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20.11.2016

Unterschiedliche Berechnungsmodelle für Kitas im Enzkreis

Kinder zu haben, ist in manchen Orten des Enzkreises deutlich teurer als in anderen. Bitter für Eltern sind vor allem sprunghafte Anhebungen der Betreuungsgebühren.

So sorgte vor einigen Wochen in Illingen die Verdopplung der Kernzeitkosten pro Schulkind von monatlich 51 auf 117 Euro für einen Aufschrei. In Mühlacker ist der Ärger groß, weil die Betreuungskosten für Kinder unter drei Jahren – wegen des höheren Zuwendungsbedarfs, so die Verwaltung – 2017 von rund 100 Euro aufs Doppelte steigen sollen. In Wiernsheim, wo die Beiträge für Kinder unter drei Jahren 2011 mit einem Schlag von 67 auf 250 Euro stiegen, reagierten Eltern vereinzelt mit der Abmeldung ihres Kindes aus der Einrichtung. Nach der jüngsten Erhöhung liegen die Kosten für die Kleinsten bei 328 Euro monatlich – in der Ganztagsbetreuung bei 508 Euro.

Wenn es um Beitragsermäßigungen für Geschwisterkinder geht, werden Familien in den 28 Enzkreisgemeinden unterschiedlich behandelt. Es gibt zwei Berechnungsmodelle – das badische und das württembergische. Die Kommunen sind frei in ihrer Wahl. Beim badischen Modell ist für eine Beitragsermäßigung die Zahl der Kinder einer Familie entscheidend, die gleichzeitig im Kindergarten sind. Beim württembergischen Modell werden dagegen alle Kinder unter 18 Jahren in einer Familie mitberücksichtigt. Insgesamt gilt das württembergische Modell als familienfreundlicher. Praktisch bedeutet das badische Modell nämlich meist: Sind die Geschwister mehr als vier Jahre auseinander, kommt die Familie nicht in den Genuss reduzierter Gebühren. Straubenhardt wechselte 2014 vom badischen zum württembergischen Modell. Dagegen stellte Wimsheim 2011 vom württembergischen aufs badische Modell um. Für eine Familie mit zwei Kindern – eins in der Schule, eins im Kindergarten – stiegen die Betreuungskosten von 66 auf 100 Euro pro Monat.

Eine Orientierung zur Festsetzung von Kindergartengebühren geben Berechnungen der kommunalen und kirchlichen Spitzenverbände. Die Gemeindeprüfungsanstalt empfiehlt, über Elterbeiträge etwa 20 Prozent der Gesamtkosten zu decken. Einer Studie von 2010 zufolge lagen die Kosten für die Halbtagesbetreuung eines Vierjährigen im Schnitt bei814 Euro jährlich. Die Spanne der Betreuungskosten in den 100 größten deutschen Städten reichte allerdings von null bis 3696 Euro.