nach oben
30.06.2009

Unternehmer Steinhart wirbt für sein Wellenbad-Modell

SCHÖMBERG. Der Bürgerentscheid in Schömberg besiegelte das Aus für ein Badprojekt nach dem PPP-Modell (Public Private Partnership). Aber besiegelte er auch das Ende des Wellenbads? Nicht, wenn es nach Franz Steinhart geht.

Der Pforzheimer Unternehmer will das Bad mit einem ausgedehnten Wellness-Bereich auf eigene Faust betreiben. Die Gemeinde soll dazu einmalig drei Million Euro beisteuern. Seine Pläne stellte Franz Steinhart, Bruder des Bäderkönigs Heinz Steinhart, auf Einladung des Wellenbad-Fördervereins im Haus am Kurpark vor.

Im interessierten, etwa 20-köpfigen Kreis mit Gemeinderäten, Vereinsmitgliedern und Kurmanager Torsten Zink als Vertreter der Gemeinde, zeigte Steinhart auf, wie seiner Meinung nach das Wellenbad fortbestehen könnte: Grund und Immobilie würde er für den symbolischen Preis von einem Euro bekommen und dazu noch den Zuschuss über drei Millionen Euro für die Gebäudesanierung. Weitere Pflichten kämen auf die Gemeinde nicht zu.

Rückgabe bei einem Scheitern

„Die Gemeinde hat null Risiko“, sagte Steinhart. Sie bezahle den einmaligen Beitrag, der langfristig in Form von Wasserabgaben, Gewerbesteuern und Tourismus-Einnahmen zurück fließe. Sollte das Projekt scheitern, erhalte sie die gesamte Summe ebenso zurück wie das Grundstück und das Wellenbad. „Abreißen kann man ja dann immer noch.“ Aber das werde nicht passieren. „Ich bin mir 100-prozentig sicher, dass wir im Plusbereich bleiben werden.“ Nach vorläufiger Kalkulation wird mit Abbruchkosten zwischen einer und 1,5 Millionen Euro gerechnet. Außerdem sieht es so aus, als ob ein Landeszuschuss über 800 000 Euro, den die Gemeinde für den Bau des Kinderbeckens erhalten hatte, zurück bezahlt werden muss – das Bad ist immerhin seit dem 23. Dezember 2006 geschlossen. So gesehen würden mehr als zwei Millionen Euro fällig, um die Einrichtung loszuwerden. „Dann haben Sie auf dem Areal aber gar nichts“, so Steinhart.

Seiner Idee zufolge soll der Badbereich mit Riesenrutsche und Wellenmaschine erhalten bleiben, saniert und durch den Anbau eines Sauna-Wellness-Bereiches innen und außen ergänzt werden. Das Schul- und Vereinsschwimmen soll laut Steinhart wieder möglich sein. Der Unternehmer, der die Pforzheimer Seniorenresidenz „Goldene Pforte“ betreibt, plant mit 100 000 bis 150 000 Besuchern im Jahr – etwas mehr, als früher ins Wellenbad kamen – und mit ähnlich vielen Euro Gewinn. Er wolle in erster Linie in das Erscheinungsbild und die Attraktionen investieren, um die Besucher von vorneherein zu begeistern.Die Technik solle Stück für Stück in Ordnung gebracht werden, und nur da, wo wirklich Not am Mann ist.

Da legte sich bei manchem Gemeinderat die Stirn in Sorgenfalten. Steinhart werde ganz sicher eine Million, wenn nicht sogar eineinhalb Millionen Euro in die marode Technik stecken müssen, sagte etwa Michael Wernecke. Auch die Energiekosten dürfe Steinhart keinesfalls unterschätzen. Andreas Ehnis: „Das Bad haben wir nicht wegen der sinkenden Besucherzahl geschlossen, sondern weil uns die Energiekosten davon galoppiert sind.“

Skepsis und Zustimmung

Während die Gemeinderäte aber durchaus ein offenes Ohr für die Pläne Steinharts zu haben schienen, zeigte sich Kurmanager Zink weit misstrauischer: „Wir von der Verwaltung haben größte Bedenken“, sagte er. Zahlreiche Experten hätten sich mit dem Wellenbad beschäftigt, und alle seien auf weit höhere Sanierungskosten gekommen als Steinhart. „So unrealistisch sind die Zahlen nicht“, hielt Andreas Ehnis entgegen. Immerhin habe das Architekturbüro Dorner aus Altensteig mehrere Varianten erarbeitet. „Die wildeste lag bei 3,7 Millionen Euro.“ Davon liege Steinhart nicht so weit weg entfernt.

Auf Vorschlag des CDU-Fraktionsvorsitzenden Joachim Zillinger und von Christoph Eck, dem zweiten Vorsitzenden des Wellenbad-Fördervereins, wird Steinhart, der eine Handskizze seiner Pläne dabei hatte, ein Grobkonzept erstellen. Auf dessen Grundlage kann geklärt werden, was Bürgermeisterin Bettina Mettler umtreibt: Würde ein Abkommen mit Franz Steinhart gegen den Bürgerentscheid verstoßen? Und können die Investoren, die sich an der PPP-Ausschreibung beteiligt und bereits Geld in die Planung investiert hatten Schadensersatz fordern?