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Der Chorverband-Enz-Vorsitzende Peter Heinke aus Mühlacker macht sich Sorgen um den Fortbestand vieler Chöre in der Region.  Foto: Prokoph 
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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Das Singen im Chor ist derzeit aufgrund von Corona untersagt.  Foto: Prokoph 

Verband befürchtet Chorsterben wegen Corona: Ohne Auftritte fehle es nicht nur am Sozialen, auch am Finanziellen

Enzkreis/Mühlacker/Kreis Calw. Der Vorsitzende des Chorverbandes Enz, Peter Heinke aus Mühlacker, ist stinksauer. Denn noch immer ist nicht klar, wann die rund 2200 Aktiven in 63 Vereinen des Chorverbandes Enz mit seinen insgesamt rund 6000 fördernden Mitgliedern wieder singen dürfen. Schon seit Mitte März sind auf der Grundlage der Corona-Bestimmungen Chorproben untersagt. Das trifft natürlich auch die MGV- Chöre Mühlacker, deren Vorsitzender Peter Heinke seit 1989 ist, in den beiden Chören „Tonart“ und dem gemischten Chor heftig. „Wir haben wie alle anderen Chöre keine Konzerte und Feste, um Einnahmen zu generieren“, sagt Heinke.

Der Shutdown habe die Mühlacker Sänger nach ihrem Chorseminar im März in Rastatt getroffen. Dann kam noch hinzu, dass einer der beiden Leiter der MGV-Chöre einen Coronafall bei einem anderen Chor hatte. „Das Vereinsleben liegt seit Mitte März brach“, weiß Heinke. Und er ärgert sich, dass viele Chorleiter als Soloselbssttändige nicht in den Genuss der Corona-Soforthilfen des Landes gekommen seien und keine Begründung für die Ablehnung erhalten haben.

„Mir ist kein Dirigent bekannt, der Coronahilfe bekam“, sagt Heinke. Die Hilfe bis 31. Mai sei von der Politik wieder einmal nur versprochen, aber nicht gehalten worden, moniert Heinke enttäuscht. Deshalb bezahlten die Chöre ihre Dirigenten weiter. Wegen der verweigerten Soforthilfe habe er mittlerweile die Landräte in Calw (Helmut Riegger) und im Enzkreis (Bastian Rosenau) sowie alle Landtags- und Bundestagsabgeordnete der CDU, der SPD, der Grünen und der FDP in Pforzheim, Calw, dem Enzkreis, Vaihingen/Enz sowie den Präsidenten des Schwäbischen Chorverbandes, Jörg Schmidt, angeschrieben und um Hilfe gebeten. Genützt hat es bis dato nichts, ist Heinke tief enttäuscht. Alle hätten nur versichert, sich einsetzen zu wollen, aber ohne Ergebnis.

Selbst wenn man nun alle Konzerte verschiebe, häuften sich die Angebote dann im Herbst und es fehlten Hallenkapazitäten. „Tatsächlich ist es immer anders, als es öffentlich kommuniziert wird“, sagt Heinke verärgert. Kleine Vereine und Verbände hätten halt keine so große Lobby in der Politik. Vor einigen Tagen musste er die Kosten und möglichen Verluste der Chöre im Chorverband Enz schnellstmöglich erheben für ein Gespräch des schwäbischen Chorverbandes mit der Kultusministerin. „Wir haben bisher noch keine Ergebnisse“, bedauert Heinke.

Mittlerweile gebe es zwei Gutachten zum Singen wegen Corona, weiß er. Das eine sieht keine Auswirkungen und das andere empfehle fünf Meter Abstand. Von den Mitgliedsbeiträgen der Chöre könnte ein Drittel der benötigten Mittel generiert werden, der Rest käme aus Veranstaltungen, verdeutlicht Heinke. „Bei zwei Drittel unserer Chöre habe ich mittlerweile Bedenken, ob sie weiterbestehen“, blickt Heinke äußerst düster in die Zukunft.