nach oben
Im Zuge der Ermittlungen wurde der Goldhandel eines Angeklagten in Pforzheim geschlossen. pz-archiv
Im Zuge der Ermittlungen wurde der Goldhandel eines Angeklagten in Pforzheim geschlossen. pz-archiv
09.08.2017

Überraschung im Goldraub-Prozess - Schaden ist deutlich höher

Enzkreis/Pforzheim. Mit einem Knalleffekt hat der sechste Prozesstag gegen vier Männer wegen schweren Bandendiebstahls begonnen: Statt der erwarteten Plädoyers erschien der älteste Angeklagte (49) in Begleitung mehrerer großer, kräftiger Kriminalbeamter: Staatsanwalt Bernhard Ebinger hatte ihn zum zweiten Mal verhaften lassen.

Bei Nachermittlungen in den Geschäftsräumen des selbstständigen Mannes, der eine goldverarbeitende Firma betreibt, waren Goldbäder im Wert von rund 600.000 Euro festgestellt worden, die zweifelsfrei aus der bestohlenen Firma stammen. Das hatte ein unabhängiger Sachverständiger festgestellt. Der 49-Jährige, der, wie seine Mitangeklagten, nach einem Geständnis aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, sollte noch am Mittwoch dem Haftrichter vorgeführt werden.

Der Schaden, der der Firma entstanden ist, erhöht sich damit gewaltig. Bisher war die Staatsanwaltschaft von einem Schaden von 670.000 Euro ausgegangen. Die Angeklagten hatten gestanden, Goldbäder und Stanzabfälle im Wert von etwa 30.000 Euro gestohlen zu haben. Die Firma geht von mehr als vier Millionen aus.

Einer der Verteidiger des jetzt erneut festgenommenen Geschäftsmannes, Professor Ulrich Sommer, erklärte, es sei „nicht haltbar“, die entdeckten 120 Liter Flüssigkeiten auf die enthaltene Goldmenge hochzurechnen. Der festgenommene Angeklagte sollte am Mittwoch noch dem Haftrichter vorgeführt werden. Ebinger hatte beantragt, das Verfahren gegen ihn abzutrennen. Dazu sah sich die Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichtes Karlsruhe, Außenstelle Pforzheim, unter Vorsitz von Richter Andreas Heidrich, im Augenblick nicht imstande.

Nach einer Unterbrechung wurde noch ein Beamter der Kriminalpolizei als Zeuge gehört, der damals die Vermögensverhältnisse der Angeklagten überprüft und auch Durchsuchungen in deren Wohnungen durchgeführt hatte. In den Hosentaschen des jetzt Verhafteten wurden dicke Geldbündel gefunden, berichtete er: 71 an der Zahl von jeweils 100 Euro, in der anderen Tasche weitere 400 Euro. Im Tresor fanden sich knapp 4400 Euro, Schmuck, Uhren und Münzen im Wert von etwa 25.000 Euro. Unter dem Schreibtisch hinter Plastiktüten waren fünf Geldbündel zu je 50.000 Euro verborgen. Insgesamt hatten die Beamten Bargeld in Höhe von 290.557 Euro entdeckt. Hinzu kamen mehrere Autos, ein Motorrad Marke Harley Davidson, 13 Autos mit Kennzeichen, die nur vier Tage gelten, über deren Verbleib nichts bekannt ist. Auch wo ein teurer Lamborghini abgeblieben ist, ist unbekannt.

Einer der Angeklagten (42), der bei der bestohlenen Firma beschäftigt war, besitzt drei Wohnungen in Pforzheim, die jedoch alle noch nicht bezahlt sind. Mitbesitzer sind seine Ehefrau und sein ebenfalls angeklagter Bruder (35).

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 23. August, um 9 Uhr fortgesetzt.