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Stresstest: PZ-Redakteur Alexander Heilemann bei der Herzdruckmassage. Die Profis Sandra Wieder und Sarah Schad (von links) greifen da schon ein. Foto: Tilo Keller
Stresstest: PZ-Redakteur Alexander Heilemann bei der Herzdruckmassage. Die Profis Sandra Wieder und Sarah Schad (von links) greifen da schon ein. Foto: Tilo Keller
Patient „3201“: Ärzte erleben in Vaihingen Grenzen der Apparatemedizin. Foto: Tilo Keller
Patient „3201“: Ärzte erleben in Vaihingen Grenzen der Apparatemedizin. Foto: Tilo Keller
Vorübung für eine minimalinvasive Operation: Die OP-Instrumente sind knifflig. Foto: Tilo Keller
Vorübung für eine minimalinvasive Operation: Die OP-Instrumente sind knifflig. Foto: Tilo Keller
Realistisches Training: Die Simulationspuppen, die RKH-Geschäftsführer Jörg Martin und Zemtrumsleiter Stefan Weiß (rechts) zeigen, atmen, sprechen, bluten. Foto: Tilo Keller
Realistisches Training: Die Simulationspuppen, die RKH-Geschäftsführer Jörg Martin und Zemtrumsleiter Stefan Weiß (rechts) zeigen, atmen, sprechen, bluten. Foto: Tilo Keller
25.05.2017

Üben auf Leben und Tod im Simulationszentrum der Regionalen Kliniken Holding

Vaihingen/Enz. Vögel zwitschern, eine Fontäne plätschert in dem kleinen See im Stadtpark. Doch die Idylle ist mit einem Schlag vorbei, als die Spaziergängergruppe einen leblosen Mann auf dem Weg entdeckt. Er liegt einfach da, reagiert weder auf Zurufe, noch auf Berührungen. Ist da ein Puls? Nichts zu spüren. Genauso wenig wie Atem. Das Trio öffnet die Jacke des Mannes, doch auch auf der bloßen Haut ist kein Herzschlag zu fühlen. Der Bewusstlose wird bläulich im Gesicht. Es ist klar: Es muss sofort etwas getan werden. Nur was?

Der letzte Erste-Hilfe-Kurs liegt lange zurück. Zum Glück ist ein Telefon dabei, das funktioniert. Der Anruf bei der Rettungsleitstelle bringt Sicherheit. Der Disponent alarmiert den Notarzt und weist die Helfer ein. Jetzt sitzen die Handgriffe. Der Kopf des Bewusstlosen wird überstreckt, eine Herzdruckmassage begonnen. Minutenlang zählen und drücken. Dann die erlösende Sirene. Sarah Schad und Sandra Wieder eilen vom Notarztwagen zu der Gruppe und übernehmen. Der Mann überlebt.

Krise ohne Vorwarnung

Die Ersthelfer – in diesem Fall sind das drei Journalisten, die von Dr. Stefan Weiß in die Simulation eines Notfalls geschickt worden sind. Obwohl sie das wissen und das neue medizinische Trainingszentrum der Regionalen Kliniken Holding in Vaihingen (die PZ berichtete) zuvor erklärt bekommen haben, steht das Trio gewaltig unter Adrenalin. Das Opfer ist in diesem Fall eine Simulationspuppe, aber eine, die sich anfühlt wie ein echter Mensch. Blitzschnell nimmt man die Situation nicht mehr als Übung war. Man muss ohne Vorwarnung auf den Notfall reagieren. Erst hinterher geht Dr. Weiß, der Ärztliche Leiter des Zentrums, mit einem durch, was richtig und was falsch gelaufen ist.

Was er hier für Laien demons-triert, kann in Vaihingen für alle möglichen Szenarien durchgespielt werden. Besatzungen von Rettungswagen können ihre Einsätze üben. Die Trainer können sie in Situationen versetzen, die sie an Grenzen führt. Wie die künstlichen Patienten reagieren, das steuern die Leiter der Übung. Projektoren versetzen die Teams in realistische Umgebungen, ein Tonsystem schafft eine lebens-echte Geräuschkulisse.

Training für den Ernstfall

Ärzte können so am Operationstisch Krisen erleben. In einem alten OP-Saal des früheren Vaihinger Krankenhauses, das die RKH im vergangenen Jahr geschlossen hat, liegt eine Puppe, der bei einem angenommenen Motorradunfall ein Bein abgerissen wurde. Unter dem Behandlungstisch sammelt sich eine Lache aus Kunstblut. Doch der Mediziner muss ganz real Entscheidungen treffen und handeln, um den Patienten zu retten. Am anderen Ende des Gebäudes ist eine Intensivstation nachempfunden. Der Kranke dort trägt den Maschinennamen „3201“. Er ist intubiert und wird künstlich beatmet. In seine Nase führt der Schlauch einer Magensonde. Ein Monitor zeigt beispielsweise Herzfrequenz und den Anteil an Sauerstoff im Blut. Apparatemedizin. Im Steuerungsraum hinter einer verspiegelten Scheibe kann der Trainer dem Arzt die Sicherheit der Technik nehmen und ihn zum Beispiel mit einer Störung der Narkose konfrontieren.

Üben, üben, üben. Darum dreht sich alles in diesem Zen-trum. Nicht nur für Ärzte und Pfleger der Regionalen Kliniken Holding, zu der auch die Krankenhäuser in Mühlacker und Neuenbürg gehören. Im benachbarten OP hat man das Modell eines menschlichen Bauchs vor sich – und zwei Instrumente, die wie lange Sonden aussehen, an denen man mit Scherengriffen kleine Werkzeuge bewegen kann. Auf dem Bildschirm wird kurz eingespielt, wie ein echter Arzt mit diesen Geräten im Bauch eines Menschen arbeitet, dem ein Stück Darm entfernt werden muss – ohne dass dafür der Bauch ganz aufgeschnitten werden muss. Wie kompliziert das ist, kann man mit Übungsaufgaben nachempfinden. Einer Journalistenkollegin schnalzt ein Übungsobjekt aus ihrem Instrument. „O Gott“, sagt sie erschrocken: „Das würde dem jetzt irgendwo im Bauch herumliegen.“