefte mit – damit kann sie auch zu Hause den Stoff lernen.

Neben ihren Freunden wird Seara auch Nachbarin Uta Grein sehr vermissen. Die Seniorin hat zwei Pferde – Löffi und Sheila – und Seara war in den vergangenen zwei Jahren oft bei ihr. „Meistens bin ich mit Löffi geritten“, erzählt sie strahlend. Auch im Stall hat sie sich zu einer großen Hilfe entwickelt, die gerne mit anpackt. Ausführlich erzählt sie vom Besuch des Hufschmieds, der den Pferden neue Hufeisen anpasste. „Der hat viel geschwätzt“, lacht sie in Erinnerung an den spannenden Nachmittag. „Wir sind sehr traurig, dass Seara gehen muss“, meint Uta Grein bedauernd.

Wie es wohl wird in der alten Heimat? Große Hoffnung hat die Familie nicht. Wie die 29 Jahre alte Mutter Bianza erzählt, werden alle wieder bei der Schwiegermutter wohnen, so wie früher. Sie macht sich Sorgen ums Geld, denn Arbeit gebe es in Mazedonien nicht. „Hier ist es besser für die Kinder“, sagt sie und nennt damit auch den Grund, es in Deutschland zu versuchen – trotz der geringen Aussichten, anerkannt zu werden, seit Mazedonien wie andere Balkanstaaten als sicheres Herkunftsland eingestuft wurde. Das Hab und Gut der Familie ist bereits in einigen Reisetaschen verstaut und steht in einer Zimmerecke.

Seara und Leonie, die beiden Freundinnen, hoffen, dass sie irgendwie in Kontakt bleiben können. „Vielleicht können wir uns ja Briefe schreiben“, sagt Leonie. Aber egal, wie die Mädchen es auch drehen und wenden: Der Abschied am letzten Schultag wird ihnen sehr schwer fallen. Ganz so, wie Seara es gesagt hat: „Es ist voll blöd, wenn man seine Freunde verlassen muss.“