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Abellio und Go-Ahead im Bahnhof in Mühlacker: Deutlich zu sehen sind die Stromabnehmer auf den Fahrzeugen.  Foto: Marx 

Vereiste Oberleitungen bilden Schwachpunkt bei der Bahntechnik: Ist das auch ein ernsthaftes Problem in der Region?

Pforzheim/Enzkreis. Diese Meldung hat bei Bahnkunden im Ruhrgebiet für eisige Mienen gesorgt: Wegen vereister Oberleitungen fielen 50 Regionalzüge des privaten Anbieters Abellio aus. Der Kontakt zu den Stromabnehmern der Triebfahrzeuge sei gestört gewesen, ließ das Unternehmen wissen. Wäre so etwas in diesem Umfang auch in der Region möglich?

Im Prinzip ja, allerdings gibt es nach Aussage eines Sprechers der Deutschen Bahn (DB) aus Stuttgart einen Hoffnungsschimmer: „Die Loks des Fern- und Regionalverkehrs verfügen jeweils über zwei Stromabnehmer und können in der Regel die Strecke auch bei Vereisungen der Oberleitung befahren, wenn beide Abnehmer“ hochgefahren seien. Die erste Installation zerstöre den Eispanzer, die zweite könne sodann den Strom abnehmen.

Großflächiger Stillstand

Das klingt zunächst gut. Klappt aber offensichtlich nicht immer, etwa, wenn das Eis zu stark ist. Im erwähnten Fall in Nordrhein-Westfalen war der morgendliche Regionalverkehr im Ruhrgebiet großflächig zum Stillstand gekommen. Viele Fahrzeuge hatten aufgrund der geschilderten Wirkweise tatsächlich zunächst starten können. Das böse Erwachen kam dann freilich auf offener Strecke außerhalb der Bahnhöfe und Haltepunkte. Dort blieben die Triebwagen liegen und mussten dann aufwendig abgeschleppt werden.

Bei Abellio Baden-Württemberg verwies man auf Anfrage der „Pforzheimer Zeitung“ übrigens auf die Kollegen von DB Netz. Die seien im Kern für alle Belange der Oberleitungen zuständig.

Bei der DB wiederum ist man der Meinung alles getan zu haben, um sich auf einen ordentlich Winter vorzubereiten. Hierzu heißt es in einer Pressemitteilung: Damit die Züge auch in den Wintermonaten möglichst reibungslos rollen und die Reisenden verlässlich ihr Ziel erreichen könnten, habe sich die DB schon Monate im Voraus auf die kalte Jahreszeit vorbereitet. Wörtlich wird angeführt: „Zehntausende DB-Mitarbeiter, Winterdienst-Profis und Spezialfahrzeuge stehen bei Schnee und Eis bereit, um Bahnsteige und Gleise schnellstmöglich freizuräumen.

Züge und Loks macht die Bahn in ihren Werkstätten winterfest und hält sie laufend instand. Kann der Fahrplan aufgrund widriger Witterung nicht eingehalten werden, ist oberste Priorität, die Reisenden unmittelbar zu informieren.“ Neben dem DB Navigator und Durchsagen erreiche die DB ihre Fahrgäste über mehr als 6000 dynamische Schriftanzeiger auf den Bahnhöfen. Insgesamt stünden in diesem Jahr 70 Millionen Euro für die Wintervorbereitungen zur Verfügung.

„Nie zu 100 Prozent gefeit“

Kritiker verweisen allerdings darauf, dass die Bahn vier große Feinde habe: Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst – und gegen keine dieser „gefährlichen Jahreszeiten“ sei ein Kraut gewachsen. Ein DB-Sprecher aus Stuttgart räumt ein: „Auch bei aller gründlichen Vorbereitung ist die Bahn als offenes System nie zu 100 Prozent vor Wetterauswirkungen gefeit.“

Mehr lesen Sie am Dienstag, 7. Januar 2020, in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news.