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11.11.2016

Verflossener EnBW-Aktiensegen bei den Enzkreis-Gemeinden

Die Geschichte lässt sich anhand zweier Zahlen erzählen: 41,50 Euro ist die erste. So viel Geld winkte 2011 Städten und Gemeinden beim Verkauf für jede EnBW-Aktie. Dieses Angebot war eine Folge des Rückkaufs der Landesanteile an dem Energieversorger – später war dieser Deal des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus heftig kritisiert worden.

Einige Kommunen schlugen 2011 zu, andere hielten die Aktienpakete. Fünf Jahre später ist der Wert der EnBW-Anteile auf 18,91 Euro abgestürzt – auf weniger als die Hälfte. Weit dramatischer als das Minus von 30 Prozent, das damals nach der Atomkatastrophe von Fukushima, dem deutschen Ausstieg aus der Kernenergie und der hastigen Energiewende für möglich gehalten wurde. Wie blicken Enzkreis-Gemeinden heute auf ihre Weichenstellungen von 2011?

Beispiel Birkenfeld:

Die wohlhabende Gemeinde hat nach wie vor ein Paket von 250 000 EnBW-Aktien in ihrem Haushalt. 2011 hätte Birkenfeld rund 10,4 Millionen Euro dafür erhalten können. Der heutige Wert des Pakets: nur noch rund 4,7 Millionen Euro. Ein Glück, dass es der Gemeinde auf diesen nackten Wert nicht ankommt, wie Bürgermeister Martin Steiner sagt. Die Kommune habe viele Jahre als Anteilseigner von Dividenden der EnBW profitiert – als Stütze für den Gemeindehaushalt. Allerdings: Durch das schwere Fahrwasser für Energieversorger stellt sich Steiner auch da in naher Zukunft auf Nullrunden ein. 2009 flossen noch 425 000 Euro an Ausschüttungen der EnBW in Birkenfelds Etat. Zuletzt waren nur noch 116 000 Euro veranschlagt und vor den anstehenden Gesprächen der EnBW mit den Anteilseignern erwartet Steiner eher keine Dividende mehr. Aus der Bahn werfe das die Gemeinde nicht. Steiner steht zum Festhalten an den Aktien, das vor seiner Amtszeit beschlossen worden war. Mit Blick auf den Umbau des Energieversorgers habe Birkenfeld einen langen Atem.

Beispiel Remchingen:

Remchingens Rathauschef Luca-Wilhelm Prayon hat die Zuversicht, dass die EnBW nach dem Umbau wieder gestärkt in die Zukunft geht. Kommunen könnten als Anteilseigner die Energiewende begleiten, so Prayon, Das sei wichtig, auch wenn die eigene Aktienentscheidung wirtschaftlich natürlich keine Erfolgsgeschichte sei. Remchingen hatte sein Paket sogar durch Zukäufe auf 100 000 EnBW-Aktien aufgestockt. Sie sind nun wie in Birkenfeld erst mal geparkt. „Hätten wir damals die heutige Kursentwicklung vorhergesehen, hätten wir vielleicht länger mit uns gerungen“, so Prayon.

Beispiel Wiernsheim:

„Alles richtig gemacht“, bilanziert Wiernsheims Kämmerer Matthias Enz fünf Jahre nach dem Verkauf von gut 400 000 EnBW-Anteilen. Rund 16,6 Millionen Euro erlöste die Gemeinde damals. Heute wären die Aktien neun Millionen Euro weniger wert. Wiernsheim sei auch nicht in die von vielen Kommunen damals befürchteten Fallen getappt: Weder habe man das Geld im laufenden Haushalt schnell verbraten, noch hätten die damals schon schlechten Zinsen auf Geldanlagen eine Hauptrolle gespielt. Mit einem Teil der Verkaufssumme wurden Schulden getilgt, der Rest ist langfristig im Maulbronn-Stromberg-Fonds angelegt.

Beispiel Maulbronn:

Die Klosterstadt steht für Kommunen, die schon über zehn Jahre früher, im Rahmen des EnBW-Verkaufs des Landes an den französischen Konzern EdF Aktien abgestoßen haben. Damals habe Maulbronn den Fonds initiiert, um mit den Erlösen wie einst mit den Aktien den Haushalt langfristig stützen zu können, so Kämmerer Frank Burghardt. Heute machen viele Enzkreis-Gemeinden mit.