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Die ersten beiden Abschnitte der Ortsteilverbindungsstraße sind schon fertig. Künftig soll der dritte Abschnitt an der Lailling- straße in Nöttingen zunächst an den zweiten Teil anknüpfen und dann nach einer scharfen Kurve in einem Kreisverkehr an der Kreisstraße nach Auerbach enden. pz-archiv
Die ersten beiden Abschnitte der Ortsteilverbindungsstraße sind schon fertig. Künftig soll der dritte Abschnitt an der Lailling- straße in Nöttingen zunächst an den zweiten Teil anknüpfen und dann nach einer scharfen Kurve in einem Kreisverkehr an der Kreisstraße nach Auerbach enden. pz-archiv
23.05.2017

Umgehungsstraße bringt nicht nur Ruhe

Trasse um Nöttingen herum stößt bei Bürgern und Räten auch auf Kritik. Lärmschutz, Wirkung auf Einzelhandel und Flächen- verbrauch im Fokus.

Im Remchinger Rat herrscht selten Uneinigkeit (siehe „Aus dem Ratssaal“). Kein Thema polarisiert das Gremium in den vergangenen Monaten jedoch so sehr, wie die als Ortsteilverbindungsstraße getarnte Umgehung bei Nöttingen. CDU und SPD gegen Grüne, die Fraktionen der Freien Wähler und Sozialdemokraten uneins. Wie stark der fast ein Kilometer lange dritte Abschnitt der Trasse speziell die Gemüter der Nöttinger erhitzt, ist allein schon an der Zahl der privaten Einwendungen festzumachen.

Die arbeitete Petra Schippalies vom gleichnamigen Planungsbüro zunächst Schritt für Schritt mit dem Gemeinderat ab. Der Nutzen der Ortsteilverbindungsstraße wurde kritisiert, wie auch ein unverhältnismäßiger Flächenverbrauch. Steigende Lärmbelastung und fehlende Schutzmaßnahmen diesbezüglich wurden ebenfalls moniert. Auch ein drohender Umsatzrückgang des Einzelhandels in der Karlsbader Straße durch den dann befürchteten fehlenden Durchgangsverkehr wurde befürchtet.

Schippalies schätzte diese sowie auch behördliche Einwendungen als „bewältigbar“ ein. Der dritte Abschnitt der Trasse (siehe Foto) bringe eine gefühlt zügigere Verkehrsqualität. Für den Bau würden nicht, wie oft behauptet, zehn Hektar verbaut, sondern nur die Hälfte. Und die Lärmbelastung sinke durch die Umgehung spürbar, während in der Nähe der geplanten Straße nur eine geringe Zunahme an Lärm zu befürchten sei. Hier sollten Schutzwälle und Wände ihren Dienst tun. Bezüglich des Durchgangsverkehrs konnte Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon aktuelle Zahlen liefern: Von Dietenhausen kommend seien 64 Prozent des Verkehrs auf der Durchreise, von Wilferdingen kommend 45 Prozent. Die Ortsteilverbindungsstraße bewirke an der Karlsbader Straße eine bessere Anfahrbarkeit, so Schippalies. Veränderungen für den Einzelhandel wollte sie jedoch nicht grundsätzlich ausschließen.

Wie auch schon bei der Vorstellung des Projekts im vergangenen Oktober entbrannte im Rat eine Diskussion, in der nur die CDU geschlossen auftrat. Diese stehe hinter dem Projekt, so Fraktionssprecher Dieter Walch. Der appellierte an die Solidarität der Nöttinger. Die Anrainer der Umgehung sollten eine kleine Erhöhung der Schallbelastung für die lärmgeplagten Anwohner der Karlsbader Straße hinnehmen. Theo Müller (FWV) signalisierte aus den Reihen der Freien Wähler drei von vier Unterstützern.

Antje Hill (SPD) bezeichnete das Projekt als Gewinn für Nöttingen. Bedenken gebe es lediglich bezüglich der Auswirkungen auf den Einzelhandel. Bei den Sozialdemokraten enthielt sich Andreas Beier der späteren Abstimmung. Seine Fraktionskollegin Ursula Bodemer bezeichnete die Umgehung dagegen als Segen, ohne die Umfahrung gebe es keine Lebensqualität im Ortskern. Sie halte es für „menschenverachtend“, in Zahlen zu schwelgen, anstatt die Sicherheit für die Kinder an der Karlsbader Straße zu berücksichtigen.

Klaus Fingerhut (Grüne) hatte zuvor Zahlen für den Durchgangsverkehr verlangt und sich ebenso wie sein Kollege Till Siegenthaler gegen den dritten Abschnitt der Straße ausgesprochen. Letzterer verlangte andere Konzepte für die Karlsbader Straße: etwa Tempo 30. Die Gelder für die Straße sollten in die Sanierung der Ortsdurchfahrt fließen. Fingerhut bremste Dieter Walch in seiner Freude über einen Zuschuss von rund 2,5 Millionen Euro. Dieser sei noch nicht bewilligt. Prayon bezeichnete dies als Formsache.

Bei der anschließenden Abstimmung gab es 17 Stimmen unter anderem für einen erneuten Aufstellungsbeschluss und die Billigung eines Entwurfs für den dritten Abschnitt. Drei Räte enthielten sich, einer stimmte dagegen.