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Das ging gerade noch einmal gut. Ein Anhänger (hinten rechts) hatte sich auf der L1134 zwischen Wiernsheim und Pinache vom Zugfahrzeug gelöst, war dann gegen ein Polizeiauto geprallt und übers Autodach abgerollt.  © Polizei
14.12.2017

Umgestürzte Bäume, Blitzeis und ein Anhänger, der über ein Polizeiauto fliegt

Pforzheim/Enzkreis/Calw/Bruchsal. Orkanartige Böen mit Blitzen und Starkregen haben in Pforzheim umd im Enzkreis sowie in weiteren Teilen Baden-Württembergs für umgestürzte Bäume und Behinderungen im Berufsverkehr gesorgt. Ab 4.50 Uhr wurden in der Region um Pforzheim die ersten Menschen wach, als heftige Winde Regenmassen gegen die Fenster schlugen. Das war dann auch das Startsignal für die Integrierte Leitstelle: Bis 8 Uhr wurden über 20 Einsätze koordiniert.

Spektakulär und mit Glück für die Beteiligten verlief dabei ein Verkehrsunfall auf der L1134 zwischen Wiernsheim und Pinache im östlichen Enzkreis. Hier wurde um 8.50 Uhr einer Autofahrerin der 750-kg-Anhänger mit Planenaufbau komplett von der Kupplung gerissen und vollständig von der Straße abgehoben. Er krachte frontal in einen entgegenkommenden Streifenwagen des Polizeireviers Mühlacker und wurde über das Dach des Dienstfahrzeuges abgerollt. Der Schaden am Wagen beläuft sich auf rund 20.000 Euro. Er musste abgeschleppt werden. Die Beamten blieben unverletzt.

Im Bereich des Polizeipräsidiums Karlsruhe zählten die Beamten bis zum Mittag rund 80 sturmbedingte Einsätze. Besonders betroffen waren der Raum Pforzheim und der Enzkreis sowie der Stadt- und Landkreis Karlsruhe insbesondere durch umgestürzte Bäume, welche die Fahrbahnen blockierten. In Grötzingen fiel ein größerer Baum auf ein Haus, der mit einem Kranwagen der Berufsfeuerwehr entfernt wurde. Gleich mehrere umgestürzte Bäume verzeichnete das Polizeirevier Mühlacker. Diese mussten sowohl im Bereich Lienzingen, auf der B10 zwischen Mühlacker und Illingen, in Mühlhausen und Heimsheim mit Hilfe der Feuerwehr von den Straßen gezogen werden. In Schützingen und Enzberg verursachten zwei weggewehte Trampoline Sachschaden.

Weitere Gefahren entstanden durch umgestürzte Baugerüste, Mülleimer oder herabfallende Ziegel. Bei insgesamt neun Vorkommnissen, bei denen durch herabstürzende Ziegel und Äste Fahrzeuge beschädigt wurden, liegt der gemeldet Sachschaden bei rund 70.000 Euro. In der Karlsruher Lauterbergstraße fielen Dachziegel sowie poröse Schornsteinteile von zwei Wohnhäusern, sodass zwei parkende Autos und Scheiben beschädigt wurden. Alleine in Pforzheim wurden Sturmschäden von über 50.000 Euro registriert. Auch hier fielen Äste und Ziegel und in der Sponheimstraße gleich ein ganzer Baum auf geparkte Fahrzeuge. Im Bereich des Industriegebietes Buchbusch wurde ein Lkw durch den orkanartigen Wind umgeworfen und Teile einer Tankstellenabdeckung abgerissen.

In Ölbronn fuhr ein Auto gegen einen umgestürzten Baum und ein daraufhin wendender Wagen rutschte in den Graben, so dass ein Sachschaden von rund 15.000 Euro zu beklagen war. Im Bereich Bretten-Rinklingen löste sich ein Stromversorgungskabel und lag teilweise auf der Fahrbahn. Spektakulär und mit Glück für die Beteiligten verlief dabei ein Verkehrsunfall auf der L1134 zwischen Wiernsheim und Pinache im östlichen Enzkreis. Hier wurde gegen 8.50 Uhr einer Autofahrerin der 750-kg-Anhänger mit Planenaufbau komplett von der Kupplung gerissen und vollständig von der Straße abgehoben. Er krachte frontal in einen entgegenkommenden Streifenwagen des Polizeireviers Mühlacker und wurde über das Dach des Dienstfahrzeuges abgerollt. Der Schaden am Wagen beläuft sich auf rund 20.000 Euro. Er musste abgeschleppt werden. Die Beamten blieben unverletzt.

Ähnliches vermeldet die Feuerwehr Pforzheim. Um 5.10 Uhr ging der erste wetterbedingte Alarm ein. Danach ging es dann munter weiter. Ein Viertel der Alarme betraf das Stadtgebiet Pforzheim, der Rest verteilte sich auf den Enzkreis. Wichtigstes Utensil war nicht der Löschschlauch, sondern die Motorsäge. Umgestürzte Bäume, die der Wind aus dem aufgeweichten Boden hob, waren der Schwerpunkt der Einsätze. Wassereinbrüche in Keller oder Dächer im großen Stil blieben aus. Im Öschelbronner Gewerbegebiet Ziegelbaum haben die heftigen Böen das Gerüst am im Bau befindlichen Netto-Markt teilweise losgerissen und verbogen.

Am Donnerstagmorgen ereigneten sich etwa ab 7.40 Uhr im Zuständigkeitsbereich des Polizeireviers Calw innerhalb weniger Minuten zehn Verkehrsunfälle. Durch einsetzendes Blitzeis wurden die Fahrbahnen spiegelglatt. Die meisten Unfälle ereigneten sich im Bereich Station Teinach, Martinsmoos und Holzbronn. Mehrere Fahrzeuge rutschten aufgrund der Glätte in die Leitplanken. Ein Verkehrsteilnehmer zog sich schwere Verletzungen zu. An den Fahrzeugen entstand teilweise erheblicher Sachschaden, so dass mehrere Fahrzeuge abgeschleppt werden mussten. Mit dem Einsatz der Streudienste waren die Straßen nach kur-zer Zeit wieder ohne Behinderungen befahrbar.

Auch in Bruchsal hat das Wetter den Rettungskräften zahlreiche Einsätze beschert. Mehrere Dutzend umgestürzte Bäume, beschädigte Fahrzeuge, Gartenhütten, beschädigte Dächer, blockierte Straßen und Radwege sind die Bilanz der Feuerwehr Bruchsal. Beispielsweise blockierten gleich mehrere umgestürzte Tannen die Fahrbahn bei Untergrombach. Die Straße von Obergrombach nach Helmsheim war sogar bis 10 Uhr aufgrund der Einsatzlagen für den Verkehr komplett gesperrt.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte um kurz nach 8 Uhr eine Unwetterwarnung wegen schwerer Gewitter und orkanartigen Böen im Land zurückgenommen. In den Stunden zuvor war es vor allem in den Regierungsbezirken Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen aufgrund von starken Orkanböen, Regen und Blitzeinschlägen riskant gewesen. Ein Sprecher der Bahn sagte, es habe zunächst nur minimale Behinderungen im Bahnverkehr gegeben. Die Strecke zwischen Winnenden und Backnang wurde unterbrochen, da ein Baum auf eine Oberleitung gestürzt war. Die Reisenden wurden mit Bussen gefahren.

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