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Peter Kiesinger: Sein Vater Kurt Georg Kiesinger war drei Jahre lang deutscher Kanzler.  Foto: Weber 

Vater des Karlsbaders war Kanzler: Peter Kiesinger wird 80

Karlsbad-Ittersbach. Er sei als Schwabe ein neutralisierter Badener geworden, erzählt Peter Kiesinger, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Der Liebe zu seiner heutigen Frau Adelheid wegen, hatte es die Kiesingers schließlich, die bereits seit mehr als vierzig Jahren in Ittersbach leben, ins Badische gezogen.

Geboren ist der Jubilar 1942 in Berlin, wo sein Vater Kurt Georg im Auswärtigen Amt arbeitete. Wenig später, als es Bomben auf Berlin hagelte, flüchtete die Mutter mit Peter und seiner zwei Jahre älteren Schwester Viola ins Mittelfränkische zu den Großeltern. Vater Kiesinger gerät in Gefangenschaft. Nach 18 Monaten Internierungslager wird er entnazifiziert, zunächst als Mitläufer eingestuft und schließlich 1948 vollständig entlastet.

1949 zog die Familie nach Rottenburg am Neckar und 1956 nach Tübingen. Der Vater hatte längst seine Karriere in der Politik aufgebaut und wurde 1956 zum Ministerpräsident von Baden-Württemberg gewählt. Acht Jahre blieb der CDU-Mann im Amt. Schließlich zog Kurt Georg Kiesinger, der 1988 verstarb, in die Bundespolitik. „Als 24-Jähriger habe ich am 1. Dezember 1966 im Bundeshaus in Bonn die Wahl meines Papas zum Bundeskanzler erlebt. Ich war natürlich sehr stolz, zumal wir immer ein sehr enges Vater-Sohn- Verhältnis pflegten und er mich geprägt hat“, erzählt Peter Kiesinger. Schließlich durfte der junge Peter Leuten wie Charles de Gaulle oder Lyndon B. Johnson die Hand schütteln. Die Familie wohnte zu dieser Zeit im Kanzler-Bungalow am Rhein. Der Kanzler-Sohn studierte zwischenzeitlich, wie der Großvater, der Vater und die Tante, Jura. Dies zunächst in Berlin, dann in Tübingen. Nach der Referendarzeit war er Referent im Landratsamt Vaihingen/Enz, beim späteren Landrat des Enzkreises, Heinz Reichert.

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Der auch heute agile und nach wie vor wissensdurstige Jurist, eröffnete 1980 gemeinsam mit einem Kollegen eine Kanzlei in Karlsruhe. Erst ein Jahr zuvor tritt er mit 37 in die CDU ein: Warum so spät? „Als mein Vater in Amt und Würden war und auch später, wollte ich nicht mit einem Landtags- oder Bundestagsmandat womöglich sein Sprachrohr sein. Die Kommunalpolitik hingegen macht mir nach wie vor Spaß. So seit nunmehr knapp 25 Jahren als Mitglied des Karlsbader Gemeinderates, davon lange Zeit als Bürgermeister-Stellvertreter“, erzählt Peter Kiesinger. Dies ganz nach seinem Credo: „Politik sollte aus dem Tun und Handeln von der Kommune heraus entwickelt werden“. 2016 wurde die Anwaltskanzlei in Karlsruhe aufgelöst. Seit dieser Zeit arbeitet der Fachanwalt für Steuerrecht im eigenen Haus. Daneben nimmt er sich Zeit für die Bücher, die sein Vater schon liebte: Remarque, Lenz, Goethes gesammelte Werke oder Morgensterns Galgenlieder. Von Anfang an sind Peter und Adelheid Kiesinger in Ittersbach bestens vernetzt und pflegen eine intensive Nachbarschaft, geprägt von einer großen Hilfsbereitschaft.

In den frühen 80er Jahren war auch Großvater Kurt Georg im Karlsbader Ortsteil gelegentlich zu Gast. Zwischenzeitlich haben die Tochter und die beiden Söhne den Kiesingers sechs Enkel geschenkt. „Ich wünsche mir für die Zukunft Gesundheit und weiterhin viel Spaß mit meinen Enkeln. Dies alles bei viel mehr Frieden, der die Welt umspannt“, so der Jubilar.