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Jetzt rauschen die Daten  rasant durchs Heimsheimer Internet. Die Telekom bietet ihren Kunden DSL-Hochgeschwindigkeitszugänge mit bis zu 16 000 Kilobit an.
Jetzt rauschen die Daten rasant durchs Heimsheimer Internet. Die Telekom bietet ihren Kunden DSL-Hochgeschwindigkeitszugänge mit bis zu 16 000 Kilobit an. © Schierenbeck, dpa
15.05.2009

Turbolader fürs Internet

HEIMSHEIM. In weiten Teilen Heimsheims konnten Internetnutzer bisher jedes Bit einzeln begrüßen – so langsam flossen die Daten. Jetzt fliegen die Bits durchs Netz. Die Telekom hat die Datenautobahn in die Schleglerstadt gebracht.

Als die Telekom gestern in ihren Schaltschränken das Heimsheimer Telefonnetz für die schnellen Internetanschlüsse freigab, endete ein vierjähriges Ringen um das rasante Netz. „Ich war 2005 keine 14 Tage im Amt, da forderten mich Einwohner auf, für ein besseres Datennetz zu sorgen“, sagte Bürgermeister Uwe Rupp. Sein Bruder arbeitet bei der Telekom, Kontakte mit dem Breitbandanbieter waren rasch hergestellt – doch so einfach fiel es der Kommune nicht, eine Datenautobahn zu bekommen.

„Rechtsaufsicht hob den Finger“

Eine erste Umfrage zeigte dem Rathauschef, aber auch der Telekom, dass Handlungsbedarf bestand. Der Gemeinderat war denn auch bereit, der Telekom Geld zu geben, sollte die vereinbarte Zahl an neuen T-DSL-Kunden nicht erreicht werden. „Doch dann hob die Rechtsaufsicht drohend den Finger“, so Rupp – europäisches Recht lässt solche Subventionen ohne Ausschreibung, an der sich auch andere Netzanbieter beteiligen, nicht zu.

Auch ein Hinweis des Ministeriums für ländlichen Raum in Stuttgart, den Heimsheimer Weg noch zu tolerieren, weil die Verhandlungen noch vor den Beschlüssen der Europäischen Union begonnen worden waren, war dem Schultes zu vage. Rupp und die Telekom fanden freilich einen Ausweg aus der gesetzlichen Zwickmühle.

Eine weitere Umfrage zeigte erneut, dass die Heimsheimer nach dem schnellen Internet geradezu lechzen. Schließlich rang sich die Telekom dazu durch, auch ohne finanzielle Beteiligung der Schleglerstadt die Datenautobahn vom Hauptverteiler in Weil der Stadts Ortsteil Merklingen bis Heimsheim auszubauen. „Außerhalb des Ballungsraums Stuttgart ist Heimsheim die erste Gemeinde, die wir mit hochmodernen Schaltkästen für Breitbandanschlüsse versorgen“, sagte Telekom-Vertreter Robert Bredebusch. In den vergangenen Wochen machten die „Magentafarbenen Maulwürfe der Telekom“ (Uwe Rupp) Nägel mit Köpfen. Termingerecht zum 15. Mai wurden die Telefonanschlüsse in den Schaltkästen mit den Einschüben für die schnelle Internettechnik gekoppelt. „Manche Kunden mussten kurzzeitig Beeinträchtigungen hinnehmen“, sagte Telekom-Projektleiter Jürgen Scheible.

Für die Internetnutzer beginnt jetzt ein neues Zeitalter. Sie können bei der Telekom oder bei anderen Anbietern Pakete mit Netzanschlüssen bis maximal 16 000 Kilobit bestellen. Dass die Nachfrage groß ist, sahen die Mitarbeiter der Telekom schon bei der Einweihungsfeier am Flachter Pfad, wo symbolisch ein Schaltkasten umgestellt wurde. Aus den Nachbargebäuden kamen Kunden zur Telekom, um das schnelle Internet zu bestellen.

„Wir haben viel Geld für die neue Technik ausgegeben“, sagte Scheible, „die neun notwendigen Schaltgeräte kosten annähernd 200 000 Euro.“ Die Telekom rechnet aber damit, dass die Kalkulation aufgeht. Wer telefonieren, im Web surfen und auch noch via Internet fernsehen will, wird eines Tages jedoch noch schnellere Datenleitungen verlangen.