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Volle Konzentration: So sieht es aus, wenn die Erwachsenen des Eisinger Schützenvereins für Wettkämpfe trainieren. 

Treffsicherheit mit Gefühl: Eisinger Schützenverein betreibt instinktives Bogenschießen.

Eisingen. Blitzschnell sausen Pfeile durch die Luft, bevor sie in den großen Strohballen steckenbleiben, die an die Wand gelehnt sind. Auf ihnen sind mehrere Ziele nebeneinander angebracht, etwa Scheiben mit zur Mitte hin schmaler werdenden Kreisen, eine Plastikflasche oder ein orange leuchtender Tischtennisball. Letzterer dürfte am schwersten zu treffen sein.

Dennoch versuchen es die Kinder und Jugendlichen immer wieder. Beim Eisinger Schützenverein trainieren sie das instinktive Bogenschießen – und sind damit nicht allein: Insgesamt mehr als 30 Mitglieder hat die Bogen-Abteilung des Vereins momentan.

Sie schießen ohne Zielvorrichtung, ohne Kimme und Korn. Denn darauf wird beim instinktiven Bogenschießen verzichtet. Klaus de Jongh bezeichnet es als eine „Art Meditation, eine Art Gehirntraining“. Er leitet die Bogen-Abteilung des Eisinger Schützenvereins und betreut zusammen mit Martina Burow, Torsten Kraus und Peter Kreyßel das Kinder- und Jugendtraining.

Frust und Stress des Alltags loslassen

Zwölf junge Leute im Alter von zehn bis 17 Jahren sind momentan dabei und betreiben einen Sport, bei dem sie sich laut de Jongh „richtig konzentrieren müssen“. Und zwar nicht nur auf die Augen-Hand-Koordination, sondern auch auf die Atmung. Das Ergebnis sehen sie sofort.

„Je kleiner das Ziel, desto größer die Konzentration“, sagt de Jongh, der mit den Kollegen den Bewegungsablauf genau kontrolliert. Weil er immer derselbe ist und durch Wiederholung gefestigt wird, dürfen sich Fehler nicht verstetigen.

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Gutes Gedächtnistraining und Spaß: Nachwuchsarbeit wird beim Eisinger Schützenverein groß geschrieben, Sicherheit natürlich auch.

De Jongh hat beobachtet, dass instinktives Bogenschießen für viele Teilnehmer eine gute Gelegenheit ist, den Frust und Stress des Alltags loszulassen. Gleichzeitig bietet es den Jugendlichen laut Trainerin Martina Burow auch eine Form der Gemeinschaft. „Es bedeutet den Jungs viel, sich freitagabends zu treffen.“

Wenn er kann, kommt auch Marlon immer zum Training. Denn dem Zwölfjährigen macht das Bogenschießen großen Spaß. Am Anfang sei es noch ein bisschen anstrengend gewesen, den Bogen richtig zu halten, sagt er. „Aber mit der Zeit ist es mir immer leichter gefallen.“

Meister ihres Fachs

Auch Vijayender Gurung, den alle nur „Raza“ nennen, ist mit Begeisterung dabei. Er trainiert bei den Erwachsenen – und war schon mehrmaliger Landesmeister. Als Kind habe er in seinem Geburtsland Indien oft mit Pfeil und Bogen gespielt, erzählt er: Als er nach Deutschland kam, habe ihn ein Jugendtrainer des Vereins angesprochen, ob er nicht ins Training kommen wolle. „Das hat mir sofort wahnsinnig Spaß gemacht.“

Raza sagt, Bogensport sei gut für die Rückenmuskulatur. „Es hilft mir mental sehr, ruhig zu sein, damit ich mich selbst finden kann.“ Raza gehört zur Leistungsgruppe des Vereins. Momentan bereitet sie sich auf die 18-Meter-Hallenmeisterschaften vor, die im November beginnen.

Die Eisinger Schützen nehmen regelmäßig an Wettkämpfen teil. Von den Erfolgen zeugen Urkunden, die an der Wand des Vereinsheims hängen. Unter anderem hat der Verein Landesmeister Gold in Feld und 3D hervorgebracht, Landesmeister im Freien über 50 Meter und im Feldbogen, Landes-Vizemeister Halle über 18 Meter und in 3D.

„Wir sind zufrieden mit dem Erreichten“, sagt Trainer Michael Limburger, der selbst seit vier Jahren Badischer Vizemeister im 3D-Bogen ist. Er betont, man setze niemanden unter Druck, an Wettkämpfen teilzunehmen – auch, wenn er noch so gut ist.