nach oben
Als Abschluss des närrischen Treibens zeigten sich der Schömberger Bürgermeister Matthias Leyn (mit Ringelmütze) und die Hexen von ihrer sportlichen Seite. Gemeinsam formten sie eine Pyramide vor dem Eingang des Rathauses. Eitel
Schnipp, schnapp: Der kleine Maxim, vorn mit blauer Kappe, geht Bürgermeister Bochinger nicht an die Gurgel – aber an die Krawatte. Gegenheimer
Der Rathausschlüssel ist in Narrenhand: Bürgermeister-Stellvertreter Klaus Steigerwald (rechts) und Ortsvorsteherin Heike Christmann waren machtlos. Weber
23.02.2017

Überall in der Region haben die Narren die Herrschaft übernommen

Den Ersinger Hexen sind die Klagelaute der Schulkinder nicht entgangen. „Helft uns, helft uns“, riefen die Kinder, „unsere Lehrer wollen, das wir bis einschließlich Freitag zur Schule gehen und erst dann in die Ferien dürfen.“

Bildergalerie: Rathaussturm in Neuhausen

Die Hexen erbarmten sich und stürmten am Donnerstag in riesigen Scharen den Kirchberg hinauf. Dort vereinigten sie sich mit den Fastnachtern der Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“. Die große Fastnachtskapelle des Musikvereins spielte zum dramatischen Geschehen. Das erreichte seinen ersten Höhepunkt, als die Hexen mit der Jagd auf die Lehrer begannen. Angesichts der gewaltigen Überzahl und ihrer grimmigen Entschlossenheit fügte sich Schulleiterin Liane Schürfeld in das Unausweichliche. Über die Schulsprechanlage forderte sie alle Kollegen auf, sich kampflos zu ergeben. Gefesselt wurde das Kollegium auf den Pausenhof geführt. Dort stand schon ein Thron bereit, neu gestaltet von Hausmeister Peter Fantz, als würdige Sitzgelegenheit für die neuen Herrscher der Schule bis Aschermittwoch: An das Kinderprinzenpaar Kevin IV. (Haller) und Ida I. (Lutzweiler) übergab Rektorin Schürfeld die Schulhausschlüssel. Im Tausch gegen ein ordentliches Vesper mit Butterbrezeln und Limo wurden die Lehrer wieder freigelassen. Bis Aschermittwoch (und ferienbedingt noch etwas darüber hinaus) bleibt die Ersinger Kirchbergschule nun geschlossen.

Bildergalerie: Schulhausstürmung in Ersingen

Auch im Jahr ihres 33-jährigen Zunftjubiläums mussten die „Ittersbacher Hexen“, „Jaköblen“ und „Stöckmädlen“ absolute Ebbe in der Gemeindekasse registrieren. Grund genug, Bürgermeisterstellvertreter Klaus Steigerwald für den verhinderten Jens Timm und Ortsvorsteherin Heike Christmann unter großem Beifall des närrischen Volkes in den bereitstehenden Zunftkäfig zu sperren. In der Gemeindekasse waren zur Freude der vielen Kinder wenigstens noch einige Schokoladentaler übrig. „Die beiden Inhaftierten sollen nunmehr bis Aschermittwoch bei Wasser und Brot im Narrengefängnis büßen“, wie Zunftmeisterin Sylvia Martin verkündete. Mit dem Hexentanz ums große Feuer unter den Klängen der „Guggugs-Gugga“ wurde der erfolgreiche Rathaussturm im Ortszentrum gefeiert.

Auch im Schömberger Rathaus ging es am Donnerstag närrisch zu. Als Einstimmung spielte die Hexenmusik aus Dillweißenstein fröhliche Guggenmusik, bevor das Rathaus gestürmt und Bürgermeister Matthias Leyn in Ketten gelegt wurde. Mit der Bitte „Treibt´s nicht zu bunt, ab nächsten Donnerstag geht´s wieder rund“, ergab sich der Bürgermeister und überreichte den Schömberger Eulenlochhexen schließlich den Schlüssel zum Rathaus. Seine Krawatte wurde dennoch gnadenlos abgeschnitten. Vor der versammelten Narrenschar las Zunftmeister Helmut Lülf den Levitenzettel vor und scherzte dabei unter anderem über die Windkraftdebatte. Leyn lud zu Speis und Trank im Foyer des Rathauses ein.

In Remchingen musste das Narrentribunal der Spaßvögel in der Kulturhalle erwartungsgemäß nicht lange beratschlagen, um zu dem Schluss zu kommen, dass Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon in allen Anklagepunkten schuldig ist. „Dem Schultes wird die Macht genommen und er muss sich anstrengen, will er sie wieder bekommen“, verkündete Spaßvögel-Präsidentin Sarah Sebastian nach rund zwanzigminütiger Verhandlung den Richterspruch. Seine Amtskette musste der Schultes gegen eine Narrenkappe tauschen – aber nicht als Strafe: „Er soll stolz mit ihr auf die Straßen gehen.“ Um mit den Narren gut Wetter zu machen, wurde der Rathauschef dazu verurteilt, das Gewicht eines Narren mit Sekt „und anderm Leckern“ aufzuwiegen. Nachdem er sich kurz verteidigt hatte, gab Prayon unumwunden zu: „Ich bin und bleib ein großer Sünder.“ Die Anklage vertrat das Prinzenpaar Lisa Folz und Sascha Steinbrich zusammen mit den Kinderprinzessinnen Hanna und Paula.

Die Honigschlecker haben bis Aschermittwoch das Regiment im Weilermer Rathaus übernommen. Den symbolischen Rathausschlüssel sowie Bürgermeister Steffen Bochingers Krawatte inclusive. Die durfte der kleine Maxim abschneiden, der Hexen, Lila-weiße und Rot-weiße Funken beim Sturm auf das Rathaus unterstützte. Musikalisch begleitet von der „Guggemusik Bääreglopfa“ aus Dietenhausen, hatte sich Elferratspräsidentin Sandra Becker noch einen ordentlichen verbalen Schlagabtausch mit dem Bürgermeister geliefert.

Obwohl flankiert von Kämmerer Frank Kern mit der Armbrust und Bauamtsleiter Michael Mühlen mit Gewehr, konnte der Schultes die „wilde Meute“ nicht aufhalten. Ohne Schlips und Schlüssel und an der Leine der Hexen, schloss Bochinger schließlich Frieden mit dem närrischen Volk, und nach einem dreifachen „Honigschlecker“ wurden alle zum Umtrunk eingeladen.

Bei kräftigem Wind stürmten der Narrenbund Schellau und der Fastnachtsverein Hau-Hu das Neuhausener Rathaus und entmachteten Bürgermeister Oliver Korz. „Damit er nicht mehr so viel Blödsinn verzapft wie in den letzten Tagen“, so Raymond Kristof, der durch das Programm auf dem Rathausplatz führte. Dort übergab Korz bei Stimmungsmusik und schunkelnden Narren den Rathausschlüssel. „Die Übermacht der Narren all zu groß, flugs geht da jede Gegenwehr in die Hos´. Drum – so stark und selbstlos wie ich bin, geb´ ich meinen Schlüssel hin.“ Nun regieren über die närrischen Tage die beiden Fastnachtsvereine in Neuhausen.