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13.07.2009

Unbekannter Toter hat jetzt ein Gesicht

RUTESHEIM. Die Kriminalpolizei Leonberg ist weiterhin auf der Suche nach der Identität des Mannes, dessen menschliche Überreste Mitte November 2008 bei einer Treibjagd an der Autobahn-Ausfahrt Rutesheim aufgefunden worden waren. Nach einer Weichteil-Rekonstruktion haben Spezialisten nun dem Toten ein Gesicht gegeben.

Mehrere Untersuchungen der Bekleidung und des Skeletts haben zwar einige Mosaiksteine im Fall ergeben, die aber bislang nicht zur Identifizierung des Mannes geführt haben. Anhand des Verkaufszeitraums der dunklen „H&M“-Verloursjacke und der Halbschuhe der Marke „Boss“, die am Fundort sichergestellt wurden, geht die Polizei davon aus, dass die Todeszeit des Unbekannten frühestens Ende 2001 bis etwa 2003 liegt.

Wissenschaftler der Universität Freiburg kommen nach den Untersuchungen der Zähne des Verstorbenen zum Ergebnis, dass das Alter des Mannes zum Todeszeitpunkt zwischen 29 und 35 Jahren betragen hat. Anhand der nur noch teilweise vorhandenen Knochen des Skeletts ermittelten sie eine Körpergröße des Unbekannten zwischen 1,66 bis 1,72 Meter. Auch dürfte der Unbekannte den Untersuchungen zufolge sehr schlank gewesen sein.

Die Spezialisten des Instituts für Humangenetik und Anthropologie der Universität Freiburg haben im Auftrag der Ermittler außerdem eine sogenannte Weichteil-Rekonstruktion durchgeführt. Anhand der Schädelmerkmale wurden die Gesichtszüge rekonstruiert, die zu einem Erscheinungsbild führten, wie der Mann zu Lebzeiten ausgesehen haben könnte. Auffällig dürften auch dabei die Rasta-Locken gewesen sein. Möglicherweise könnte die Hautfarbe auch dunkler gewesen sein.

Zudem haben die Kripo-Beamten aus einer ebenso aufwändigen Isotopen-Untersuchung bei der Rechtsmedizin der Universität München, die in Zusammenarbeit mit der bayrischen Staatssammlung für Paläontologie und Geologie vorgenommen wurde, Hinweise bekommen, wonach der Verstorbene im südlichen Balkan aufgewachsen und etwa zwei Jahre vor seinem Tod nach Deutschland gekommen sein dürfte.

Die DNA-Untersuchung musste aufgrund der relativ langen Liegezeit in einem Speziallabor in der Gerichtsmedizin der Universität Innsbruck durchgeführt werden. Das DNA-Muster konnte anhand eines Oberschenkelknochens und eines Backenzahns ermittelt werden. Dieses liegt weder in einem nationalen noch europäischen Fahndungsbestand der Polizei ein. Auch wurde diese Person noch bei keiner Polizeidienststelle als vermisst gemeldet.

Die Todesumstände sind den Leonberger Kripo-Beamten und den Kriminaltechnikern noch völlig unklar: Die gesicherte Spurenlage könnte einen natürlichen Tod erklären. Ebenso kann die Polizei aber nicht ausschließen, dass die Person am Auffindeort Opfer eines Gewaltverbrechens geworden oder an der Fundstelle bereits tot abgelegt worden ist.

Hinweise nimmt die Kriminalpolizei Leonberg unter (07152) 6050 entgegen.