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Im Juni 2016 entlädt sich ein Unwetter über dem Gebiet der Gemeinde Königsbach-Stein. Die Wassermassen treffen vor allem den Ortsteil Stein hart. Innerhalb von zehn Minuten prasseln bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter auf die Erde, schätzen Expertemn später. Zum Vergleich: Der Deutsche Wetterdienst gibt bei Mengen von mehr als 25 Litern pro Quadratmetern in der Stunde die höchste der beiden Unwetterwarnungen heraus. Foto: Privat
Im Juni 2016 entlädt sich ein Unwetter über dem Gebiet der Gemeinde Königsbach-Stein. Die Wassermassen treffen vor allem den Ortsteil Stein hart. Innerhalb von zehn Minuten prasseln bis zu 50 Liter Regen pro Quadratmeter auf die Erde, schätzen Expertemn später. Zum Vergleich: Der Deutsche Wetterdienst gibt bei Mengen von mehr als 25 Litern pro Quadratmetern in der Stunde die höchste der beiden Unwetterwarnungen heraus. Foto: Privat
Der Starkregen-Experte Wolfgang Günthert
Der Starkregen-Experte Wolfgang Günthert
17.08.2018

Verheerender Starkregen: Wie man sich vor zerstörerischen Sturzfluten schützen kann

Pforzheim/Enzkreis. Diese Bilder brennen sich tief ins Gedächtnis ein: 2016 verwandeln Wassermassen Straßen in Stein und Ölbronn in reißende Sturzbäche und hinterlassen eine Spur der Verwüstung. 2018 trifft gleiches Schicksal auch Mühlacker und vor allem die Ortsteile Lomersheim und Großglattbach. Solche Katastrophen durch Starkregen-Ereignisse werden häufiger, warnt Wolfgang Günthert, Professor am Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr in München.

Schuld sei der Klimawandel und der Mensch selbst. Im Interview mit der PZ setzt sich der Starkregen-Experte für ein Frühwarnsystem ein und macht klar, was Kommunen tun können und wie sich auch Hausbesitzer vor Sturzfluten schützen können.

PZ: „Starkregen überflutet Keller“, „Sturzfluten reißen Autos mit“: Warum liest man solche Schlagzeilen in den vergangenen Jahren immer häufiger?

Wolfgang Günthert: Das ist zweifelsohne eine Folge des Klimawandels. Durch die höheren Temperaturen im Sommer steigen mehr feucht-warme Luftmassen auf. Dadurch bilden sich entsprechend größere Wolken, die dann zu starken, intensiven Niederschlägen führen.

PZ: Was macht den Starkregen gefährlicher als Hochwasser von Gewässern?

Wolfgang Günthert: Er tritt plötzlich und ohne Vorwarnung auf. Zum anderen trifft es Regionen, in denen die Menschen nicht darauf vorbereitet sind, weil sie keine Ahnung haben, dass bei ihnen Überflutungen durch Starkregen auftreten können. In der Nähe eines Gewässers wissen die Leute, dass es Hochwasser geben kann. Wenn man aber fernab von Flüssen lebt, hat man dieses Bewusstsein nicht.

PZ: Sie sagen, dass auch die private Hand in der Pflicht ist. Wie können sich Hausbesitzer vor den Gefahren eines Starkregens schützen?

Wolfgang Günthert: Erst einmal muss man sich bewusst werden, wo ein Gebäude gefährdet ist – nämlich unterhalb der Erde. An Kellerlichtschächten, Kellerabgängen und Tiefgarageneinfahrten kann Wasser in das Haus laufen. Kellerlichtschächte können beispielsweise höher gesetzt oder gleich komplett mit Glas dicht abgedeckt werden. Eine ganz wichtige Stelle ist auch die Hausentwässerung. Bei Starkregen kann Wasser aus dem öffentlichen Kanal ins Gebäude gedrückt werden. Eine entsprechende Rückstausicherung verhindert das. Die meisten Leute wissen aber gar nicht, ob sie so etwas haben oder ob diese noch funktioniert. Ich empfehle jedem, das zu überprüfen. Dafür ist der Eigentümer selbst zuständig. Viele Gemeinden haben schon entsprechende Hinweisblätter verteilt.

PZ: Sie fordern auch ein Frühwarnsystem: Ist so etwas bei plötzlichem Starkregen überhaupt möglich?

Wolfgang Günthert: Da muss ich gleich sagen: Vor Starkregen-Ereignissen punktgenau zu warnen, ist sehr schwer. Es werden eher allgemeine Warnungen sein. Aber es gibt bereits heute entsprechende Ansätze und auch schon Pilotprojekte. Dabei wird ein bestimmter Personenkreis per Nachricht aufs Handy alarmiert. Ich sage aber auch: Eine Warnung nutzt nichts, wenn man keine Vorsorge trifft.

Das komplette Interview lesen Sie am Samstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

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