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Sechs Meter lang, etwa 1,50 Meter hoch: Einer der Aushub-Hügel, die illegal im Naturschutzgebiet Hägenach bei Gräfenhausen abgeladen wurden. Förster Maximilian Rapp untersucht das Material. Foto: Bernhagen
Sechs Meter lang, etwa 1,50 Meter hoch: Einer der Aushub-Hügel, die illegal im Naturschutzgebiet Hägenach bei Gräfenhausen abgeladen wurden. Förster Maximilian Rapp untersucht das Material. Foto: Bernhagen
„Das stand gestern noch nicht da“, ärgert sich Rapp bei der Rundfahrt mit der PZ über den Hausmüll an der Straße nach Neuenbürg. Foto: Bernhagen
„Das stand gestern noch nicht da“, ärgert sich Rapp bei der Rundfahrt mit der PZ über den Hausmüll an der Straße nach Neuenbürg. Foto: Bernhagen
Ob eine Klobrille wie hier oder ein Dreirad: „Im Wald findet man inzwischen alles“, sagt Rapp. Foto: Bernhagen
Ob eine Klobrille wie hier oder ein Dreirad: „Im Wald findet man inzwischen alles“, sagt Rapp. Foto: Bernhagen
Ab über die Leitplanke: Rapp zeigt die fünf Müllsäcke unterhalb der Straße nach Neuenbürg. Foto: Bernhagen
Ab über die Leitplanke: Rapp zeigt die fünf Müllsäcke unterhalb der Straße nach Neuenbürg. Foto: Bernhagen
07.12.2018

Umweltsünder machen Natur zur Müllkippe: Möbel und Hausmüll landen im Birkenfelder Wald

Birkenfeld/Enzkreis. Müllabfuhr, Recyclinghöfe, Altkleidercontainer, Erddeponien – eigentlich verfügt die Region über ein funktionierendes Entsorgungssystem. Und trotzdem: „Wilde Müllablagerungen nehmen zu“, sagt Axel Frey, Umweltamtsleiter des Enzkreises. Das Problem erstrecke sich „auf die ganze Region, das ganze Jahr über“.

In Hecken, im Wald, auf Wiesen, an Wegen, Straßen und sogar in Gewässern landen Müll, Möbel oder Bauschutt. Vielfach müssen sich dann die örtlichen Bauhöfe um die Entsorgung kümmern. Die Kosten bleiben an der Allgemeinheit hängen. Im vergangenen Jahr berichtete die PZ unter anderem von Fällen in Maulbronn, Ölbronn-Dürrn, Mühlacker, Knittlingen, Birkenfeld, aber auch Pforzheim. Die krassen Fälle im Enzkreis landen auf Freys Schreibtisch – etwa wenn das Grundwasser durch weggeworfene Ölkanister gefährdet ist. „Solche Sachen bringen wir zur Anzeige“, sagt Frey. Gerade beschäftigt sich das Umweltamt mit Bohrschlamm, der auf Feldern bei Birkenfeld entsorgt wurde (siehe Kasten).

Auch Birkenfelds Förster Maximilian Rapp schlägt Alarm, zumal sich in der Gemeinde derartige Fälle gerade häufen. So wurden im Wald zwischen Gräfenhausen und Keltern im Herbst – mitten im Naturschutzgebiet Hägenach – zwei bis drei Anhänger voll Erdaushub mit Beton- und Fliesenresten illegal abgekippt. „Wahrscheinlich Material aus einer Baugrube“, sagt Rapp, der die Menge der zwei Haufen auf 20 bis 30 Kubikmeter schätzt und vermutet, dass sich der Verursacher vor Ort ausgekannt hat: „Wir versuchen weiter, ihn ausfindig zu machen.“ Gelinge dies nicht, bleibt die Gemeinde auf den Entsorgungskosten sitzen. Denn klar sei, so Rapp: „Das Zeug muss weg.“ Nach dem Abfallgesetz und dem Naturschutzgesetz drohen für solche Vergehen in einem Naturschutzgebiet Strafen von bis zu 10 000 Euro, sagt Rapp.

Aber nicht nur Erdaushub landet illegal im Wald, sondern auch Sperrmüll, Hausmüll oder sogar Altkleider. „Das kommt praktisch wöchentlich vor“, sagt Rapp und ärgert sich über diesen „mangelnden Respekt vor der Natur.“ Viele hätten offensichtlich die Haltung: „Irgendjemand wird sich schon drum kümmern.“

Bei einer kleinen Rundfahrt mit der PZ muss er auch nicht lange suchen: An der Straße vom Riegertswasen-Kreisel nach Neuenbürg stehen zwei Abfalltüten, ein Stück weiter hat jemand fünf blaue Müllsäcke über die Leitplanke hinweg die Böschung hinuntergeworfen. Einer davon ist aufgerissen. „Darin können sich auch Tiere leicht verheddern und verenden“, sagt Rapp und apelliert an Spaziergänger und andere Waldnutzer, wachsam zu sein: „Wenn einer nachts mit einem Anhänger voll Sperrmüll in den Wald fährt, hat der sicher nichts Gutes vor.“ Er rät, solche Beobachtungen der Polizei zu melden: „Das sind keine Kavaliersdelikte.“

Mehr lesen Sie am Freitag, 8. Dezember, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.